Hinauf zu faszinierenden Schachten und Filzen

Wandertipp für eine der Königsetappen im Nationalpark Bayerischer Wald

Eintrag Nr. 04/2018
Datum: 28.05.2018


Spektakuläre Naturschönheiten erleben Wanderer bei einer der abwechslungsreichsten Touren im Bayerischen Wald. Dabei geht’s nicht nur durch naturnahe Waldbestände, sondern auch zu mystischen Mooren


Die moorigen Ofenlandflächen sind zu Beginn der Sommermonate oft mit weißen Teppichen aus Wollgras überzogen. Foto: Gregor Wolf
Die moorigen Ofenlandflächen sind zu Beginn der Sommermonate oft mit weißen Teppichen aus Wollgras überzogen. Foto: Gregor Wolf

Beim Sonnentau stehen auch Insekten auf dem Speiseplan. Die rötlich schimmernde, fleischfressend Pflanze wächst am Boden von Mooren. Foto: Thomas Drexler
Beim Sonnentau stehen auch Insekten auf dem Speiseplan. Die rötlich schimmernde, fleischfressend Pflanze wächst am Boden von Mooren. Foto: Thomas Drexler

Der tiefdunkle Latschensee – umgeben von kleinwüchsigen Bergkiefern – ist das größte Moorauge entlang des Weges.  Foto: Florian Porst
Der tiefdunkle Latschensee – umgeben von kleinwüchsigen Bergkiefern – ist das größte Moorauge entlang des Weges. Foto: Florian Porst

Auch im Zwieselter Filz, das über Bohlenstege erschlossen ist, sind Mooraugen, die sich nur aus Regenwasser speisen, zu bestaunen. Foto: Gregor Wolf
Auch im Zwieselter Filz, das über Bohlenstege erschlossen ist, sind Mooraugen, die sich nur aus Regenwasser speisen, zu bestaunen. Foto: Gregor Wolf

Am Ende der Tagestour geht’s vorbei an der Trinkwassertalsperre Frauenau, die weite Teile Niederbayerns mit klarem Trinkwasser aus dem Nationalpark versorgt. Foto: Reinhold Weinberger
Am Ende der Tagestour geht’s vorbei an der Trinkwassertalsperre Frauenau, die weite Teile Niederbayerns mit klarem Trinkwasser aus dem Nationalpark versorgt. Foto: Reinhold Weinberger

Buchenau/Frauenau. Spektakuläre Naturschönheiten erleben Wanderer bei einer der abwechslungsreichsten Touren im Bayerischen Wald. Dabei geht’s nicht nur durch naturnahe Waldbestände, sondern auch zu mystischen Mooren und zu einst bewirtschafteten Waldweiden. Neben großer Lust auf spannende Entdeckungen sollte man hierfür nur zwei Dinge mitbringen – etwas Zeit und eine gewisse Ausdauer.  

Unten im Tal ist noch früher Morgen. Tau überzieht den Waldboden. Doch die Sonne entfaltet langsam ihre wärmende Kraft. Bestes Wanderwetter also. Ideale Voraussetzungen, um zu einer der Königsetappen im Nationalpark Bayerischer Wald aufzubrechen. Auf dem Plan steht der Besuch zweier großer Moorgebiete, die im Bayerwald Filze genannt werden. Obendrein gibt’s fünf Schachten auf der Tour. Das sind Inseln im Waldmeer, auf denen früher Rinder weideten. Zeitig aufbrechen ist Pflicht, schließlich liegen etwas mehr als 20 Kilometer Strecke zwischen Start und Ziel. Rund sieben Stunden sollte man dafür einplanen. Da keine Einkehrmöglichkeit besteht muss auch eine Brotzeit und reichlich Getränke in den Rucksack.

Los geht’s am Wanderparkplatz in Buchenau der Markierung Pestwurz folgend. Nach dem Verlassen des kleinen Örtchens, das zur Gemeinde Lindberg im Landkreis Regen gehört, beginnt sogleich der anspruchsvollste Teil der Wanderung. Durch dichten Wald, teils noch forstlich geprägt, teils schon in naturnahem Gewand, gilt es zunächst gut 400 Höhenmeter zur erklimmen. Das Positive an der Schinderei: Danach weist die Route keine nennenswerten Steigungen mehr auf. Die größte Anstrengung ist somit gleich am Anfang erledigt. Als erste Belohnung wartet der Lindberger Schachten mit seinen hunderten Heidelbeersträuchern darauf überquert zu werden. Man sollte auf dem Schachten unbedingt auch noch ein paar Meter bergauf gehen, denn dann bietet sich ein famoser Blick auf das Rachelmassiv mit seinem zwei Gipfeln, dem Kleinen und dem Großen Rachel.

Nach dem ausgiebigen Genuss der Aussicht geht’s weiter – immer der Goldsteig-Markierung nach. Nun folgt ein interessanten Waldstück, im dem Buchen das Sagen haben, ehe mit der Hirschbachschwelle der nächste Zeuge einstiger Nutzung auftaucht. Der künstlich angelegte See wurde für die Holztrift gebraucht und wird nun als Kulturdenkmal erhalten. Die Schwelle ist zudem das Eingangstor zum moorigen Teil der Strecke. Schließlich folgt gleich danach das Zwieselter Filz, welches als größter Sattelmoorkomplex Deutschlands gilt.

Besonders am Anfang des Sommers dominiert im Filz das hier typische Wollgras. Wie ein weißer Teppich legt sich der fadenartige Wollschopf der Pflanze über die offenen Flächen. Weit weniger dominant, aber nicht minder omnipräsent ist ein zweiter Moorspezialist. Um ihn zu entdecken, müssen Wanderer den Boden von den Bohlenbrettern aus ganz exakt absuchen. Die rötlich schimmernden Klebefäden der fleischfressenden Pflanze sind bei genauem Hinschauen aber gut sichtbar. Damit ergänzt der Sonnentau seinen Speiseplan beim sonst eher kargen Nährstoffangebot im Moor mit ein paar Insekten.  

Zwischen dem Zwieselter Filz und dem zweiten Moorbereich der Tour liegt der Kohlschachten. Jahrhundertealte, knorrige Bäumen sind sein Markenzeichen.  Im Latschenfilz wiederum prägen auf einmal im Bayerwald sonst sehr seltene Bäume das Bild: Bergkiefern, die auch Latschen genannt werden. Zwischen dem niedrigen Nadelbaumbewuchs versteckt sich über einen kleinen Stichweg erschlossen der Latschensee, das größte Moorauge des Gebiets. Wie die anderen stehenden, tiefdunklen Gewässer der beiden Filzkomplexe speist er sich nur aus Regenwasser.

Der weitere Verlauf des Weges wird schließlich immer trockener, dafür nicht minder spannend. Auch der Hochschachten, der Almschachten und der Verlorene Schachten halten noch reichlich wilde Natur bereit. Und auf dem Hochschachten gibt’s zudem bei gutem Wetter noch einen gigantischen Ausblick zu genießen, der beispielsweise auch den Großen Arber in der Ferne erkennen lässt. Am Verlorenen Schachten wiederum wird die grenzüberschreitende Lage des Großschutzgebiets deutlich, schließlich liegt der Nordrand der Waldwiese direkt an der tschechischen Grenze und somit am Nachbar-Nationalpark Šumava.

Nach dem fünften Schachten geht’s mit der Wegmarkierung Borstgras wieder abwärts, teils auf kleinen Pfaden, teils auf Forststraßen. Dem Abstieg folgt ein einige hundert Meter langes Wegstück entlang der Trinkwassertalsperre Frauenau. In diese münden einige klare Bäche des Nationalparks. Das so gesammelte kühle Nass versorgt schließlich weite Teile Niederbayerns mit bestem Trinkwasser. An der Dammkrone angelangt beginnt schließlich die letzte, nahezu ebene Teilstrecke der Tagestour. Das Markierungszeichen Gläsernen Steig führt unter dutzenden Alleebäumen zurück nach Buchenau zum Ausgangspunkt.

Tipp: Wer die Schachten-Tour in der Gruppe entdecken will, kann am Samstag, 30. Juni, bei einer kostenlosen Führung des Nationalparks teilnehmen. Los geht’s um  9:30 Uhr am Wanderparkplatz in Buchenau. Eine Anmeldung unter 0800 0776650 ist erforderlich.

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