Fotofallen-Projekt mit El Salvador ist ausgewertet

Andrea Morales gibt Empfehlungen für Waldentwicklung und Betretungsverbote

Eintrag Nr. 97/2020
Datum:


40 Wildtierkameras hat Andrea Morales in Zusammenarbeit mit den Rangern des Nationalparks Montecristo aufgehängt. (Foto: Nationalpark Montecristo)
40 Wildtierkameras hat Andrea Morales in Zusammenarbeit mit den Rangern des Nationalparks Montecristo aufgehängt. (Foto: Nationalpark Montecristo)

Andrea Morales zeigt einen Artikel auf der Titelseite der „El Mundo“, einer der größten Tageszeitungen El Salvadors, in dem über das Fotofallen-Projekt berichtet wurde. (Foto: Annette Nigl / Nationalpark Bayerischer Wald)
Andrea Morales zeigt einen Artikel auf der Titelseite der „El Mundo“, einer der größten Tageszeitungen El Salvadors, in dem über das Fotofallen-Projekt berichtet wurde. (Foto: Annette Nigl / Nationalpark Bayerischer Wald)

Grafenau / El Salvador. Gemeinsam mit dem Nationalpark Bayerischer Wald wurde 2019 im Nationalpark Montecristo in El Salvador ein Fotofallen-Projekt realisiert. Die Projektkoordinatorin Andrea Morales hat die Daten nun im Rahmen ihrer Masterarbeit detailliert ausgewertet. Neben generellen Fragen zur Vielfalt von Säugetieren im Nationalpark Montecristo ging es dabei auch um zwei konkrete Fragen: Wie beeinflussen künstliche Anpflanzungen von Mexikanischer Zypresse im Herzen des Parks die Säugetierfauna? Wie wirkt sich die Störung durch Menschen und Hunden auf die Säugetiergemeinschaften aus?

„Schon etwa zehn Jahre vor der Gründung des Nationalparks Montecristo wurden in den 1980er Jahren etwa 250 ha mit Mexikanischer Zypresse aufgeforstet“, berichtet Andrea Morales. Ziel war es, der Erosion in den steilen, ehedem landwirtschaftlich genutzten Flächen Einhalt zu gebieten. „Obwohl der Nadelbaum in Mittelamerika heimisch ist, handelt es sich hier im Nationalpark Montecristo in der Übergangszone zwischen Kiefern-Eichen-Wald und Nebelwald um eine standortfremde Anpflanzung.“

Was tun mit dem Bestand an Mexikanischen Zypressen?

Die Frage nach der Zukunft dieser Zypressen-Anpflanzungen wurde durch die Entdeckung seltener und gefährdeter Arten erschwert. Offensichtlich nutzen auch Säugetiere, wie die Aztekenmaus und Peters-Kinnblattfledermaus, sowie Reptilien, wie die Wilson-Berggrubenotter und Montecristo-Bergschleiche, die scheinbar eintönigen Bestände. „Was ist also zu tun? Soll der Bestand an Mexikanischen Zypressen erhalten werden? Soll eine Sukzession hin zu einheimischen Waldgesellschaften erfolgen oder soll die Sukzession sogar durch forstliche Maßnahmen beschleunigt werden?“, erklärt Andrea Morales die Fragen, die aufgetreten sind. Zumindest was größere, bodenlebende Säugetiere betrifft, kann die Forscherin nun eine Empfehlung abgeben. In ihren Analysen fand sie heraus, dass die Zypressen-Anpflanzungen eine verarmte Säugetierfauna gegenüber den heimischen Waldgesellschaften beherbergt. Andererseits gibt es keine Randeffekte der Zypressen-Anpflanzungen. Die Säugetiere in den angrenzenden heimischen Waldgesellschaften werden also nicht negativ beeinträchtigt. „Aus der Sicht der von unseren Fotofallen erfassbaren Säugetieren steht einer Sukzession der Zypressen-Bestände – beschleunigt oder nicht – nichts entgegen.“

Aktivitäten von Menschen stört die Vielfalt der Säugetiere

Die Fotofallen dokumentierten neben den Zielarten auch zahlreiche Hunde und Menschen, die an vielen Stellen im Nationalpark unterwegs waren. „Das wirft natürlich die Frage auf, ob diese Störungen eine Auswirkung auf die Vielfalt an Säugetieren haben.“ Mit einem Modellierungsansatz, der mögliche Effekte der Lebensräume „herausrechnete“, konnte Andrea Morales zeigen, dass die Hunde keine Auswirkungen auf die Anwesenheit der Arten an den Fotofallenstandorten hatten. Es kann aber trotzdem sein, dass einzelne Arten zwar nicht verschwunden sind, aber ihre Individuenzahl durch die Anwesenheit von Hunden sank. Diese Hypothese konnte Andrea Morales nicht ihrem Modell testen.

Größere Relevanz hat das zweite Ergebnis, nämlich, dass die Aktivität von Menschen die Vielfalt der Säugetiere negativ beeinflusst und das, wie gesagt, unabhängig vom Lebensraumtyp. „Das zeigt einen konkreten Handlungsbedarf auf“, so Andrea Morales. „Zum einen muss das Betretungsverbot sensibler Nationalparkflächen konsequenter durchgesetzt werden, andererseits muss die Bevölkerung im und in der Nähe des Nationalparks durch Umweltbildungsmaßnahmen für die Problematik sensibilisiert werden.“

Zusammenfassend zeigt diese Arbeit – für die Andrea Morales auch ausgezeichnet wurde - wie wichtig diese Grundlagenforschung in El Salvador für die Formulierung konkreter Managementempfehlungen ist.

 

 

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