Die 1970er Jahre im Nationalpark

Rückblick auf die wichtigsten Meilenstein von 1970 bis 1979

Eintrag Nr. 44/2020
Datum: 21.04.2020


7. Oktober 1970 - Nationalparkeröffnung. Foto: Archiv
7. Oktober 1970 - Nationalparkeröffnung. Foto: Archiv

20. September 1974 - Bau des Bärengeheges. Foto: Archiv
20. September 1974 - Bau des Bärengeheges. Foto: Archiv

1976 bis 1977 - Messstation Taferlruck. Foto: Archiv
1976 bis 1977 - Messstation Taferlruck. Foto: Archiv

2. Oktober 1978 - Eröffnung des Waldspielgeländes. Foto: Archiv
2. Oktober 1978 - Eröffnung des Waldspielgeländes. Foto: Archiv

Georg Sperber. Foto: privat
Georg Sperber. Foto: privat

Grafenau. Der Nationalpark Bayerischer Wald wird heuer 50 Jahre alt. Aus diesem Anlass blicken wir auf die wichtigsten Meilensteine der Nationalpark-Entwicklung zurück. Im ersten Teil unserer Kurz-Chronik schauen wir zurück auf die 1970er Jahre sowie das Jahr 1969.

11. Juni 1969:  Der Bayerische Landtag stimmt einstimmig für die Gründung eines Nationalparks zwischen Rachel und Lusen.  

22. Juli 1969: Dr. Hans Bibelriether wird als Leiter des neu zu schaffenden Nationalparkamtes nach Spiegelau berufen.

7. Oktober 1970: Der Nationalpark Bayerischer Wald wird feierlich durch Staatsminister Dr. Hans Eisenmann - der sich von Peter Wernsdorfer mit der Pferdekutsche durch den Wald fahren lässt - eröffnet. Neben Politprominenz wie Landtagspräsident Rudolf Hanauer und Innenminister Bruno Merk sowie den Naturschutzpionieren Dr. Bernhard Grzimek und Hubert Weinzierl sind auch über 2000 Gäste aus der Bevölkerung gekommen, um die Geburtsstunde des ersten deutschen Nationalparks zu feiern. 

1972: Die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) erkennt den Nationalpark nach international gültigen Kriterien an.

1. Juli 1973: In St. Oswald wird im Zuge der forstlichen Gebietsreform ein Nationalparkforstamt errichtet, fünf Forstämter gehen darin auf.

1. August 1973: Das Bayerische Naturschutzgesetz tritt in Kraft. Erstmalig wird der Begriff Nationalpark definiert sowie Ziele und Aufgaben festgelegt.

1. Juli 1974: Der Ordnungsdienst des Nationalparks wird gegründet.

20. September 1974: Nachdem bereits im Jahr 1970 die Gehege für Wisent, Luchs und Hirsch im Waldgebiet bei Neuschönau angelegt wurden, wird 1974 das Bärengehege gebaut, finanziert vom „Verein der Nationalpark-Freunde“. Am 20. September 1974 ziehen die ersten beiden Bären ein, Trudi und Poldi. Die beiden Jungtiere hatte der Bund Naturschutz in den Tiergärten von Stuttgart und Innsbruck angekauft. Der Bau des Bärengeheges geschieht auf Wunsch von Minister Hans Eisenmann als Attraktion in der Gehegezone. Die Ortschaften Altschönau und Neuschönau entwickeln sich aufgrund dieser Besuchereinrichtung zu besonders beliebten Urlaubsorten.

7. Oktober 1974: Das Jugendwaldheim des Nationalparks bei Schönbrunn am Lusen wird als erstes dieser Art in Bayern eröffnet.

27. Januar 1976: Zehn Wölfe brechen aus dem Tier-Freigelände bei Neuschönau aus.

1. September 1976: Das Nationalparkamt in Spiegelau und das Nationalparkforstamt in St. Oswald werden nach Grafenau verlegt.

1976 bis 1977: Am Taferlruck an der Großen Ohe wird eine Messstation eingerichtet, betrieben wird die Anlage gemeinsam mit der Bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung und der Bayerischen Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt. Das Forschungsprogramm umfasst Abflussmessungen sowie Untersuchungen zur Wassergüte. Zur Eröffnung konnte der damalige Nationalparkleiter Dr. Hans Bibelriether Minister Simon Nüssel und Oberförster Lothar Hopfner begrüßen.

2. Oktober 1978: Zeitgleich mit der Grundsteinlegung für das Nationalparkinformationszentrum in Neuschönau eröffnet die Ehefrau des Staatsministers, Irmgard Eisenmann, das Waldspielgelände bei Spiegelau. Bei dem Festakt stehen auch Aufführungen von Jugendgruppen auf dem Programm sowie eine Besichtigung des Areals mit dem kleinen Spielplatz, der zunächst nur aus selbstgebauten Geräten und einem Bolzplatz besteht. Das Waldspielgelände ist von Anbeginn ein Anziehungspunkt für Familien, nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Erholen. 

1. Januar 1979: Nationalparkamt und Nationalparkforstamt werden zur Nationalparkverwaltung zusammengeschlossen. Erster Leiter der Verwaltung wird Dr. Hans-Heinrich Vangerow.

1. Dezember 1979: Dr. Hans Bibelriether wird Leiter der Nationalparkverwaltung.

 

ZEITZEUGE

„Bereits kurz nach der Gründung des Nationalparks am 7. Oktober 1970 stellte sich als zentrales Problem heraus, dass weit überhöhte Rotwildbestände unvorstellbare Schäden am Wald verursacht hatten und weiter verursachten. Fast 3000 Hektar total geschälter Bestände wurden registriert. Uns war klar: Ohne eine Absenkung der Rotwild- und Rehwildbestände war die Regeneration zu naturnahen Bergmischwaldbeständen illusorisch. Die gravierenden Wildschäden wurden mit einem Film von Horst Stern der Öffentlichkeit 1971 vor Augen geführt. Außerdem unterstützte Staatsminister Hans Eisenmann das Engagement von Hans Bibelriether und mir und übertrug die Zuständigkeit für die Jagd dem Nationalparkamt. Dem folgte die Einrichtung von Wintergattern.“ Georg Sperber, stellv. Leiter Nationalparkamt 1969-1972

 

Diese Serie wird fortgesetzt. Bereits jetzt finden Sie auf der Homepage-Unterseite "Geschichte des Nationalparks Bayerischer Wald" weitere Infos zur Historie des Schutzgebiets.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug des Jubiläumsmagazins "50 Jahre Nationalpark".

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