Auswirkungen von Abwurfstangen auf Wildarten, Bodenmikroorganismen und Kadaverbakterien und -pilze im Nationalpark Bayerischer Wald

Motivation:

Abwurfstangen von Wildtieren fallen in großen Mengen an und sind aufgrund ihrer Knochensubstanz über sehr lange Zeiträume in Wäldern präsent. Das macht sie als tierische Langzeitobjekte der Zersetzung – analog zum pflanzlichen Totholz – sehr interessant und wertvoll, verglichen mit dem sich äußerst schnell zersetzenden tierischen Muskelgewebe. Genau dieser Aspekt motiviert uns, Geweihstücke kontrolliert im Nationalpark auszubringen und Langzeiteffekte auf den Waldboden (Nährstoffeintrag) sowie auf die Biodiversität der am Geweih fressende Tierarten (Schnecken und Wildtiere) und Mikroorganismen (Bakterien und Pilze) zu untersuchen.

Projektziele:

Wir möchten herausfinden, welchen Einfluss unterschiedlich schwere Geweihstücke langfristig auf die knochenfressenden Wildtierarten (Diversität, Aufenthaltsdauer), Schnecken, Bodenmikroorganismen und die Gesamtheit der Bakterien sowie Pilze auf dem abgeworfenen Geweih (Nekrobiom) haben. Unsere Hypothese bei den Wildtierarten wie Wildschwein, Fuchs oder Eichhörnchen) ist, dass deren Anzahl und Artanzahl in Geweihauslegungsgebieten zunimmt und dass sich diese dort länger aufhalten als in Kontrollgebieten ohne angebotene Geweihstücke. Laut Erfahrungen mit dem Nekrobiom auf tierischer Muskelmasse vermuten wir auch bei der Biodiversität von Bakterien- und Pilzgemeinschaften auf Geweihen und auch im Bodenmaterial darunter einen signifikanten Unterschied zur Kontrollsituation ohne ausgelegtes Geweih. Zusätzlich wird die Abbaurate (Gewichtsverlust über die Zeit) in Abhängigkeit vorherrschender Umgebungsparameter untersucht. Angedacht ist zudem eine Protokollierung und Berücksichtigung der Verschleppungsrate unter Verwendung von Drahtkäfigen an Vergleichsstandorten.

Untersuchungsdesign:

Ausbau der Projektarbeit aus dem Jahr 2017 hinsichtlich einer zusätzlichen Berücksichtigung der Schneckendiversität, Bakteriendiversität, Pilzdiversität und der Geweihzersetzungsrate (Gewichtsabnahme unter Berücksichtigung der Temperatur). An zehn Standorten werden jeweils 1 und 10 Kilogramm schwere Rothirschgeweihstücke ausgelegt – sowie eine Kontrollfläche ohne Geweih installiert. Es erfolgen neben Fotofallenaufnahmen zur Erfassung aasfressender Wildtiere auch Schneckenfänge und standardisierte Bodenprobeentnahmen für Fettsäure-Analysen, um die mikrobiellen Biomasse abzuschätzen und eine Mengenerfassung von Bodenmikroorganismengruppen durchzuführen. Zudem werden Mikroorganismenabstriche am Geweih zur Bestimmung der Änderung mikrobieller Diversität im Zersetzungsverlauf angefertigt.


Finanzierung:

  • Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

Ansprechpartner:

Dr. Christian von Hoermann
wissenschaftlicher Mitarbeiter
Christian.vonHoerman@npv-bw.bayern.de

PD Dr. Marco Heurich
stellvertretender Sachgebietsleiter
Marco.Heurich@npv-bw.bayern.de

Kooperationspartner:

Veröffentlichungen:

  • Fischer S. (2017) Die Auswirkungen von Abwurfstangen auf Wildarten im Nationalpark Bayerischer Wald, project thesis
  • Pascual J., von Hoermann C., Rottler-Hoermann A-M., Nevo O., Geppert A., Sikorski J., Huber K. J., Steiger S., Ayasse M., Overmann J. (2017) Function of bacterial community dynamics in the formation of cadaveric semiochemicals during in situ carcass decomposition, Environmental Microbiology, doi:10.1111/1462-2920.13828
nach oben nach oben