Fünf Tage Wildnis erleben

Erfahrungsbericht einer Mehrtagestour mit dem Verein Waldzeit

Eintrag Nr. 10/2018
Datum: 16.08.2018


Die wilde Natur des Nationalparks Bayerischer Wald faszinierte die Teilnehmer der Wanderung selbst bei anhaltendem Regen. Foto: Klaus Möller/Waldzeit
Die wilde Natur des Nationalparks Bayerischer Wald faszinierte die Teilnehmer der Wanderung selbst bei anhaltendem Regen. Foto: Klaus Möller/Waldzeit

Der Wettergott bescherte der Gruppe jedoch auch traumhaftes Wanderwetter. Foto: Klaus Möller/Waldzeit
Der Wettergott bescherte der Gruppe jedoch auch traumhaftes Wanderwetter. Foto: Klaus Möller/Waldzeit

Übernachtet wurde neben dem Lusenschutzhaus auch in der Poschingerhütte auf dem Verlorenen Schachten. Foto: Klaus Möller/Waldzeit
Übernachtet wurde neben dem Lusenschutzhaus auch in der Poschingerhütte auf dem Verlorenen Schachten. Foto: Klaus Möller/Waldzeit

Frauenau/Waldhäuser. Wildnis erleben: Fünf Tage lang war jüngst eine elfköpfige Gruppe unterwegs, um die vielgestaltige Wildnis des Nationalparks Bayerischer Wald kennenzulernen. Es sollte keine Wanderung von Hütte zu Hütte sein, sondern ein längerer Aufenthalt inmitten des Parks, um seine Wälder möglichst intensiv erleben zu können. Daher waren ein jeweils zweitägiger Aufenthalt in der Poschingerhütte auf dem Verlorenen Schachten und im Lusenschutzhaus die Basis für die Erkundungen der wilden Waldnatur. Unter den Teilnehmern waren zwei echte Waidler aus den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau und eine fünfköpfige Familie mit deutschen Wurzeln, die in Barcelona zuhause ist. Die restlichen Wanderer kamen verstreut aus der ganzen Republik vom Allgäu bis aus Halle.

„Die neu erwachende Wildnis des Nationalparks erschließt sich nicht im Vorbeigehen, dafür braucht es Zeit und das eigene Erleben“, so die Erfahrung von Waldzeit-Führer Klaus Möller. Der Verein, der in diesem Jahr bereits seit 20 Jahren besteht, führte diese Tour erstmals im Auftrag des Nationalparks durch. Diese wertvolle Zeit hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer -  wenn sie abends an der Hütte die ersten Sterne aufgehen sahen und kein Licht den Nachthimmel störte. Während bei der Identifizierung der einzelnen Sternbilder eine App half, wurden die Geschichten um die Mystik des Waldes aus der Region ganz analog erzählt.

Auch die alltäglichen Handgriffe während des Hüttenlebens trugen zur Entschleunigung bei, ebenso wie die Zeit, die die Gruppe für die Wanderung über die Filze und Schachten hatte. Es blieb viel Zeit, zum Beispiel um den Warzenbeißer als eine der größten Heuschreckenarten näher anzuschauen, Blutwurz und Ungarischen Enzian kennenzulernen, Heidel- und Rauschbeere zu unterscheiden oder an den Zwergsträuchern nach Federn von Auerhühnern zu suchen. Besonders die unterschiedlichen Waldbilder in den Höhenstufen, die die verschiedenen Entwicklungsstadien des wilden Waldes zeigen, prägten diese Tage.

Eindrucksvoll war das beim Aufstieg über die Nordseite des Rachels zu sehen. Der beständige Regen an diesem Tag hielt die Gruppe nicht davon ab, immer wieder stehen zu bleiben und sowohl diese Waldbilder als auch die vielfältigen langsam zusammenbrechenden Stämme und ihre kleine Welt aus darauf siedelnden Moos- und Flechtenarten zu bestaunen. Die 16-jährige Laura und ihre 18-jährige Schwester Klara fanden diese Wälder selbst bei strömendem Regen immer wieder großartig und ließen alle daran teilhaben.

Die Gruppe erkundete anschließend die Wälder um den Lusen, an der tschechischen Grenze und im Schwarzbachtal. Auch hier blieb neben den Wanderungen und fachlichen Erläuterungen viel Zeit, die Waldstimmungen zu genießen und auch nachzuspüren, welche Wirkung die Wildnis der Wälder auf einen selbst hat.

Nach einem Sonnenaufgang am Lusen und dem Abstieg ins Tal endete Wildnis erleben am fünften Tag. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Auszeit im Wald und die harmonische Stimmung in der Gruppe genossen. Sie waren überrascht und begeistert von der Fülle und Vielgestaltigkeit der Wälder des Nationalparks. Und Wildnis ist für alle ein positiver Begriff, den sie in den Wäldern des Parks, aber auch ein wenig in sich selbst gefunden haben. Ein Teilnehmer aus dem Bayerwald meinte als Fazit: „Des hat passt.“ Mehr Lob kann man nicht erwarten.

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