Zurück zur Natur

Der Nationalpark renaturiert Moore und Bäche - und verwandelt so manche Forststraße in einen idyllischen Wandersteig

Eintrag Nr. 27/2019
Datum: 23.08.2019


Moor in den Nationalpark-Hochlagen. Foto: Franz Leibl
Moor in den Nationalpark-Hochlagen. Foto: Franz Leibl

Altschönau. Über Jahrhunderte haben Menschen im heutigen Nationalparkgebiet Hand an die natürlichen Prozesse gelegt: Moore entwässert, Straßen gebaut und Fließgewässer für die Holztrift in steinerne Korsette gezwängt. Seit einigen Jahren nun macht der Nationalpark die menschlichen Eingriffe von damals wieder rückgängig – und verbucht dabei so sicht- wie messbare Erfolge:

MOORE
„Um wüchsige Fichtenstandorte zu bekommen, entwässerte man vor allem am Anfang des 20. Jahrhunderts etliche Hochmoore“, erzählt Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl. Eine Maßnahme, die sich für die Natur extrem ungünstig auswirkte. Denn durch das Entwässern kann ein Moor keinen Kohlenstoff mehr speichern – im Gegenteil: „Es finden Mineralisierungsprozesse statt, bei denen klimawirksame Gase wie Kohlenstoffdioxid oder Lachgas entstehen und in die Atmosphäre entweichen“, weiß Leibl. Der Nationalpark zählt 1273 Hektar Moorwälder und 50 Hektar waldfreie Hochmoore, wovon nur gut zehn Prozent unbeeinträchtigt funktionierten. „Mit hohem Aufwand haben wir in den vergangenen Jahren mehr als 45 Hektar Moorstandorte analysiert, entsprechende Renaturierungsmaßnahmen angestoßen und mittlerweile auch abgeschlossen“, resümiert Franz Leibl. Mit Erfolg: In der Kleinen Au bei Altschönau etwa sei der Grundwasserspiegel schon ein Jahr nach der Renaturierung wieder merklich angestiegen. Wasser werde im Moor zurückgehalten und die Speicherung von Kohlenstoff in Gang gesetzt, freut sich Leibl, der überdies gerne beobachtet, wie sich auch die Vegetation in den Hochmooren des Nationalparks Schritt für Schritt erholt und neu etabliert.

MITTELGEBIRGSBÄCHE
Mit dem Einsatz der Holztrift ab dem 19. Jahrhundert wurde ein Großteil der Mittelgebirgsbäche im heutigen Nationalparkgebiet zu langen Kanälen umgebaut. „In enger Absprache mit den Denkmalschutzbehörden schnüren wir diese starren, engen Korsette nach und nach wieder auf“, erläutert Dr. Franz Leibl. Unter anderem würden Sohlschwellen zurückgebaut und größere Wanderhindernisse für Gewässerarten mit Hilfe von Umgehungsgerinnen unschädlich gemacht. In der Folge gestaltet sich der Bach sein Bett wieder selbst und holt sich in nur wenigen Jahren seine Ursprünglichkeit zurück. Zudem: „Fischarten wie die Mühlkoppe oder die Bachforelle konnten sich in den mit Querverbauungen versehenen Triftkanälen oder in den durch Wege zerschnittenen Bächen schlecht ausbreiten“, weiß der Nationalparkleiter. Die Renaturierung etlicher Mittelgebirgsbäche soll nun fördern, dass sich die Fische auch im Oberlauf der Gewässer wieder ansiedeln können.

FORSTSTRASSEN
500 Kilometer Forststraßen ziehen sich durch das Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald. „Sofern sie aus forstlicher Sicht nicht mehr benötigt werden und auch nicht in unser Wanderwege- oder Radnetz einzubinden sind, werden die Straßen punktuell renaturiert“, informiert Franz Leibl. Durch Verschmälerung der Trassen werden Forststraßen entweder in naturbelassene Wandersteige umgewandelt – oder vollkommen rückgebaut. „Dabei wird die Mikrotopografie der Berghänge wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt“, erklärt Leibl: Rohrdurchlässe würden ausgebaut und damit die Durchgängigkeit ganzer Quellgebiete hergestellt. Weil Forststraßen aus ökologischer Sicht ungünstig sind, etwa den Boden verdichten und Lebensräume zerschneiden, mache deren Renaturierung Sinn. Denn, so ist sich der Nationalparkchef sicher: „Würden wir den Rückbau nicht aktiv steuern und stattdessen der Natur überlassen, so beansprucht dies derart viel Zeit, dass das den menschlichen Planungshorizont bei weitem übersteigt.“

 

Dieser Artikel stammt aus der neuesten Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser Wilder Wald". Das komplette Heft können Sie HIER als PDF-Dokument herunterladen.

 

Text: Alexandra von Poschinger

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