Interregprojekt BioDiv 316

Programm zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit Freistaat Bayern – Tschechische Republik Ziel ETZ 2014 – 2020

Insekten, Pilze, Flechten und Moose - Förderung der Biodiversität und Entwicklung von Waldnaturschutzkonzepten im Böhmerwald

Motivation:

Die Biodiversität unserer Ökosysteme und die damit verbundenen Ökosystemprozesse und -dienstleistungen sind durch Landnutzung und Klimawandel erheblich bedroht. Effiziente Konzepte zum Erhalt der Biodiversität und den damit verbundenen Prozessen setzen voraus, dass gute Kenntnisse darüber bestehen, wie die Diversität verschiedener Artengruppen in unseren Ökosystemen organisiert ist und durch welche Faktoren die Diversität bestimmt wird. Im Gegensatz beispielsweise zu Blütenpflanzen, besteht ein enormes Wissensdefizit in Bezug auf räumliche Verteilung der Diversität und damit verbundene Ökosystemprozesse für unauffälligere Artengruppen wie Pilze, Flechten und Moose. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass gerade diese Artengruppen extrem divers sind und dass maßgebliche Ökosystemprozesse (z.B. Nährstoffkreislauf – Ökosystemdienstleistung „Regulation“) durch diese gesteuert werden. Moderne Methoden (Sequenzierung) erlauben es heutzutage, diese Artengruppen in ihren Habitaten effizient zu erfassen.


Projektziele:

Im Rahmen des Projektes sollen demzufolge zwei übergeordnete Ziele erreicht werden: Auf der Basis bereits bestehenden Wissens soll erreicht werden, dass Habitate für Zwecke eines besseren Erhaltungszustandes geschaffen werden. Da Pilze, Flechten und Moose insbesondere durch Ressourcenentzug im Rahmen von Nutzungsmaßnahmen bedroht sind, sollen auf einer Fläche von 210 ha folgende Habitatbedingungen geschaffen werden. Das bedeutet die Verbesserung der Totholzmenge und Totholzqualität, die Förderung seltener Baumarten als Wirte und die Förderung alter Bäume („veteran trees“) als wichtige Habitate seltener Arten. Zum anderen das Monitoring von Insekten, Pilzen, Flechten und Moosen mit modernen und klassischen Methoden im Untersuchungsgebiet. Das Monitoring dient zusätzlich dem besseren Verständnis über den Zusammenhang zwischen der Diversität der Organismen und den Ökosystemprozessen und -dienstleistungen. Die Aufbereitung und Darstellung der Monitoring-Ergebnisse soll das naturschutzfachliche Interesse der Öffentlichkeit wecken aber auch Naturschutzbehörden als Planungsinstrument unterstützen. Auf der Basis der gewonnen Erkenntnisse sollen naturschutzfachliche Konzepte entwickelt werden, die auf das gesamte Untersuchungsgebiet und darüber hinaus wirksam sind, d. h. nicht nur auf der großen Fläche der Schutzgebiete, sondern auch in Wirtschaftswäldern.

Management und Monitoring:

Die Biodiversitätsverbessernden Maßnahmen setzen sich aus folgenden Komponenten zusammen, die in ausgewählten Biotopen der Managementzonen beider Nationalparke liegen.


  • Anreicherung von Buchentotholz im Bestand (mind. 20 m³/ha) auf einer Fläche von 75 ha
  • Anreicherung von Tannen-Totholz (mind. 20 m³/ha) auf einer Fläche von 15 ha
  • Förderung eines Tannenbestandes (Alter 60+) durch Fällen von Konkurrenzbäumen. Totholz verbleibt im Bestand.
  • Ankauf von 500 m³ Tannenholz aus lokalen Wirtschaftswäldern und Ausbringung in beiden Nationalparken auf ehemaligen Managementflächen.
  • Anreicherung von 1.000 m³ Fichten-Totholz auf einer Gesamtfläche von 25 ha (= 40 m³/ha i. Mittel) im Nationalpark Bayerischer Wald. Fichten im Borkenkäfermanagement werden in sensiblen Aufichtenwäldern geschlitzt.
  • Anreicherung von Fichtentotholz (mind. 40 m³ ha auf einer Fläche von 45 ha im Šumava-Nationalpark).
  • Anzucht und Pflanzung von 200 Eiben mit autochthonem Saatgut inkl. Schutz vor Wildverbiss mit Hordengattern.
  • Förderung selten gewordener Baumarten wie Linde u. Ulme im Bestand durch Freistellen.
  • Anzucht und Impfung von selten gewordenen Pilzarten mit autochthonem Kulturmyzel (Fomitopsis rosea (Bild links) auf Fichte und Phellinidium pouzarii (Bild rechts) auf Tanne) auf je 40 Stämmen.



Die Auswirkungen der Maßnahmen werden durch Monitoring der Artengruppen Flechten, Moose, Pilze und Insekten erforscht. Hierzu wurden in jeder der sechs Managementgebiete jeweils vier Forschungsflächen à 1.000 m² eingerichtet. Hier werden Flächen- und objektbezogen Daten erhoben und ausgewertet.

Finanzierung:

85% Interreg V Ziel 3 – EU Mittel
15% Eigenanteil der Projektpartner

Kosten:

787.106,13 Euro

Ansprechpartner:

Peter Karasch
Projektkoordinator
peter.karasch@npv-bw.bayern.de

Jochen Linner
Projektleitung
jochen.linner@npv-bw.bayern.de

Silvia Pflug
Försterin - Revier Bayerisch Eisenstein
silvia.pflug@npv-bw.bayern.de

 

Kooperationspartner:

Bilderslider

Logo - Ziel ETZ - Freistaat Bayern - Tschechische Republik 2014-2020 (INTERREG V)
Logo - Europäische Union - Europäischer Fonds für regionale Entwicklung#
Logo - Grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Nationalparke Šumava und Bayerischer Wald
Logo der Goehte Universität Frankfurt am Main
Nach oben zum Seitenanfang nach oben