Bayerischer Wald
Wölfe in den Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava
Seit 2015 ist der Wolf wieder in der grenzüberschreitenden Region der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava heimisch. Auf dieser Sonderseite stehen alle relevanten Informationen zur Rückkehr der Tiere zur Verfügung. So gibt es im Frage-und-Antwort-Bereich einen historischen Abriss, eine ökologische Betrachtung, ein Artporträt, Informationen zum Aufeiandertreffen von Wolf und Mensch, eine Beschreibung aktueller Forschungstätigkeiten sowie einen kurzen Einblick in den Herdenschutz. Die FAQ basiert in großen Teilen auf Informationen des Landesamts für Umwelt. Zudem sind am Ende der Seite bisher erschienende Artikel zum Thema verlinkt.
Terminankündigung:
Wissenschaftlicher Vortrag am 14. April
Unter dem Titel "Ökologische Auswirkungen der Rückkehr der Wölfe auf das Ökosystem Šumava/Bayerischer Wald" findet am Dienstag, 14. April, ein wissenschaftlicher Vortrag statt. Die Veranstaltung ist öffentlich, eine Anmeldung ist nicht nötig. Der Eintritt ist frei. Los geht's um 18 Uhr im Hans-Eisenmann-Haus bei Neuschönau. Referent ist Prof. Marco Heurich, Leiter des Sachgebiets Nationalparkmonitoring und Tier-Freigelände.
Faktencheck: Alle Infos zum Wolf in der Region
Geschichte und Rolle der Wölfe im Bayerischen Wald
Wann wurden die Wölfe ausgerottet?
Der Wolf gehört eigentlich seit jeher zur natürlichen Artausstattung des Bayerischen Waldes und Böhmerwalds. Doch die Menschen sahen ihn als Gefahr und rotteten ihn aus. 1848 wurde das letzte Tier auf bayerischer Seite geschossen.
Wie kamen die Wölfe in den Bayerischen Wald?
Wie viele Wölfe leben derzeit im Böhmerwald?
Im kompletten, grenzüberschreitend betrachteten Böhmerwald lebten im Wolfsjahr 2024/2025 fünf Rudel, fünf Paare und sieben einzelne Tiere ohne Territorium; insgesamt mindestens 39 Tieren (28 adulte und subadulte Tiere und elf Jungtiere). Die meisten dieser Tiere stammen aus der hiesigen Population, es sind aber auch immer wieder Tiere - vor allem aus der zentraleuropäischen Population - zugewandert. Gleichzeitig sind auch Tiere aus unserer Population abgewandert und haben zum Beispiel im Thüringer Wald und Erzgebirge Rudel etabliert. Im Jahr 2025 konnte im Nationalpark Bayerischer Wald Nachwuchs nachgewiesen werden: Bei zwei Rudeln gab es insgesamt zehn Welpen.
Gehört der Wolf in das Ökosystem des Nationalparks?
In der Nationalparkverordnung ist das Ziel festgelegt, das Wirken der natürlichen Umweltkräfte und die ungestörte Dynamik der Lebensgemeinschaften zu gewährleisten sowie zwischenzeitlich ganz oder weitgehend aus dem Gebiet zurückgedrängten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten eine artgerechte Wiederansiedlung zu ermöglichen. Ziel ist es letztendlich, eine für Mitteleuropa charakteristische Lebensgemeinschaft zu erhalten. Und dazu gehören natürlich auch die Tier-, Pilz-, und Pflanzenarten. Der Wolf war ein Waldbewohner der Region. Vor zehn Jahren ist er von selbst wieder eingewandert und lebt nun hier. Damit ist er ein integraler Bestandteil der Waldökosysteme des Nationalparks.
Welche Rolle spielen Wölfe im Ökosystem?
Wölfe wirken im Ökosystem hauptsächlich durch direkte Prädation und indirekte Verhaltenswirkungen auf ihre Beutetiere. Sie reduzieren dadurch lokal zum Beispiel die Dichte von Hirschen und Rehen und beeinflussen deren Verhalten. Die Prädation erfolgt dabei nicht zufällig, sondern mit einer selektiven Entnahme von jungen, alten oder konditionell geschwächten Beutetieren. Darüber hinaus kann die Anwesenheit von Wölfen zu einer veränderten Raumnutzung der Beutetiere führen, insbesondere durch die Meidung offener Flächen. Diese indirekten Effekte können lokal zu einer Reduktion des Fraßes an Gehölzen beitragen. Kadaver aus Wolfsrissen stellen eine temporäre, räumlich konzentrierte Nahrungsquelle für Aasfresser sowie Bakterien und Pilze dar und beeinflussen Stoff- und Energieflüsse innerhalb des Ökosystems.
Können Wölfe in den Tier-Freigeländen beobachtet werden?
Zur Umweltbildung unterhält der Nationalpark Bayerischer Wald zwei Tier-Freigelände - und zwar im Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau und im Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal. In beiden Besuchereinrichtungen existieren Wolfsgehege, an denen man die Tiere mit etwas Glück erspähen kann.
Der Wolf im Porträt
Wie unterscheidet man einen Wolf von einem Hund?
Wie leben Wölfe?
Wie groß sind die Streifgebiete von Wölfen?
Wie viele Kilometer können Wölfe pro Tag zurücklegen?
Was fressen Wölfe?
Wie jagen Wölfe?
Über welche Sinne verfügen Wölfe?
Wolf und Mensch
Wie verhalte ich mich, wenn ich im Nationalpark auf einen Wolf treffe?
Können Wölfe dem Menschen gefährlich werden?
Warum sieht man immer wieder Wölfe in Siedlungsgebieten?
Forschung in den Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava
Wie wird die Wolfspopulation erforscht?
Welche Daten werden bei dem Forschungsprojekt gesammelt?
Herdenschutzmaßnahmen und Wolfsrisse
Müssen Nutztiere in Wolfsgebieten geschützt werden?
Was passiert bei einem mutmaßlichen Nutztierriss?
Ein Verdacht auf einen Übergriff durch einen großen Beutegreifer muss zeitnah an die Fachstelle "Große Beutegreifer" des Landesamtes für Umwelt (LfU) gemeldet werden. Das LfU nimmt Kontakt mit dem Nutztierhalter auf, um sich über genauere Angaben und bestmöglich schon Bildmaterial einen Eindruck von der Situation zu verschaffen. Liegen mögliche Indizien für eine Beteiligung großer Beutegreifer vor, dokumentiert ein Mitglied des "Netzwerks Große Beutegreifer" vor Ort das Ereignis und sichert mögliche Spuren. Liegt ein begründeter Verdacht auf Beteiligung eines Wolfes vor, wird der Tierkörper von einem Veterinär an der zuständigen Tierkörperbeseitigungsanstalt detailliert untersucht. Untersucht werden Spuren, mögliche Risse, Funde von Losung oder Haaren. Aber auch tote, wolfsähnliche Tiere, die etwa im Straßenverkehr umgekommen sind, werden möglichst unmittelbar nach der Meldung vor Ort untersucht. Zudem werden genauere Analysen, wie zum Beispiel genetische Untersuchungen von möglichen Speichelspuren an Bisswunden durchgeführt. Informationen zu Entschädigungen gibt es beim Landesamt für Umwelt.
- Telefonischer Meldeweg zum Landesamt für Umwelt: 09281 18004640. Tägliche Erreichbarkeit mindestens von 10 bis 16 Uhr, auch an Wochenenden.
- E-Mail-Meldeweg zum Landesamt für Umwelt: fachstelle-gb@lfu.bayern.de
- Informationen zur Meldung von Hinweisen auf Wolf, Luchs oder Bär
- Regelung zum finanziellen Ausgleich von durch Wolf, Bär oder Luchs verursachten Schäden (Ausgleichsregelung Große Beutegreifer)
Wie kann man Nutztiere schützen und wer ist Ansprechpartner?
Je nach Haltungsform der Nutztiere gibt es eine Reihe von Möglichkeiten zur Vorbeugung von Schäden. Dies kann geschehen durch Zäunung, Behirtung und den Einsatz von Herdenschutzhunden. Die Richtlinie zur Förderung von Investitionen in Herdenschutzmaßnahmen gegen Übergriffe durch den Wolf (FöRIHW) beschreibt die Grundlagen und Rahmenbedingungen des Förderprogramms für Anschaffungen zum Schutz von Nutztieren. Das Merkblatt zur Richtlinie zur Förderung von Investitionen in Herdenschutzmaßnahmen gegen Übergriffe durch den Wolf enthält nähere Erläuterungen für die Nutztierhalter. Unter anderem wird dort spezifiziert, welche Anforderungen an Herdenschutzzäune und Herdenschutzhunde aktuell bestehen.
Die Förderkulissen für Herdenschutzhunde und Herdenschutzzäune werden im Internetangebot des LfU veröffentlicht (Förderung Herdenschutz Wolf - LfU Bayern). Bei Ereignisgebieten ist für die Förderkulissen der aktuelle Zeitraum der Ausweisung angegeben. Die aufgrund standorttreuer Tiere ausgewiesenen Förderkulissen werden regelmäßig am Ende eines Kalenderjahres mit den Monitoringdaten der vergangenen beiden Jahre abgeglichen und gegebenenfalls die Ausdehnung angepasst.
Bezüglich Herdenschutzmaßnahmen sind die örtlichen Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die Beratung von Nutztierhaltern hinsichtlich notwendiger Herdenschutzmaßnahmen zuständig. In den Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen ist dies das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen. Für Herdenschutzhunde ist das Landesamt für Umwelt zuständig. Darüber hinaus bietet das Landesamt für Umwelt auf seiner Internetseite ein ausführliches Informationsangebot rund um den Wolf an. Dort sind auch alle relevanten Förderrichtlinien zu finden:
Informiert der Nationalpark auch über Herdenschutz?
Die Nationalparkverwaltung möchte dazu beitragen, die Anwesenheit des Wolfes in der Region möglichst konfliktarm zu gestalten. Dies betrifft insbesondere auch den Bereich der Nutztierhaltung innerhalb des Nationalpark-Gebietes. In ihrem direkten Zuständigkeitsbereich (Tier-Freigelände, Schachtenbeweidung) ist es Ziel des Nationalparks, den Herdenschutz vorbildlich umzusetzen, um in der Region als Modell dienen zu können. Darüber hinaus sieht die Nationalparkverwaltung eine besondere Verantwortung gegenüber Nutztierhaltern auf nationalparkeigenen Flächen („Pächter“) sowie gegenüber Nutztierhaltern in Nationalpark-Enklaven. Hier sorgt die Nationalparkverwaltung für ausführliche Informationen und für die Vermittlung von Ansprechpartnern. Die Nationalparkverwaltung hält als Sofortmaßnahme nach einem erfolgten Wolfsangriff auch ein mobiles Weidezaunsystem bereit. Dieses kann kurzzeitig (bis zur Ertüchtigung des eigenen Zaunes) zum Schutz der Herde entliehen werden. Außerhalb des Nationalparks endet die Zuständigkeit der Nationalparkverwaltung. Generell wird Nutztierhaltern in der Nationalparkregion aufgrund der Wolfsanwesenheit empfohlen, ihre Tiere zu schützen und gegebenenfalls Kontakt mit dem Landesamt für Umwelt aufzunehmen.
Genutzte Quelle: Landesamt für Umwelt






