Forschungsschwerpunkte

 

Der Nationalpark ist ein ganz besonderer Lernort – vor allem für den Waldnaturschutz. In Mitteleuropa sind eingriffsfreie Flächen dieser Größe sehr selten, was den Bayerischen Wald zu einem wichtigen Referenzraum für viele Fragestellungen des Naturschutzes und der Ökologie macht. Eines der Alleinstellungsmerkmale ist das vorhandene Mosaik aus groß- und kleinflächigen Störungen – etwa durch Windwurf oder Borkenkäferbefall.

Forschungsziele

In der Nationalparkverordnung sind vier Ziele der Forschungsarbeit festgeschrieben. So soll der Aufbau und die Entwicklung der natürlichen und naturnahen Lebensgemeinschaft erkundet werden. Zudem sollen Erkenntnisse für die Forstwirtschaft und die forstliche Praxis gewonnen werden. Auch das Wissen über den Naturschutz, über menschliche Einwirkungen sowie über Umweltveränderungen im internationalen Kontext soll vertieft werden. Schließlich steht die Unterstützung der Nationalparkverwaltung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben auf der Agenda.

Ausstattung

Neben kompetentem Personal und einem wissenschaftlichen Netzwerk steht dem Nationalpark eine Vielzahl an Forschungseinrichtungen zur Verfügung. So werden bereits seit 1976 Langzeitbeobachtungen des Ökosystems durchgeführt. Wetterstationen, ein über 50 Meter hohes Stahlgerüst zur Untersuchung von Luftchemie und Meteorologie, Dauerbeobachtungsflächen zum Wasser- und Stoffhaushalt, Grundwasserbrunnen oder Abflusspegelanlagen gehören genauso zur Ausstattung wie eine Vielzahl kleinerer Messplätze verteilt über den kompletten Höhengradienten.

Forschungsfelder

Aus den Zielen leiten sich vier große Forschungsfelder ab, die im Nationalpark Bayerischer Wald schwerpunktmäßig im Fokus stehen. Diese sind:

Biogeografische Analyse des Arteninventars: Über 7300 Arten sind mittlerweile im Nationalpark sicher nachgewiesen. Vermutet werden jedoch rund 14.000 Arten. Alle Lebewesen, die in der Region vorkommen, zu inventarisieren ist daher eine der Hauptaufgaben. Besonders haben wir dabei ein Auge auf Eiszeitrelikte, Urwaldrelikte und Arten, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in Großschutzgebieten haben. Für diese Lebewesen fällt uns eine besondere Verantwortung zu. Außerdem sollen Arten identifiziert werden, die systemrelevant sind, also Tiere, Pflanzen oder Pilze, die eine besonders wichtige Rolle in ökologischen Prozessen spielen.

Auswertung populationsdynamischer Prozesse ausgewählter Arten: Besondere Leuchtturmarten nehmen wir genau unter die Lupe. Dabei analysieren wir etwa, wie es um die Populationen von Auerhuhn oder Luchs bestellt ist. Räumlich werden zudem nicht nur funktional wichtige Arten wie Zunderschwamm oder Rotrand-Porling untersucht, sondern auch Rothirsch oder Borkenkäfer, die auch in Teilen des Nationalparks einem Management unterliegen.

Erforschung und Quantifizierung wesentlicher natürlicher Prozesse: Ein wichtiger wissenschaftlicher Baustein ist die Untersuchung physikalischer und chemischer Eigenschaften des Lebensraums inklusive der Quantifizierung der Stoffkreisläufe. Auch im Nationalpark unterliegen diese menschlichen Einflüssen, etwa durch Schadstoff- und Nährstoffeintrag sowie durch den Klimawandel. Daneben gibt es natürliche Störungen. Beide Faktoren beeinflussen beispielsweise den Wasserhaushalt, die Kohlenstoffdynamik oder Waldentwicklungsprozesse. Die komplexen Zusammenhänge gilt es zu untersuchen.

Sozioökonomische Forschung: Nicht die Natur, sondern der Mensch steht hierbei im Vordergrund. Mithilfe von Befragungen und Zählungen soll herausgefunden werden, wie Einheimische und Touristen den Nationalpark sehen. Im Fokus stehen Fragen zur Akzeptanz, zur Naturwahrnehmung, zu den Nationalparkeinrichtungen oder zum allgemeinen Wissen über das Schutzgebiet. Die Ergebnisse sollen vor allem im Bereich Besuchermanagement berücksichtigt werden. Des Weiteren wird untersucht, welche regionalökonomischen Effekte der Nationalpark in der Region auslöst – insbesondere in Hinblick auf die Wertschöpfung.

Weiterführende Informationen

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