Infos zur Buchdrucker-Situation im Nationalpark Bayerischer Wald

Vor allem am Fuß des Großen Falkensteins ist seit dem Frühjahr 2023 eine erhöhte Borkenkäfer-Aktivität festzustellen. In den Nationalpark-Randbereichen laufen daher seitdem viele Maßnahmen zum Borkenkäfer-Management. Auf dieser Sonderseite finden Sie alle aktuellen Mitteilungen des Nationalparks zum Thema.

 


Makroaufnahme eines Buchdrucker-Käfers

Buchdrucker.
Foto: Lukas Haselberger

Fraßbild eines Buchdruckers

Buchdrucker-Fraßbild.

Schlitzen eines Baumstamms mit einem speziellen Motosägen-Aufsatz

Buchdrucker-Management.


Faktencheck: Alle Infos zum Buchdrucker

Management im Nationalpark – Auswirkungen auf Besucher, Waldentwicklung, Wasserversorgung & Co.

Seit dem Sommer 2023 vermehrt sich der Buckdrucker in ganz Deutschland wieder massenhaft – so auch im Nationalpark Bayerischer Wald insbesondere im Falkensteingebiet. Mit geballten Kräften verhindert die Nationalparkverwaltung im Randbereich des Schutzgebietes die Ausbreitung des Borkenkäfers auf die benachbarten Wälder. In der Naturzone wird nicht eingegriffen, hier gilt der Borkenkäfer als Gestalter neuer, naturnaher Waldlebensräume. Im Faktencheck gibt es alle Informationen rund um den Buckdrucker und die aktuelle Situation.

 

Der Buchdrucker im Porträt

Wer ist der „Käfer“?


Makro-Aufnahme eines Buchdruckers (Ips typographus) Der Käfer ist nur 4 bis 5,5 mm groß. Foto: Lukas Haselberger
Ein ausgewachsener Buchdrucker wird bis zu 5,5 Millimeter groß. Foto: Lukas Haselberger

Wenn man im Bayerischen Wald vom „Käfer“ spricht, ist in der Regel der Buchdrucker gemeint. Er ist nur einer von rund 120 Borkenkäferarten in Deutschland, von denen circa 50 auch im Bayerwald vorkommen. Sein wissenschaftlicher Name lautet Ips typographus. Und in europäischen Wirtschaftswäldern ist er der bedeutendste Forstschädling – trotz seiner geringen Größe von knapp 5 Millimetern. Das Leben des Buchdruckers ist dabei untrennbar mit seinem Wirtsbaum, der Fichte, verbunden. Daher kommt auch ein weiterer Name des Käfers: Großer Achtzähniger Fichtenborkenkäfer.

Wie pflanzt sich der Buchdrucker fort?

Das Bild zeigt das Fraßbild welches die Käfer unter der Fichtenrinde anlegen.
Das typische Fraßbild eines Buchdruckers unterhalb der Rinde einer befallenen Fichte.

Ausgewachsene Männchen bohren sich unter die Rinde von Fichten. Dort legen sie Rammelkammern an. Mit Duftstoffen locken sie mehrere Weibchen hinein. Nach der Paarung bohren die Weibchen einen bis zu zehn Zentimeter langen Muttergang, in dessen Nischen bis zu 60 Eier abgelegt werden. Nachdem die Larven geschlüpft sind, fressen sie sich strahlenförmig durch die Bastschicht der Fichten, ehe sie sich verpuppen. Nach sieben bis elf Wochen sind die Larven ausgewachsen. Sie fliegen aus und beginnen selbst damit, sich fortzupflanzen. Erwachsene Käfer wiederum können je nach Witterung in einer Saison bis zu drei Bruten anlegen, was erklärt, warum sich der Buckdrucker dann explosionsartig vermehren kann.

Können Fichten Buchdrucker abwehren?

Ja. Gesunde Bäume können sich bei geringem Befall von Buchdruckern selbst zur Wehr setzen. Sie nutzen Harz, um die Käfer unschädlich zu machen. Bei einem simultanen Angriff von hunderten Käfern kommt die Abwehr der Fichte jedoch zum Erliegen, da sie durch den hohen Fraß unter der Rinde geschwächt wird. Die Abwehrkräfte versagen noch schneller, wenn eine Fichte zum Beispiel durch Trockenheit oder Hitze vorgeschädigt ist.

Gibt es Fressfeinde des Buchdruckers?

Ja, Buchdrucker haben natürliche Feinde. Das sind zum Beispiel Räuber wie der Ameisenbuntkäfer, Erz- und Schlupfwespen oder auch Vögel wie der Dreizehenspecht. Daneben können Buchdrucker von Viren oder Pilzen befallen werden. Jedoch ist der Einfluss all dieser Feinde nicht so groß, um Massenvermehrungen verhindern zu können.

Wann sind Buchdrucker aktiv?

Ab Temperaturen von circa 15 Grad Celsius sind Buchdrucker aktiv. Massiver Schwärmflug setzt schließlich ab Temperaturen von rund 20 Grad Celsius ein. Bei entsprechender Witterung kann der Nationalpark in aller Regel gegen Ende April bis Anfang Mai erste sichtbare Aktivitäten der Insekten registrieren, die bis in den Herbst hinein andauern können.

Wie überwintern die Käfer?

Buchdrucker überwintern in allen Entwicklungsstadien unter der Rinde befallener Fichten. Erwachsene Käfer verbringen die kalten Monate zum Teil auch in den oberen Bodenschichten. Eier und junge Larvenstadien reagieren empfindlich auf Temperaturen von unter minus 10 Grad Celsius. Dagegen können ältere Larven, Puppen und ausgewachsene Käfer auch längere Kälteperioden überstehen. Milde Winter sorgen also dafür, dass ein hoher Prozentsatz der Vorjahrespopulation überlebt.

Wie alt werden Buchdrucker?

Die Käfer können ungefähr zwei Jahre alt werden.

Warum ist der Buchdrucker in Wirtschaftswäldern so gefürchtet?

Nur ein geringer Teil der Borkenkäferarten bringen Bäume zum Absterben und werden als Schädlinge betrachtet. Buchdrucker zählen zu dieser Kategorie. Das liegt daran, dass die Larven bei ihrer Entwicklung unter der Rinde den Nährstoff- und Wassertransport des Baumes unterbrechen. Ist die Fichte massenhaft von Buchdruckern befallen, bringt dies den Baum zum Absterben. Bei ausreichend warmer und trockener Witterung sowie genügend Angebot an dicken Fichten können Massenvermehrungen des Buchdruckers auftreten, die in einer Sommersaison ganze Waldbestände flächig zum Absterben bringen können. Das liegt vor allem auch daran, dass sich die Käfer exponentiell vermehren können.

Borkenkäfer-Management im Nationalpark Bayerischer Wald

Woran erkennt man, dass ein Baum von Buchdruckern befallen ist?

Für die ersten Anzeichen des Befalls muss man ganz genau hinschauen. So zeigt bei gutem Wetter braunes Bohrmehl am Stamm, in den Rindenschuppen oder an Spinnweben an, dass Buchdrucker in einer Fichte aktiv sind. Eventuell sind sogar die Einbohrlöcher erkennbar. Später verfärben sich die Nadeln hin zu Rot, ehe sie komplett abfallen. In diesen Stadien sind die Buchdrucker jedoch längst ausgeflogen.

Warum bekämpft die Nationalparkverwaltung in bestimmten Flächen den Buchdrucker und lässt andernorts ganze Waldbestände absterben?

Der Grund ist die Einteilung des Nationalparks Bayerischer Wald in verschiedene Zonen, in die Naturzone, die Managementzone und in die Erholungszone. Diese Aufteilung ist in der Nationalparkverordnung festgeschrieben. In der Naturzone, die 75 Prozent der Fläche ausmacht, hat der Erhalt der natürlichen Prozesse Vorrang. Das bedeutet, dass dort keine forstlichen Maßnahmen stattfinden – mit Ausnahme von Verkehrssicherungen entlang von Wegen und Straßen. Deshalb wird in den Naturzonen in die Vermehrungen des Borkenkäfers nicht eingegriffen, d. h. er wird dort nicht bekämpft. In der Managementzone des Nationalparks werden Fichten, die mit dem Buchdrucker befallen sind, entnommen, um eine Ausbreitung in benachbarte Wälder außerhalb des Nationalparks zu verhindern.

Vorschaubild der aktuellen Zonierungskarte
Aktuelle Zonierungskarte (Stand: 22.4.2024)

Die Grenze zwischen Natur- und Managementzone im Nationalpark ist für Besucher im Gelände nicht immer erkennbar, so dass es vorkommt, dass auf einer Seite des Weges „Natur Natur sein lassen“ herrscht, während auf der anderen Seite Maßnahmen zum Buchdrucker-Management stattfinden. Borkenkäfer-Management findet auch in den Erholungszonen statt, wenn diese nah an der Nationalparkgrenze liegen.

Wie funktioniert das Buchdrucker-Management im Nationalpark-Randbereich?

Die mit Buchdruckern befallenen Fichten werden in den Randbereichen zunächst gefällt. Das klassische Management sieht im Anschluss vor, dass die Bäume aus dem Wald gebracht und an Sägewerke verkauft werden. Dies kann durch Harvester geschehen oder in sensiblen Bereichen, wie etwa Moorflächen, auch durch Rückepferde oder sogar Transporthubschrauber. Da im Nationalpark jedoch im Vergleich zu Privat- oder Staatswäldern keine Gewinnorientierung verfolgt wird, kein großer Druck auf den Holzmarkt ausgeübt werden soll und darüber hinaus der Schutz der Natur an erster Stelle steht, kommen auch naturschonendere Maßnahmen zum Einsatz.

Wie sehen diese naturschonenden Buchdrucker-Management-Maßnahmen aus?

Durch streifenförmiges Entrinden der Baumstämme kann sich der Käfer nicht weiter entwickeln.
Beim streifenförmigen Entrinden im Randbereich wird eine weitere Ausbreitung der Buchdrucker verhindert.

Es gibt zwei Varianten: Da wäre der Einsatz von Debarking Harvestern, das sind mit Entrindungsköpfen ausgestattete Erntemaschinen. Diese fällen die Fichten und entrinden sie im Anschluss direkt vor Ort. Fehlt die Rinde, kann sich der Buchdrucker nicht mehr vermehren. Vorteil ist hier, dass die Biomasse im Wald bleiben kann. Ökologisch noch besser, dafür auch zeitaufwendiger, ist das streifenförmige Entrinden von Baumstämmen. Auch hierbei werden die Fichten zunächst gefällt. Im Anschluss kommen Waldarbeiter-Trupps mit speziellen Motorsäge-Aufsätzen zum Einsatz. Diese entrinden den Baum streifenförmig auf kompletter Länge, auch dabei wird die Ausbreitung des Buchdruckers effektiv unterbunden. Jedoch kann sogar ein Teil der Rinde am Baum bleiben. So haben dutzende totholzbewohnende Pilze und Insekten, unter ihnen auch die Fressfeinde der Borkenkäfer, ein Lebensraum- und Nahrungsangebot. Diese Methode ist auch bodenschonend. Gerade auf Nassböden verringert sich die Druckbelastung auf den Untergrund, da die Bäume nicht aufwändig mit schwerem Gerät aus dem Wald transportiert werden müssen.

Manchmal findet man nach Eingriffen entrindetes liegendes oder stehende Totholz oder aufgeklappte Wurzelteller. Ist dies sinnvoll und wenn ja, warum?

Zunächst einmal widerspricht jede Entnahme der natürlichen Ressource Totholz nicht nur der Idee des Nationalparks, sondern auch den Zielen von Natura-2000-Waldlebensräumen. Denn unter den Bewohnern von Totholz finden sich überdurchschnittlich viele bedrohte Arten. Durch die gezielte Anreicherung von Totholz können deren Lebensräume erhalten und gesichert werden. Dies kann auch im Rahmen von Borkenkäfermanagement geschehen. Der Nationalpark hat verschiedene Verfahren entwickelt, die je nach Situation und Örtlichkeit angewendet werden, um Totholz im Wald zu belassen und gleichzeitig die Gefahr durch Buchdrucker zu bekämpfen.

Ist auch ein Einsatz von Käferfallen sinnvoll?

Nein. Lockstofffallen können nicht zur Eindämmung von Buchdrucker-Populationen beitragen – unter anderem, weil die eingefangenen Käfer wiederum selbst Lockstoffe aussenden, die ihren Artgenossen signalisieren, die Falle nicht anzufliegen. Andererseits helfen Fallen jedoch beim Monitoring, da sie als Frühwarnsystem eingesetzt werden können, um den Beginn von Schwärmperioden anzuzeigen.

Wie weit fliegt der Buchdrucker? Reicht die Breite der Randzone aus, um einen Befall der benachbarten Wälder zu verhindern?

Ja, dies zeigen zwei Studien, die sich mit diesen Fragen beschäftig haben. In einem großen Forschungsprojekt der TU München wurde eine Distanz von mindestens 500 Meter als ausreichend nachgewiesen, um angrenzende Wälder zu schützen. In vielen Grenzbereichen sind die Randbereiche im Nationalpark sogar größer. Zum Beispiel ist im Bereich Kreuzstraßl, wo es im Sommer 2023 einen Hubschrauber-Einsatz zum Buchdrucker-Management gab, sogar eine Managementzone mit einer Tiefe von 700 bis 1000 Meter ausgewiesen. Ein Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hat diese Befunde bestätigt: Durch das Vorhandensein der Randzone konnte kein erhöhter Befallsdruck aus dem Nationalparkgebiet heraus festgestellt werden.

Führt der Einsatz von großen Maschinen, die Bäume aus dem Wald bringen, nicht zu negativen Auswirkungen auf seltene Arten wie das Auerhuhn?

Aus menschlicher Sicht sind große Harvester oder Rückefahrzeuge eine starke Belastung für die Tiere. Tatsächlich wird dies aber von sensiblen Arten, wie dem Auerhuhn, anders wahrgenommen. Für die Vögel wirkt sich die dauerhafte Anwesenheit von Wanderern im Gelände wesentlich negativer aus als der kurzfristige Einsatz von Maschinen, die als neutral wahrgenommen werden. Die aktuellen Eingriffe beschränken sich in der Managementzone sowieso fast ausschließlich auf Flächen ohne Auerhühner. Allerdings wird hier vorab genau auf Vorkommen von Haselhuhn, Schwarzstorch, Wespenbussard oder Hohltaube geachtet. Kommen diese Arten vor, wird das Management entsprechend angepasst.

Warum gibt es im Nationalpark so viele Kahlschläge?

In einigen Bereichen der Nationalpark-Hochlagen des Falkensteingebietes treffen Besucher auf Flächen, die zum Teil nach Buchdruckerbefall flächig geräumt wurden. Das liegt daran, dass es nach der Erweiterung des Nationalparks im Jahr 1997 um Flächen im Landkreis Regen einen politischen Kompromiss in Sachen Buchdrucker-Management gab. Der sah vor, die neu hinzugekommenen Flächen erst Stück für Stück in die Naturzonen zu überführen. Bis dato wurde in den Entwicklungszonen weiterhin Buchdrucker-Management durchgeführt. Erst seit November 2022 gehören 75 Prozent des Nationalparks zur Naturzone. Neue Kahlschläge im inneren des Nationalparks gibt es daher nicht mehr. In den Randbereichen kann es aufgrund der Verpflichtung zum Schutz angrenzender Wälder aber weiterhin zur flächigen Entnahme von vom Borkenkäfer befallenen Fichten kommen, wenn es die aktuelle Buchdrucker-Situation erfordert.

Ist von Buchdruckern befallenes Holz noch wirtschaftlich nutzbar?

Ja. Die Holzqualität leidet nicht unter dem Buchdrucker-Befall, so dass das Holz auch ohne Probleme noch für den Holzbau genutzt werden kann. Lediglich optische Schönheitsfehler können auftreten, weshalb Borkenkäferholz einen geringeren Verkaufspreis als nicht befallenes Holz erzielt.

Die Folgen für Nationalpark-Besucher

In wie weit kommt es durch die Einschlagsmaßnahmen zu Einschränkungen der Nationalparkbesucher?

Große Holzpolter, staubige oder matschige Forststraßen oder Lastkraftwagen bei der Holzabfuhr sind Dinge, die ein Nationalparkbesucher in einem Nationalpark nicht erwartet. Dass dies immer wieder zu Frust und Unverständnis bei Besuchern kommen kann, ist nachvollziehbar. Daher informiert die Nationalparkverwaltung über aktuelle Managementmaßnahmen auf ihrer Homepage aber auch im Gelände. Besuchern werden Empfehlungen für Alternativrouten zur Verfügung gestellt, Umleitungen sind ausgeschildert. Der Nationalpark verfügt über ein ausgedehntes Wander- und Radwegenetz, so dass immer attraktive Routen vorhanden sind.

Ist es gefährlich, die Wander- und Radwege in den Borkenkäferflächen der Naturzone zu nutzen?

Grundsätzlich gilt in ganz Deutschland: Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr. Mit waldtypischen Gefahren wie herabfallenden Ästen und umbrechenden Bäumen müssen Besucher deshalb immer rechnen. Rechtlich gesehen gehört dies zum allgemeinen Lebensrisiko. Durch den hohen Totholzanteil in naturbelassenen Wäldern, wie sie im Nationalpark Bayerischer Wald anzutreffen sind, ist diese Gefahr natürlich größer als in Wirtschaftswäldern. Deshalb informiert der Nationalpark an allen markierten Zugängen über die waldtypischen Gefahren und bittet Besucher darum, bei Wind oder Sturm den Wald zu verlassen.

Gibt es Besucherbereiche, die vom Nationalpark gesichert werden?

Ja, die Nationalparkverwaltung unternimmt große Anstrengungen, um markierte Besucherwege möglichst sicher zu gestalten. Je nach Bedeutung und Besucheraufkommen eines Weges oder eines ganzen Gebietes, beispielsweise rund um die Nationalparkzentren oder die Umweltbildungseinrichtungen, werden hier nicht nur mit dem Borkenkäfer befallene Fichten entnommen, sondern regelmäßig auch umfangreiche Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt. Diese beinhalten beispielsweise, dass stehendes Totholz oder abgestorbene Äste, die eventuell auf den Weg fallen könnten, vorsorglich entfernt werden. Zudem gilt auf allen markierten Besucherwegen: Akute Gefahren, wie ein über den Weg hängender abgebrochener Baumwipfel, werden durch die Nationalparkverwaltung umgehend nach Bekanntwerden beseitigt. Ist eine schnelle Beseitigung nicht möglich, kann es jedoch auch zu einzelnen Wegsperrungen kommen.

Warum führt die Nationalparkverwaltung im Tier-Freigelände Borkenkäferbekämpfung durch?

Die Tier-Freigelände liegen in der Nähe von Privatwäldern, so dass dort die Käferbekämpfung notwendig ist. Darüber hinaus spielen bei den Tier-Freigeländen die Ausbruchsicherheit der Gehege, die Arbeitssicherheit sowie der Tierschutz eine bedeutende Rolle. Deshalb müssen gefährliche Bäume, die theoretisch in das Gehege fallen und den Zaun zerstören könnten, entnommen werden. Dies gilt insbesondere bei gefährlichen Tieren wie Bär und Wolf. Darüber hinaus müssen die Gehege so gestaltet sein, dass sie weder die Arbeitssicherheit der Tierpfleger noch die Gesundheit der Tiere gefährden. Deshalb müssen vom Buchdrucker befallene Bäume entnommen werden, bevor sie eine Gefahr darstellen.

Haben die abgestorbenen Wälder rund um den Falkenstein Auswirkungen auf den Tourismus?

Diese Befürchtung gab es auch in den 1990er Jahren, als die Wälder rund um Rachel und Lusen durch den Buchdrucker starben. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass diese Entwicklung keine negativen Auswirkungen auf die Besucher hatte, die damalige Gesamtbewertung lag immer noch im positiven Bereich. Auch die im grenzüberschreitenden sozioökonomischen Monitoring der beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava in den Jahren 2017 bis 2019 erfassten Daten bestätigen diese Ergebnisse. Die Mehrheit der Befragten fühlte sich nicht gestresst und war nicht traurig, wenn sie große Flächen mit Totholz sah. Von der Mehrheit der Besucher wurden Flächen mit Totholz auch nicht gemieden. Im Gegenzug bestätigten einige Besucher aber auch, dass der Anblick von Totholzflächen zu Betroffenheit führt. Daher ist die Nationalparkverwaltung bemüht, Touristen die Vorgänge zu erklären. Hierfür ist eine umfassende Information von Touristikern und Beherbergungsbetrieben sowie anderer Multiplikatoren erforderlich.

Die Folgen für die Natur

Welche Folgen hat das rasche und konzentrierte Absterben von Altfichten in der Naturzone auf die biologische Vielfalt?

Die Folgen für die Biodiversität sind durchwegs positiv. Das plötzlich vorhandene Licht in Verbindung mit hohen Mengen an Totholz führt zu einer breiten Förderung der Artenvielfalt. Eine Studie zu Borkenkäfern und Biodiversität in fünf mitteleuropäischen Nationalparks inklusive des Bayerischen Waldes hat dies noch einmal für eine große Breite an Insektenartengruppen gezeigt. Inzwischen konnte in den alten Prozessschutzflächen im Rachel-Lusen-Gebiet auch bei mehreren hochbedrohten Arten ein Aufschwung nachgewiesen werden, etwa beim Goldfüßigen Schnellkäfer oder der Zitronengelben Tramete, ein Pilz, der auf großen Mengen von Fichtentotholz angewiesen ist. Sogar die Rückkehr des Urwaldreliktkäfers Peltis grossa wurde mittlerweile nachgewiesen. Damit beweist sich der Buchdrucker in Prozessschutzwäldern als Gestalter neuer, naturnaher Waldlebensräume, sozusagen als Ökosystem-Ingenieur.

Wie schaut der abgestorbene Wald der Naturzone in zwanzig Jahren aus? Wächst hier wieder etwas?

Ja. Die Antwort erhält man, wenn man die Waldflächen im Rachel-Lusen-Gebiet betrachtet. Als diese in den 1990er Jahren großflächig aufgrund von Buchdruckerbefall starben, war die Frage um die Waldverjüngung das dominante Thema. Die aktuellen Waldbilder um den Lusen sowie wissenschaftliche Arbeiten belegen, dass es überall zu natürlicher Verjüngung kommt, auch wenn in den Hochlagen einige Jahre Geduld angesagt sind. Letztendlich entstand in diesem Bereich völlig ohne Pflanzungen ein strukturell vielfältiger Wald mit einer Mischung aus jungen und alten Bäumen, der in der Zukunft besser mit Störungen wie Windwurf, Borkenkäferbefall und Klimaerwärmung umgehen kann. Satellitendatenauswertungen aus dem bayerisch-böhmischen Grenzgebirge stützen diese These.

Waldentwicklung am Lusen
Durch streifenförmiges Entrinden der Baumstämme kann sich der Käfer nicht weiter entwickeln.
Vor 25 Jahren
Durch streifenförmiges Entrinden der Baumstämme kann sich der Käfer nicht weiter entwickeln.
Heute

Wie wirkt sich das großflächige Absterben der Fichten am Falkenstein auf die Trinkwasserqualität aus?

Zu diesem Thema kann der Nationalpark auf die weltweit besten Datensätze zurückgreifen. Im Einzugsgebiet der Großen Ohe, am Fuße des Rachels, wurde der Nitratgehalt in den Gewässern verschiedener Einzugsgebiete vor, während und nach großflächigem Borkenkäferbefall in den 1990er Jahren untersucht. In keinem Fall kam es zu einem kritischen Anstieg des Nitratgehalts. Die Ursache liegt in der starken Verdünnung in Raum und Zeit. Auch für das Falkensteingebiet wurden derartige Studien in den Sturm- und Käferflächen von 2007 und 2011 am Lackaberg durchgeführt. Diese decken sich mit den Ergebnissen aus dem Rachel-Lusen Gebiet.

Wie wirkt sich das großflächige Absterben der Fichten am Falkenstein auf die Wassermenge aus?

Abgestorbene Baumbestände geben aufgrund fehlender Blätter kein Wasser durch Verdunstung ab. Mehr Niederschlagswassers gelangt auf den Boden, die Bodenfeuchte steigt an und die Grundwasserneubildung geht nach oben. Letztendlich fließt mehr Wasser über die Bachläufe aus den Gebieten mit Borkenkäferaktivitäten aus, als wenn diese Störung nicht auftreten würde. Dadurch wurde in flächig vom Borkenkäfer befallenen Gebieten des Inneren Böhmerwaldes für zehn bis 15 Jahre sogar der Effekt des Klimawandels ausgeglichen. Der Klimawandel mit seinen steigenden Temperaturen sorgt nämlich eigentlich für eine höhere Wasserverdunstung und somit für rückläufige Abflussmengen. Nachdem in den aktuellen Borkenkäferflächen in der Naturzone keine Holzentnahme erfolgt und keine Verletzung des Oberbodens durch schwere Maschinen stattfindet, kann das Wasser wie gewohnt im Boden versickern. Dadurch wird weder der Wasserabfluss beschleunigt noch die Bodenerosion gefördert.

Gründe für die Massenvermehrung von Buchdruckern

Was sind die Gründe für die Massenvermehrungen des Buchdruckers?

In den vergangenen drei Jahrzehnten kam es in der nördlichen Erdhalbkugel auf allen Kontinenten zu Borkenkäfermassenvermehrungen. Die Gründe dafür konnten bereits in den frühen 2000er Jahren identifiziert werden: Der erste Grund ist die massive Zunahme an reifen, also alten Nadelholzbeständen in Europa aber auch in Nordamerika. Dies geht auf die Bewirtschaftung der vergangenen 200 Jahre zurück. Noch nie war für den Buchdrucker das Angebot an starken Fichten in europäischen Monokulturen so groß wie heute. Selbiges gilt für den Bergkiefernkäfer hinsichtlich der Kiefernwälder in den USA und Kanada. Ideale Bedingungen für Massenvermehrungen also.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Neben dem großen Nahrungsangebot an starken Fichten gibt es einen zweiten Grund für Massenvermehrungen, und zwar die Häufung trockener Sommer. Diese beiden Faktoren haben in der Summe zu den für den Buchdrucker günstigen Bedingungen geführt. Auf Basis dieser Ergebnisse hat die Wissenschaft bereits vorhergesagt, dass es zu noch deutlich mehr Borkenkäferflächen kommen wird. Dies hat sich in ganz Deutschland in den Jahren 2018, 2019 und auch 2023 vollumfänglich bestätigt. In Jahren mit flächigem Trockenstress kann es überall und unabhängig vom Management zu großflächigem Befall kommen. Das ist die Situation, die wir aktuell im Falkenstein-Rachel-Gebiet vorfinden. Wichtige Erkenntnis hierzu liefern auch Luftbilder der Nationalparkverwaltung.

Wie sieht die Prognose für den Buchdrucker in den nächsten Jahren und langfristig aus?

Das Risikopotential für Buchdruckerbefall im Nationalpark wird von dem Angebot an starken, rund 100-jährigen Fichten und von den homogenen ehemaligen Wirtschaftswaldbeständen bestimmt. Im Falkenstein-Gebiet ist daher auch noch für die Jahre 2024 und 2025 mit größerem Befall zu rechnen, weil derartige Bestände dort vorkommen. Danach dürfte diese Welle erst einmal abebben. Es werden heterogene und weniger anfällige Wälder wie im Rachel-Lusen-Gebiet entstehen. Langfristige Prognosen unter Berücksichtigung der prognostizierten Klimaentwicklung gehen von deutlich geringeren Störungsereignissen aus. Der Grund ist, dass Laubbäume zunehmen und vielfältigere und reich strukturierte Wälder entstehen werden.

Warum gibt es im Wald so viele Fichten-Monokulturen?

Dafür gibt es drei Antworten. Zum einen wachsen im Bayerischen Wald natürliche Bergfichtenwälder. In den Hochlagen, je nach örtlicher Gegebenheit ab circa 1100 Höhenmetern, herrschen so raue klimatische Bedingungen, dass die Fichte die einzige konkurrenzstarke Baumart ist. Somit werden diese Hochwälder ganz natürlich von Fichten dominiert. Ähnlich sieht es in den Auwald-Bereichen der tieferen Lagen aus. Dort wird die Fichte, ein Flachwurzler, durch die nassen Böden und durch die Nährstoffarmut bevorzugt. Anders sieht es hingegen in vielen einst forstlich genutzten Arealen des Nationalparks aus. Dort wurde die Fichte vor allem ab Beginn des 20. Jahrhunderts massiv gefördert. Das heißt: Andere Baumarten, wie Buche und Tanne, wurden bewusst von Menschenhand verdrängt, ehe mit der schnell wachsenden Fichte aufgeforstet wurde. An den Hängen des Falkensteins etwa würde natürlicherweise eine von Buchen und Tanne dominierte Landschaft vorherrschen.

 


 


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