Auf Schneeschuhen zu den Perlen im Waldmeer

Winterlicher Wandertipp für die mystischen Schachten

Eintrag Nr. 01/2018
Datum: 08.01.2018


Wald, Wald, nichts als Wald. Dieses Bild haben manch Einheimische oder Urlauber immer noch im Kopf, wenn sie an den Nationalpark Bayerischer Wald denken. Doch ganz stimmt diese Vorstellung nicht.


Die große Auftrittsfläche der Schneeschuhe verhindert ein tiefes Einsinken im Schnee. So stehen alle Bayerwald-Wanderwege auch im Winter für Erkundungstouren zur Verfügung. (Foto: Gregor Wolf)
Die große Auftrittsfläche der Schneeschuhe verhindert ein tiefes Einsinken im Schnee. So stehen alle Bayerwald-Wanderwege auch im Winter für Erkundungstouren zur Verfügung. (Foto: Gregor Wolf)

Auch im Winter lädt die Hütte am Lindberger Schachten dank überdachter Terrasse zur kurzen Rast ein. (Foto: Reinhold Weinberger)
Auch im Winter lädt die Hütte am Lindberger Schachten dank überdachter Terrasse zur kurzen Rast ein. (Foto: Reinhold Weinberger)

Am strauchigen Bewuchs der ehemaligen Hochweiden sammeln sich im Winter oft filigrane Eiskristalle. (Foto: Michael Pscheidl)
Am strauchigen Bewuchs der ehemaligen Hochweiden sammeln sich im Winter oft filigrane Eiskristalle. (Foto: Michael Pscheidl)

Alte, knorrige Schachtenbäume, die einst als Schattenspender gepflanzt worden, bieten im Winter einzigartige Fotomotive. (Foto: Franz Leibl)
Alte, knorrige Schachtenbäume, die einst als Schattenspender gepflanzt worden, bieten im Winter einzigartige Fotomotive. (Foto: Franz Leibl)

Gemeinsam durch den verschneiten Winterwald wandeln und dabei gleich noch viele Infos bekommen: Das garantiert die Teilnahme an einer Führung im Nationalpark. (Fotos: Steffen Krieger)
Gemeinsam durch den verschneiten Winterwald wandeln und dabei gleich noch viele Infos bekommen: Das garantiert die Teilnahme an einer Führung im Nationalpark. (Fotos: Steffen Krieger)

Lindberg. Wald, Wald, nichts als Wald. Dieses Bild haben manch Einheimische oder Urlauber immer noch im Kopf, wenn sie an den Nationalpark Bayerischer Wald denken. Doch ganz stimmt diese Vorstellung nicht. Neben einigen Moorflächen stechen auch noch einstige Hochweiden aus dem Mittelgebirge hervor. Die Schachten, Perlen im Waldmeer, lassen sich auch im Winter prima erkunden – dank Schneeschuhen oder Tourenski.

Es knirscht und knirscht und knirscht. Nur dieses rhythmische Geräusch von einem guten Dutzend Schneeschuhpaaren durchbricht die Stille im Winterwunderland. Ansonsten wirkt der Wald nahezu tiefgefroren. Die Bäume sind fest in Schnee eingepackt, überall sorgt Eis für natürliche Kunstwerke, die Luft ist eiskalt und klar. Die für das Knirschen verantwortlichen Wanderer haben derweil ein gar nicht waldtypisches Ziel: Es geht hinauf zum Lindberger Schachten, einer ehemaligen Hochweide.

„Ab etwa 1100 Höhenmetern herrschen ganz andere, viel rauere klimatische Bedingungen“, erklärt Nationalpark-Förster Reinhold Weinberger seinen Führungsteilnehmern. „Das heißt auch, dass wir dort in der Regel eine besonders hohe Schneesicherheit haben.“ Zwei Meter seien keine Seltenheit. „Im Tal kennen wir das nach den oftmals milden Wintern der jüngsten Vergangenheit fast nicht mehr.“

Ein Fortkommen ist nur mit Schneeschuhen oder Tourenski problemlos möglich. Beide Varianten ermöglichen ein relativ leichtes Erklimmen der höheren Lagen des Bayerwalds. Anstrengend ist dies bei Steigungen freilich trotzdem. Dafür entschädigen gerade die Schachten mit einer ganz eigenen, mystischen Stimmung ohne großen Rummel. Die Wege dorthin sind im Winter schließlich nur wenig begangen. „Die Freiflächen ermöglichen oft tolle Ausblicke“, schwärmt Weinberger. „Am Lindberger Schachten hat man etwa eine super Sicht auf beide Rachelgipfel.“ Die überzuckerten Kuppeln von Kleinen und Großen Rachel geben ein schönes Fotomotiv ab.

Zu verdanken hat die Region die an die Almen der Alpen erinnernden Gebiete der Hüter-Tradition. Bis in die 1960er Jahre hinein trieben Bauern in Jungvieh in den Sommermonaten in die Hochlagen. Die von Menschenhand freigeschnittenen Areale werden heutzutage als Kulturdenkmäler erhalten – etwa bei der jährlichen Schachtenpflege, die der Bayerische Wald-Verein, die Bergwacht und der Nationalpark gemeinsam organisieren.

Im Spätsommer und Herbst liefern viele Schachten ihren Besuchern eine kleine Brotzeit, schließlich sind Heidelbeersträucher allgegenwärtig. In der kalten Jahreszeit hingegen bieten die filigranen Ästchen der Sträucher dem Eis viel Platz für skurrile Kunstwerke. Auch die Hütebäume – alte, knorrige Laubbäume, die als Schattenspender gepflanzt worden sind – präsentieren sich im Winter oft nahezu künstlerisch überzuckert, ummantelt oder vereist.

Ein weiterer Vorteil des Winters: „Man hat viel mehr Möglichkeiten, Spuren zu erkennen“, erklärt Weinberger. „Schließlich kreuzen auch jetzt viele Tierarten unsere Wege. Nur können wir deren Abdrücke nun besser erkennen.“ Rothirsch, Wildschwein oder Luchs sind so mit etwas Glück zu entdecken. 

Tipp: Reinhold Weinberger führt am 24. Februar ab Wanderparkplatz Buchenau unter anderem zum Lindberger Schachten. Los geht’s um 9.30 Uhr mit Schneeschuhen oder Tourenski. Außerdem begleitet am 20. Januar und 17. März ein Ranger alle Interessierten auf Schneeschuhen zum Lindberger Schachten. Los geht’s jeweils um 10 Uhr am Wanderparkplatz in Buchenau. Die Führungen sind kostenlos. Eine Anmeldung via 0800 0776650 wird erbeten. Alle weiteren Führungen – viele davon auf Schneeschuhen, die auch ausgeliehen werden können – finden Sie unter www.nationalpark-bayerischer-wald.de/veranstaltungen.

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