Den Lebenswert der Heimat erhalten

Georg Pletl, Geschäftsführer des Bayerischen Wald-Vereins, im Interview

Eintrag Nr. 14/2018
Datum: 29.08.2018


Wanderer auf dem Gipfel des Großen Falkensteins. Foto: Frank Bietau
Wanderer auf dem Gipfel des Großen Falkensteins. Foto: Frank Bietau

Georg Pletl arbeitet gern mit dem Nationalpark Bayerischer Wald zusammen. Foto: Friedrich Saller
Georg Pletl arbeitet gern mit dem Nationalpark Bayerischer Wald zusammen. Foto: Friedrich Saller

Schutzhaus-Neubau auf dem Großen Falkenstein. Foto: Franz Leibl
Schutzhaus-Neubau auf dem Großen Falkenstein. Foto: Franz Leibl

Lindberg. Seit 20 Jahren ist Georg Pletl Mitglied im Bayerischen Wald-Verein, seit 2009 steht der Agraringenieur i. R. dem Hauptverein als Geschäftsführer vor. Warum es lohnt, sich im Wald-Verein zu engagieren, welche Ziele er verfolgt und wie die Zusammenarbeit mit dem Nationalpark klappt, erzählt der 68-Jährige im Interview:

Vor 135 Jahren, im November 1883, hat der Passauer Oberamtsrichter Anton Niederleuthner den Bayerischen Wald-Verein gegründet. Was hat ihn angetrieben?

Georg Pletl: Damals war der Bayerische Wald ein wirtschaftliches Notstandsgebiet. Die Arbeit ermöglichte den Menschen nur ein karges Leben – und den Tourismus gab es noch nicht in der Region. Um ihn anzukurbeln, wurden im gesamten deutschsprachigen Raum neben dem Alpenverein diverse Mittelgebirgsvereine aus der Taufe gehoben. Dies war wohl auch der Anstoß für Anton Niederleuthner und den königlichen Bergmeister Bartholomäus Stölzl aus Bodenmais, den Bayerischen Wald-Verein zu gründen.

Mittlerweile zählt der Verein knapp 20.000 Mitglieder. Sie sind in 58 Sektionen organisiert und engagieren sich in der Heimat- und Volkstumspflege, der Kulturarbeit sowie im Natur- und Landschaftsschutz im Bayerischen Wald. Was waren die bedeutendsten Projekte der vergangenen zehn Jahre?

Georg Pletl: Ganz klar die Renovierung des Arber-Schutzhauses im Jahr 2009: Wir haben dafür 650.000 Euro investiert und die Maßnahme in einer Rekordzeit von April bis zur Arber-Kirchweih am 24. August durchgezogen. Bedeutend war 2015 auch der Wiedereintritt des Wald-Vereins in den Bundesverband, denn: Nur wer im Bundesverband Mitglied ist, kann im Landesverband sein – und nur wer im Landesverband organisiert ist, kann Zuschüsse für die Wegemarkierung beantragen. Überdies: 2016 hat meine Frau Annemarie die Wanderausstellung der Wald-Vereins-Kulturpreisträger ins Leben gerufen. Sie konnte nur so erfolgreich gelingen, weil uns die Nationalparkverwaltung darin hervorragend unterstützte.

Die aktuell größte „Baustelle“ des Vereins ist der Abriss und Neubau der Schutzhütte auf dem Großen Falkenstein. Wie sieht das Planungskonzept aus und wie schreiten die Arbeiten voran?

Georg Pletl: Aufgrund des fehlenden Brandschutzes, der nicht mehr zeitgemäßen Schlafräume sowie der Hygienevorschriften für Küche und Lager standen wir vor der Wahl: entweder das Schutzhaus für 1,5 Millionen Euro generalsanieren oder für 1,6 Millionen Euro neu bauen. Unsere Mitglieder haben sich einstimmig für den Neubau ausgesprochen – jedoch unter der Voraussetzung, dass der Betrieb während der Bauphase mit Ausnahme der Übernachtungsmöglichkeit weiterläuft. Am 22. Juni war Spatenstich zum Neubau. Das künftige Schutzhaus wird 40 Betten in zehn Zimmern und 85 Sitzplätze in der Gastronomie bereitstellen.

Eine unabhängige Arbeitsgruppe innerhalb des Wald-Vereins, der Förderkreis Schutzhaus Falkenstein, hat sich zum Ziel gesetzt, 100.000 Euro Spendengelder zu akquirieren. Nur dann kann die Berghütte neu gebaut werden. Wie viel Geld liegt schon auf dem Konto?

Georg Pletl: Wir hatten nie mit derart vielen und unermüdlichen Unterstützern gerechnet. Ihnen gilt mein ganz großer Dank! Sie generieren Einnahmen aus Christkindlmärkten und Christbaumversteigerungen, Benefizkonzerten, Theateraufführungen und diversen Festen, so dass wir mittlerweile stattliche 95.000 Euro eingenommen haben.

Das Falkenstein-Schutzhaus liegt im Nationalpark Bayerischer Wald. Wie arbeiten Wald-Verein und Nationalpark zusammen?

Georg Pletl: Wir hätten keinen besseren Partner finden können: Gleich von Anfang an hat uns ein sehr kompetentes Team aus der Nationalparkverwaltung auf der Suche nach geeigneten Fördermitteln unterstützt. Zwar ist das Vorhaben gescheitert – was die gute Zusammenarbeit mit dem Nationalpark jedoch keineswegs beeinträchtigt hat.

In welchen anderen Projekten unterstützt der Bayerische Wald-Verein den Nationalpark und seine Philosophie?

Georg Pletl: Zum Beispiel in der Schachtenpflege. Dazu treten wir jährlich mit bis zu 80 Helfern an. Manche Sektionen haben sogar Patenschaften für einzelne Schachten übernommen. Sehr intensiv arbeitet auch unser Naturschutz-Beirat mit dem Nationalpark zusammen – gerade, wenn es um Info-Veranstaltungen, Wanderwege oder die Bekämpfung von Neophyten geht. Bislang haben wir zu allen Belangen gute und einvernehmliche Lösungen gefunden. Unser großes Ziel ist, das Ansehen des Nationalparks bei der Bevölkerung weiter zu steigern.

Was steht als nächstes an?

Georg Pletl: Unser Jugendwart Guido Haimerl hat vor zwei Jahren den Kulturwettbewerb „Da Woid is schee“ ins Leben gerufen, der aktuell die zweite Auflage erfährt: Teilnehmer jedes Alters können bis 29. September Gemälde, Fotos, Gedichte oder Geschichten zum Bayerischen Wald einreichen. Eine Jury bewertet die Einsendungen und konzipiert aus den besten eine Ausstellung, die ab Ende Oktober im Bayerwald-Aktivzentrum Lunaris in St. Englmar zu sehen ist.

Warum sollte man dem Wald-Verein beitreten?

Georg Pletl: Den Lebenswert unserer Heimat zu erhalten, halte ich für eine oberste Pflicht. Bei uns kann sich jeder, dem seine Heimat am Herzen liegt, einbringen. Die Aufgaben des Wald-Vereins sind so vielfältig, da ist für jeden ein passendes Angebot dabei.

 

Hinweis: Dieser Bericht stammt aus dem Nationalparkmagazin Unser Wilder Wald. Die komplette Ausgabe kann HIER als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

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