Traumberuf in der Widnis

Kristin Biebl und Roland Ertl möchten mit niemandem tauschen - weil ihre Aufgaben als Ranger so abwechslungsreich wie vielfältig sind

Eintrag Nr. 26/2019
Datum: 20.08.2019


Kristin Biebl und Roland Ertl. Foto: Daniela Blöchinger
Kristin Biebl und Roland Ertl. Foto: Daniela Blöchinger

Kristin Biebl. Foto: Daniela Blöchinger
Kristin Biebl. Foto: Daniela Blöchinger

Roland Ertl. Foto: Daniela Blöchinger
Roland Ertl. Foto: Daniela Blöchinger

Neuschönau/Spiegelau. Es muss im Sommer vor 25 Jahren gewesen sein. Roland Ertl weiß es nicht mehr genau. An das Ereignis selbst erinnert er sich dagegen noch gut: „Am Rachelsee traf ich auf zwei Schülerinnen. Sie saßen auf einer Bank und sprachen mich an.“ Details zum Schutz der Auerhühner im Nationalpark hätten sie wissen wollen, also gab Roland Ertl fundiert Auskunft. „Monate später lief mir eines der beiden Mädchen erneut über den Weg und berichtete mir freudestrahlend, dass es das Auerhuhn zum Thema seiner Abschlussarbeit an der Berufsschule gemacht hat.“ Mit herausragendem Ergebnis: Die Schülerin bekam eine Eins.

„Solche Erlebnisse vergisst man nicht“, erzählt Roland Ertl. Der 57-Jährige ist Ranger im Nationalpark und mit 35 Jahren Berufserfahrung momentan der Älteste im Dienst. „Schon Wahnsinn, wie die Zeit vergeht“, grübelt er kurz – und blickt fast väterlich rüber zu seiner Kollegin. Mit 27 Jahren ist Kristin Biebl die derzeit jüngste Rangerin im Park. Für den Dienst in der Natur hat sich die studierte Übersetzerin und Dolmetscherin vor zwei Jahren unter Dutzenden Mitbewerbern durchgesetzt und sogar einen Top-Job in München gekündigt. „Weil das, was ich jetzt mache, viel cooler ist“, sagt sie.

Vorerfahrung als Junior und Volunteer Ranger

Kristin Biebl weiß, dass andere sie um ihren Arbeitsplatz beneiden. Schon mit elf Jahren war für die Frauenauerin klar, dass sie später einmal Rangerin wird – und engagierte sich als Junior und Volunteer Ranger für den naturbegeisterten Nachwuchs in der Region. Eine Aufgabe, die neben der Besucherinformation im Gelände, Gästeführungen, der Kontrolle des weitläufigen Wegenetzes und der Mitarbeit an Forschungsprojekten zum bunten Themenspektrum jedes Nationalpark-Rangers gehört. Aktuell sind 26 in Deutschlands ältestem Großschutzgebiet beschäftigt – darunter auch acht Frauen.

„Wir haben gut zu tun zwischen Lusen und Falkenstein“, lacht Roland Ertl. In mehreren Schichten sind die Ranger in dem knapp 25.000 Quadratkilometer fassenden Gelände auf Streifzügen unterwegs, im Sommer täglich bis 22 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen sowieso. „Es gibt keinen Beruf, in dem ich glücklicher wäre“, weiß Ertl und schwärmt: „Ich darf Wildnis hautnah erleben, noch dazu im schönsten Wald Deutschlands.“

„Manche sind so gehetzt und aggressiv"

Den Nationalpark-Besuchern die Augen für die Schönheiten der Natur und ihre Prozesse zu öffnen, bereitet auch Kristin Biebl das größte Vergnügen – wenngleich die Kommunikation nicht immer ganz reibungslos verläuft: „Leider widersetzen sich manche Besucher den Regeln im Park und greifen uns dann verbal an, wenn wir sie darauf aufmerksam machen“, bedauert die junge Rangerin. „Eine unschöne Sache“, pflichtet ihr Kollege bei – und muss im Rückblick auf seine 35 Dienstjahre überdies feststellen, dass die Leute uneinsichtiger geworden sind: „Manche sind so gehetzt und aggressiv, das ist wirklich schade.“ Nichtsdestotrotz: „Wir stellen uns der Situation und versuchen, Konflikte durch Aufklärung zu vermeiden“, erzählt Kristin Biebl und freut sich, weil das meist auch gut klappt.

Dass sie wie Roland Ertl noch lange Freude an ihrem Beruf empfindet, ist Biebls größter Wunsch. „Seine Begeisterung geht wirklich über das Normalmaß hinaus“, lobt sie den Kollegen, dem der Nationalpark tatsächlich bereits an den Kinderschuhen haftete: „Ich war schon bei seiner Gründung dabei“, erzählt Ertl – und flunkert keineswegs. An das große Fest im Oktober 1970 erinnert sich der gebürtige Spiegelauer zu gut, gestaltete der damals Achtjährige die Feierlichkeit doch mit vollem Körpereinsatz mit: „Wir waren als Grundschüler offiziell eingeladen und haben zu Ehren des neuen Parks Ringelreia getanzt.“

 

Dieser Artikel stammt aus der neuesten Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser Wilder Wald". Das komplette Heft können Sie HIER als PDF-Dokument herunterladen.

 

Text: Alexandra von Poschinger

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