Wechselwirkungen von Erholungsnutzung und Ökosystemen im Böhmerwald
Finanzierung:
Interreg Bayern Tschechien Priorität 2 – Ziel RSO2.7
Kooperationspartner:
- Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (Leadpartner) https://www.lwf.bayern.de/wildtierbiologie/index.php
- Nationalparkverwaltung Šumava https://www.npsumava.cz/de/
- Forstbetrieb Neureichenau der Bayerischen Staatsforsten AöR (BaySF) https://www.baysf.de/neureichenau/
Ansprechpartner:
Dr. Stefanie Döringer
Projektmitarbeiterin
stefanie.doeringer@npv-bw.bayern.de
Dr. Friederike Zenth
Projektmitarbeiterin
friederike.zenth@npv-bw.bayern.de
Prof. Dr. Marco Heurich
Sachgebietsleiter
marco.heurich@npv-bw.bayern.de
Motivation:
Der Böhmerwald ist als größtes zusammenhängendes Waldgebiet Mitteleuropas nicht nur ein wichtiger Schutzraum für Naturlebensräume und Wildtiere, sondern auch ein beliebtes Ziel für Erholungsnutzung. Mit circa 3,7 Millionen Besuchen im Jahr in den Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava ist die Region ein Besucherhotspot und auch der angrenzende Forstbetrieb Neureichenau ist teilweise stark frequentiert. Die Gebiete stehen daher vor der Herausforderung unterschiedliche Interessen von Seiten des Naturschutzes, Wirtschaftsräumen und der Erholungsnutzung in Einklang zu bringen.
Durch neue Trends im Outdoorsport, wie E-Biking oder Aktivität in Nacht-und Dämmerungszeiten, und die Anwendung von digitalen Tourenplanungsapps nutzen Besuchende Naturlebensräume zunehmend vielfältiger und intensiver. Wildtiere nehmen die Anwesenheit von Menschen oft als Risikofaktor war. Solche Entwicklungen können potenziell zu einer stärkeren Beeinflussung von Wildtieren führen, beispielsweise deren räumlich-zeitliche Nutzung von Lebensräumen oder durch erhöhte Stressbelastung. Dies ist nicht nur für naturschutzrelevante Arten, beispielsweise das Auerhuhn, von Bedeutung, sondern auch für funktionell bedeutsame Arten wir den Rothirsch, der durch Fraß maßgeblich sein Ökosystem prägt. Auf der anderen Seite können Wildtiere sich in bestimmten Kontexten auch an menschliche Aktivitäten in ihrem Lebensraum anpassen. Welche Wechselwirkungen zwischen Erholungsnutzung und Ökosystemen im Böhmerwald stattfinden, und insbesondere auch wie Besuchende Wildtiere und ihren möglichen Einfluss wahrnehmen, ist Gegenstand dieses Projekts.
Projektziele:
Ziel ist es, eine grenzübergreifende Strategie für eine verantwortungsvolle Erholungsnutzung zu entwickeln, welche den Schutz von Wildtieren und Ökosystemen gewährleistet und gleichzeitig die Bedürfnisse von Erholungssuchenden berücksichtigt. Dazu sollen Auswirkungen unterschiedlicher Formen der Erholungsnutzung auf Verhalten und Physiologie von Wildtieren untersucht werden, sowie Auswirkungen auf Ökosysteme erfasst werden. Mittels Befragungen sollen Einstellungen der Besuchenden gegenüber Wildtieren und Informationen zu Motivationen für Besucherverhalten erfasst werden. Aus den zusammengeführten Erkenntnissen aus wildtierökologischen und sozialwissenschaftlichen Untersuchungen sollen konkrete Maßnahmen für den Naturschutz, die Besuchersensibilisierung die digitale Besucherlenkung abgeleitet werden.
Untersuchungsdesign:
Das Projekt gliedert sich in folgende Teilbereiche:
- Im ersten Teilbereich werden die Auswirkungen von Erholungsnutzung auf das Verhalten von Wildtieren untersucht. Mittels Kamerafallen und Akustiksensoren wird das räumlich-zeitliche Verhalten von größeren Säugetieren und Vögeln in Abhängigkeit der räumlich-zeitlichen Intensität von Erholungsaktivitäten untersucht. Für das Auerhuhn (störungssensible und naturschutzrelevante Art) und den Rothirsch (funktionell bedeutsame Art) wird zusätzlich die Stressbelastung durch die Analyse von Stresshormon-Metaboliten aus Kot untersucht. Für den Rothirsch wird zudem mit Hilfe von GPS-Telemetrie detailliertes Bewegungsverhalten erfasst. Durch Vegetationsaufnahmen und Nahrungszusammensetzung der Losung von Rothirschen werden Wechselwirkungen von Erholungsnutzung und Ökosystemen bewertet.
- Im zweiten Teilbereich werden das Besuchsaufkommen und die raumzeitlichen Aktivitätsmuster der Besuchenden anhand von Zählungen erfasst. Eine Befragung unterschiedlicher Gruppen von Erholungssuchenden soll unter anderem klären, welche Einstellungen es zu Wildtieren gibt, wie Besucher Ihren Einfluss auf Ökosysteme bewerten welche Toleranz es gegenüber Verhaltensregeln in den Gebieten gibt.
- Auf Grundlage der Erkenntnisse aus I. und II. solle ein konkretes Maßnahmenpaket umgesetzt werden, um die Besucherlenkung zu verbessern, Ökosysteme aufzuwerten und den Natur- und Artenschutz zu verbessern. Im Bayerischen Wald ist beispielsweise die Einrichtung eines digitalen Besucherlehrpfades, sowie die Pflanzung von seltenen Baumarten (Eibe) in gering Verbiss gefährdeten Bereichen geplant.
