Aus der Welt in den "Woid"

Der Nationalpark bietet jungen Forschern ein großes Betätigungsfeld - Fünf Doktoranden und ihre Arbeiten

Eintrag Nr. 32/2018
Datum: 19.12.2018


Fünf junge Forscher aus dem Irak, aus den Niederlanden, aus Großbritannien, aus Bulgarien und aus Deutschland stellen ihre Arbeiten vor. Karte: Annemarie Schmeller
Fünf junge Forscher aus dem Irak, aus den Niederlanden, aus Großbritannien, aus Bulgarien und aus Deutschland stellen ihre Arbeiten vor. Karte: Annemarie Schmeller

Joe Premier. Foto: Annette Nigl
Joe Premier. Foto: Annette Nigl

Kostadin Georgiev. Foto: privat
Kostadin Georgiev. Foto: privat

Suzanne van Beeck Calkoen. Foto: Annette Nigl
Suzanne van Beeck Calkoen. Foto: Annette Nigl

Franz Krah. Foto: privat
Franz Krah. Foto: privat

Haidi Jamal Abdullah. Foto: Arjan Reef
Haidi Jamal Abdullah. Foto: Arjan Reef

Grafenau. Der Nationalpark lockt nicht nur Freizeittouristen aus aller Herren Länder in den Bayerischen Wald, sondern auch zahlreiche angehende Wissenschaftler. Sie werden von den Experten des Sachgebiets „Naturschutz und Forschung“ betreut – und tragen das Gelernte und Erfahrene aus der Region gleichsam hinaus in die Welt. Wir stellen fünf Doktoranden aus fünf Ländern und ihre Arbeiten vor.

Die Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald hat viele Gesichter: Vom einzelnen Baum bis zur gesamten Landschaft mit ihren tierischen Bewohnern werden Daten gesammelt, um die Zusammenhänge in Deutschlands ältestem Großschutzgebiet zu verstehen. Im Kern der Forschung steht die langfristige Beobachtung natürlicher Entwicklungen im Nationalpark – und letztlich die Suche nach Antworten auf die Frage, wie sich die Reaktionen dieses Ökosystems auf den Menschen auswirken. Um bedrohteArten vor ihrem Aussterben zu schützen, nehmen die Wissenschaftler überdies verschiedene Naturschutzexperimente vor. Weil sich wissenschaftliche Befunde nur im Kontext eines globalen Musters interpretieren lassen, arbeiten die Forscher des Nationalparks Bayerischer Wald mit Institutionen auf der ganzen Welt zusammen und publizieren in führenden Fachzeitschriften zu Ökologie und Naturschutz.

Joe Premier, Großbritannien
geboren am 31. März 1988 in Yeovil
Doktorand an der Universität Freiburg
Studium Physik an der Universität Southhampton (GB) sowie Experimentelle Geowissenschaften und Ökologie des globalen Wandels an der Universität Bayreuth

Die Luchspopulationen in Mitteleuropa sind meist sehr klein, ein genetischer Austausch ist kaum vorhanden. Dadurch besteht die Gefahr, dass genetische Variabilität verloren geht und sich Luchse aufgrund schadhafter Gene nicht mehr an Umweltveränderungen anpassen können. Mit Hilfe einer Computersimulation untersucht Joe Premier, wie groß diese Risiken für die Böhmerwaldpopulation sind. Dafür entwickelt er ein Softwareprogramm, das das Leben jedes Luchses simuliert, und mit dem untersucht werden kann, welche Maßnahmen ein dauerhaftes Überleben gewährleisten.

Kostadin Georgiev, Bulgarien
geboren am 11. Dezember 1984 in Lom
Doktorand an der Universität Würzburg
Studium der Biologie, Ökologie und Umweltschutz an der St.-Kliment-Ohridski-Universität Sofia (BGR)

Kostadin Georgiev befasst sich mit natürlichen Waldstörungen und deren Auswirkungen auf die Biodiversität. Seine Doktorarbeit ist Teil einer Studie infolge des Windwurfs „Kyrill“ 2007 im Falkenstein-Gebiet und untersucht die Folgen von Windwurf-Räumungen auf Organismen, die sowohl an Totholz gebunden als auch davon unabhängig sind. Ziel ist, das Management multifunktionaler Forstwirtschaft in Störungswäldern zu verbessern – was für eine intakte Waldbiodiversität angesichts des kontinuierlich wechselnden Klimas mit Zunahme natürlicher Waldstörungen immer bedeutsamer wird.

Suzanne van Beeck Calkoen, Niederlande
geboren am 16. September 1992 in Eindhoven
Doktorandin an der Universität Freiburg
Studium Wald- und Naturschutz an der Universität Wageningen (NL)

Suzanne van Beeck Calkoen untersucht, welchen Einfluss starker Verbiss durch Huftiere auf die Waldentwicklung nimmt, wie sich der Einzug von Luchs und Wolf in Deutschland auf Huftiere und Waldökosysteme auswirkt – und welche Rolle der Mensch in diesem System spielt. Dazu untersucht die Doktorandin zunächst, ob schon die alleinige Anwesenheit von Luchs und Wolf die Nahrungsauswahl und das Sicherheitsgefühl von Reh- und Rotwild beeinflusst – um im Anschluss zu testen, wie Beutegreifer und Mensch zusammen auf das Verhalten von Reh und Hirsch einwirken.

Franz Krah, Deutschland
geboren am 18. Januar 1987 in Regensburg
Doktorand an der Technischen Universität München
Studium der Biologie, Forstwissenschaften und Ressourcen Management (TU) sowie Philosophie an der LMU München

In seiner Doktorarbeit widmet sich Franz Krah der Ökologie und Evolution holzbewohnender Pilze. Sie sind wichtig für Waldökosysteme, da sie den Abbau von Totholz verantworten und für den Kohlenstoff- und Nährstoffkreislauf unverzichtbar sind. Um zu verstehen, welche Mechanismen die Pilzdiversität beeinflussen, nutzt Franz Krah ein Totholz-Experiment im Nationalpark Bayerischer Wald. Es zeigt auf, wie die Baumart die Pilzdiversität auf Totholz beeinflusst – und wie eine breite Vielfalt an Baumarten Totholzpilze erhält.

Haidi Jamal Abdullah, Irak
geboren am 5. Januar 1985 in Sulaymaniyah
Doktorand an der Universität Twente (NL)
Studium der Geographie an der Salahaddin Universität in Erbil (IRQ) und an der Universität Leicester (GB)

Der Nationalpark Bayerischer Wald hat es Haidi Abdullah in mehrerlei Hinsicht angetan: Er sei ein magischer Ort – und berge als Wald hohen ökologischen und ökonomischen Wert. In seiner Doktorarbeit widmet sich Haidi Abdullah deshalb dem Borkenkäfer. Mittels Fernerkundungsdaten, die via Feldvermessung, in der Luft oder über Satellit gesammelt werden, sollen die Schäden durch Borkenkäferbefall künftig schon im sehr frühen Stadium erkannt werden – was betroffenen Gebieten dabei helfen könnte, das Risiko potenzieller Schäden zu minimieren.

 

Hinweis: Dieser Bericht stammt aus dem Nationalparkmagazin Unser Wilder Wald. Die komplette Ausgabe kann HIER als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

 

Text: Alexandra von Poschinger

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