Der Berg ruft

Neue Hüttenwirte im Waldschmidthaus: Sigrid Kick und Rudi Holzapfel mit junger Offenheit am Rachel

Eintrag Nr. 15/2018
Datum: 01.09.2018


Sigrid Kick und Rudi Holzapfel vor ihrer neuen Wirkungsstätte, dem Waldschmidthaus knapp unterhalb des Rachelgipfels. Foto: Daniela Blöchinger
Sigrid Kick und Rudi Holzapfel vor ihrer neuen Wirkungsstätte, dem Waldschmidthaus knapp unterhalb des Rachelgipfels. Foto: Daniela Blöchinger

Viele Wege führen zum Waldschmidthaus. Grafik: Annemarie Schmeller
Viele Wege führen zum Waldschmidthaus. Grafik: Annemarie Schmeller

Spiegelau. Das einzige, was fehlt, ist Geduld. Sigrid Kick und Rudi Holzapfel stehen voller Energie, wollten schon vor vielen Wochen loslegen. Mit einem Rucksack voller Tatendrang und kreativer Ideen hinauf auf den Berg, den zweithöchsten im Bayerischen Wald. Die beiden 38-Jährigen haben das Waldschmidthaus knapp unterhalb des Rachelgipfels von der Nationalparkverwaltung gepachtet – und nach notwendiger Erneuerung der Wasserversorgung und Elektroinfrastruktur vor Anfang August für Besucher geöffnet.

Endlich. „Wir konnten es kaum mehr erwarten“, lacht Sigrid Kick und streicht sich eine Strähne ihrer braunen Locken aus dem Gesicht. Die Bewirtung des Waldschmidthauses sei für sie und ihren Lebenspartner Rudi Holzapfel ein Traum. Der nun in Erfüllung ging: Als die beiden Anfang des Jahres erfuhren, dass die Nationalparkverwaltung einen Pächter für die gerade erworbene Berghütte sucht, war schnell klar: „Wir bewerben uns!“ Zuvor hatte das Paar das Fraganter Schutzhaus in Kärnten betrieben, eine Alpenvereinshütte mit 100 Betten auf 1810 Metern Höhe – eine stattliche Destination.

„Mit den neuen Pächtern weht ein frischer Wind auf dem Rachel“, ist Hubert Wachter überzeugt. Der Leiter des Sachgebiets Zentrale Dienste und Vergabebeauftragte der Nationalparkverwaltung ist sich sicher, dass Holzapfel und Kick mit ihrer jungen, aufgeschlossenen Art gut bei den Gästen des Waldschmidthauses ankommen – wenngleich die beruflichen Wurzeln der beiden so gar nichts mit Gastronomie zu tun haben: Die gebürtige Ambergerin Sigrid Kick ist Sozialpädagogin, der Kollnburger Rudi Holzapfel gelernter Radio- und Fernsehtechniker. Bis er seinem Leben mit Pacht der Berghütte in Kärnten eine neue Richtung gab, arbeitete er als Elektroingenieur in einem international agierenden Unternehmen in Deggendorf.

Jedoch: „Als Hüttenwirt zu arbeiten, war schon immer mein Wunsch“, erzählt der 38-Jährige. In seiner Familie gebe es einige Gastronomen, denen er seit seiner Jugend zur Hand geht, wenn’s brennt. Mit Feuereifer gehen Holzapfel und seine Lebensgefährtin nun auf dem Rachel ans Werk – unterstützt von jungen Mitstreitern aus aller Welt. „Wir beschäftigen Workaways zwischen 18 und 30 Jahren, die sich über das internationale Work-and-Travel-Programm in Deutschland aufhalten“, erzählt Sigrid Kick. Schon in Kärnten ging dieses Konzept auf – „und wir schlugen dem Personalmangel ein Schnippchen“.

Den Anfang machen eine Französin und ein Spanier, die das Wirtspaar im Waldschmidthaus für einige Wochen an der Servicetheke und in der Küche unterstützen – und durchaus schon mal Gerichte aus ihrer Heimat auf die Speisekarte setzen. „Natürlich gibt’s bei uns auch Kaiserschmarrn und eine bayerische Brotzeit“, verspricht Rudi Holzapfel: „Aber warum nicht auch eine thailändische Gemüsesuppe, sollte gerade ein Workaway aus Asien bei uns arbeiten.“

Übernachten freilich ist im Waldschmidthaus derzeit noch nicht möglich. „Dazu sind erst umfangreiche Umbaumaßnahmen erforderlich“, erklärt Hubert Wachter. Gerade der Brandschutz stelle hohe Anforderungen: „Welcher Aufwand hierzu erforderlich ist, wird aktuell von Experten geprüft.“ Mittel- bis langfristig jedoch räumt Hubert Wachter der Berghütte gute Chancen ein, dass sie wieder Gäste über Nacht beherbergen darf.

Bis es so weit ist, werden Sigrid Kick und Rudi Holzapfel Wanderer mit kulinarischen Finessen im Tagesbetrieb verwöhnen. Neben regionaltypischen Standards stehen auch Spaghetti Bolognese und Brennessel-Knödel mit zerlassener Thymian-Butter auf dem kleinen, aber feinen Speiseplan – eine schmackhafte Eigenkreation, die Sigrid Kick aus Kärnten mitgebracht hat. Zudem wird das Angebot wöchentlich um ein weiteres Gericht ergänzt. „Unseren Gästen schmeckt’s“, erzählt Rudi Holzapfel nach den Erfahrungen der ersten Tage – was die ratzeputz leer gegessenen Teller bestätigen.

Das Waldschmidthaus ist bis Ende Oktober täglich von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet.

 

Hinweis: Dieser Bericht stammt aus dem Nationalparkmagazin Unser Wilder Wald. Die komplette Ausgabe kann HIER als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

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