Forschungsprojekt

Wildschwein-Restriktionsgebiete - Entscheidungsgrundlagen für das Festlegen von Restriktionsgebieten: Bewegungsökologie von Wildschweinen in Abhängigkeit von Umweltfaktoren

Motivation:

Wildschweine sind intelligente und anpassungsfähige Tiere. Begünstigt durch landwirtschaftliche und klimatische Veränderungen konnte die Art seit dem zweiten Weltkrieg einen deutlichen Anstieg in ihrer Populationsgröße und ihrem Verbreitungsgebiet verzeichnen. So kommt es auch vermehrt zu Konflikten aufgrund von Schäden an Agrarflächen und Gärten. Eine völlig neue Problematik kommt durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) hinzu, die im letzten Jahr zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen wurde. Die Viruserkrankung ist für Menschen und andere Tiere nicht ansteckend, aber für Schweine endet sie in über 95 % der Fälle tödlich. Die Übertragung erfolgt in Europa im direkten Kontakt zwischen Schweinen, aber auch über das Fleisch von infizierten Tieren und Gegenständen die mit ihnen in Kontakt waren. Die Verhinderung der Infektion von Hausschweinen, die immense wirtschaftliche Folgen haben kann, ist daher eine hohe Priorität, aber auch eine große Herausforderung, weil wenig über entscheidende Faktoren des Wildschweinverhaltens bekannt ist. Dies erschwert unter anderem die Einrichtung von Restriktionszonen, welche mit Einschränkungen für Landwirte, Jäger und die Allgemeinheit verbunden sind, die die Ausbreitung verhindern sollen.


Projektziele:

Ziel des Projektes ist es, mehr über das Bewegungsverhalten von Wildschweinen und die Einflüsse von Umweltfaktoren und menschlichen Aktivitäten herauszufinden, um mögliche Verbreitungswege der ASP besser einschätzen und Gegenmaßnahmen gezielter einleiten zu können. Die Streifgebietsgrößen der Tiere stellen eine wichtige Information für die Festlegung der Größe von Restriktionszonen dar, die im Idealfall genau so groß sein sollten dass die innerhalb lebenden Wildschweine sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verlassen. Untersucht werden soll auch, ob Wildschweine saisonale Wanderungen durchführen, die zur Verbreitung der Seuche beitragen könnten. Außerdem kann die Frage geklärt werden, wie sehr Wildschweine menschliche Strukturen, die zur Übertragung der ASP beitragen (Rastplätze, Ställe), aufsuchen und wie stark die Jagd und touristische Aktivitäten möglicherweise zu einer Vergrößerung ihres Bewegungsradius beitragen. Darüber hinaus lassen sich im Falle der Infektion eines besenderten Tieres Änderungen im Bewegungsverhalten verfolgen. Außerdem werden Methoden entwickelt, um mit Hilfe von Fotofallen die Populationsdichte der Wildschweine abschätzen zu können.

Untersuchungsdesign:

Im Nationalpark werden 20 Wildschweine mit GPS-Halsbändern ausgestattet, um die Bewegungsmuster der Tiere im Bayerischen Wald verfolgen zu können. Während eine solche Studie bisher aus einem Mittelgebirge noch fehlte, können Datensätze aus ganz Europa mit Hilfe eines internationalen Verbundes für Wildschweinforschung (EUROBOAR) mit einbezogen werden, um auch andere Landschaftstypen abzubilden. Fotofallendaten aus bereits abgeschlossenen und aktuell laufenden Projekten ermöglichen die Erprobung von Methoden zur Populationsdichteschätzung.

Finanzierung:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Ansprechpartner:

Maik Henrich
Doktorand
Maik.Henrich@npv-bw.bayern.de

Elodie Wilgus
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Prof. Dr. Marco Heurich
Sachgebietsleiter
Marco.Heurich@npv-bw.bayern.de

Kooperationspartner:

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