Tanz in der Wildnis

Bayerisches Junior-Ballett erarbeitet Bühnenwerk zum 50. Nationalpark-Jubiläum 2020

Eintrag Nr. 13/2018
Datum: 25.08.2018


Tänzer des Bayerischen Junior-Balletts im Hans-Watzlik-Hain. Foto: Alexandra von Poschinger
Tänzer des Bayerischen Junior-Balletts im Hans-Watzlik-Hain. Foto: Alexandra von Poschinger

Wenn der Wald zur Bühne wird... Foto: Alexandra von Poschinger
Wenn der Wald zur Bühne wird... Foto: Alexandra von Poschinger

Zwieslerwaldhaus. Nanu!? Tierfelle, Stoffe aus Tüll und Seidenbrokat, hauchdünne Feenkleidchen und Tutus aus dem klassischen Ballett mitten im Wald? Was auf den ersten Blick wie eine Fata Morgana erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen als Garderobe für ein aufsehenerregendes Projekt, das Natur und Kunst in Einklang bringt: Im Hans-Watzlik-Hain, dem mitunter wildesten Bereich des Nationalparks Bayerischer Wald mit seinen knorrigen, von Moosen und Flechten überzogenen Urwaldriesen, tänzeln und balancieren zwölf Mitglieder des Bayerischen Junior-Balletts über Stämme, Steine und durch raschelndes Laub. Sie studieren erste Bausteine einer zeitgenössischen Choreografie ein, die anlässlich des 50. Nationalpark-Jubiläums 2020 zur Uraufführung kommt.

„In vielen traditionellen Balletten kommen Naturszenen vor“, erzählt Till Meyer: „Doch keine Kulisse ist so authentisch wie die Natur selbst.“ Bereits 2003 hat der Münchner Umweltjournalist das Projekt „Ballett und Wildnis“ initiiert und konzipiert, eine Kooperation zwischen dem Bayerischen Staatsballett und dem Bayerischen Umweltministerium auf den Weg gebracht – und bis heute damit international Erfolg: Mit Vorführungen, Ausstellungen und Filmen hat das Projekt längst ein weltweites Publikum erreicht und unter anderem in Alaska und Mexiko begeistert. 2007 zeichnete die internationale WILD Foundation die Company aus Bayern als weltweiten „Botschafter der Wildnis“ aus – und vor zwei Jahren erhielt die Kooperation „Ballett und Wildnis“ aufgrund ihrer grenzüberschreitenden Weiterentwicklung nach Tschechien zum zweiten Mal das Prädikat als „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt“.

„Spaziert wie auf rohen Eiern“, leitet Choreografin Martina La Ragione ihre zwölf Schützlinge an, die der Naturbühne im Hans-Watzlik-Hain anfangs noch ein wenig skeptisch gegenüberstehen. Einer Elevin, die sich elegant um einen Baumstamm schmiegt, ruft die quirlige Italienerin im selben Atemzug zu: „Bäume dich auf, zieh deine Haare nach oben – und wachse!“

Die Arbeit in der Natur liefere Inspiration und erfordere Demut zugleich, sagt Ivan Liška. Der Ballettchef, der dem Bayerischen Staatsballett von 1998 bis zu seiner Pensionierung 2016 als Direktor vorstand, ist mit den angehenden Profitänzern des Bayerischen Junior-Ballets zum wiederholten Male zu Gast im Nationalpark Bayerischer Wald – und einmal mehr begeistert: „Das Eintauchen in diese Wildnis ist für mich wie eine Reise zurück in die Kindheit“, erzählt Liška, der in Prag geboren und aufgewachsen ist. In seiner Jugend sei er häufig im Böhmerwald unterwegs gewesen. Dann war er 30 Jahre lang als Tänzer auf internationalen Bühnen – „und nun ist die Konfrontation mit der Wildnis mehr als ein Wiedersehen“, schwärmt er: „Es ist ein Aufladen.“

Voller Vorfreude sieht Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl dem Ballettprojekt zum Jubiläum des ersten deutschen Großschutzgebiets in zwei Jahren entgegen: „Ein zeitgenössischer Tanz vor urtümlicher Kulisse. Ich bin schon sehr gespannt.“ Dass die Künstler des Junior-Balletts die wilde Waldnatur mit ihrer Ästhetik aufgreifen, unterstütze und kommuniziere die Nationalpark-Philosophie „Natur Natur sein lassen“ in ganz besonderer Weise, ist Leibl überzeugt.

Bis zum Jubiläumsjahr des Nationalparks Bayerischer Wald wird Ivan Liška mit seinem Team ein Schlüsselwerk choreografieren. Eine gemeinsame Absichtserklärung dazu unterzeichneten er und Bayerns Umweltminister Marcel Huber am 6. Mai dieses Jahres. Demnach soll das geplante Bühnenwerk die positiv veränderte Beziehung des Menschen zur wilden Natur künstlerisch aufbereiten.

 

Hinweis: Dieser Bericht stammt aus dem Nationalparkmagazin Unser Wilder Wald. Die komplette Ausgabe kann HIER als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

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