Aufbau eines grenzüberschreitenden sozio-ökonomischen Monitoringsystems in den Nationalparks Šumava und Bayerischer Wald

Motivation:

Die steigende Erholungsnutzung und die daraus resultierenden Konflikte sowohl zwischen verschiedenen Nutzergruppen als auch mit Belangen des Naturschutzes stellen heutzutage eine der zentralen Herausforderungen des Managements von Großschutzgebieten dar. Nur durch verlässliche Daten über die Quantität und die qualitativen Eigenschaften von Besuchern kann ein Management durchgeführt werden, das den Besuchern das erwartete Naturerlebnis ermöglicht und den Schutzzielen der Nationalparks Rechnung trägt. Daten über das raumzeitliche Verhalten, die soziodemographische Struktur, aber auch über die Wünsche, Erwartungen und die Vorbildung der Besucher stellen eine wichtige Grundlage für eine nachhaltige Umweltbildungs- und Besucherinformationsarbeit dar. Aufgrund der Sprachbarrieren und der Wegeverbindungen zwischen den Nationalparks Šumava und Bayerischer Wald kann nur durch ein gemeinsames, grenzüberschreitendes sozio-ökonomisches Monitoring (SÖM) eine fundierte Datengrundlage für gute Managemententscheidungen erarbeitet werden.

Projektziele:

Das übergeordnete Projektziel sind neue, grenzüberschreitende Erkenntnisse über die Besucher der Nationalparks, aber auch über die Sichtweise der regionalen Bevölkerung auf die Schutzgebiete und deren Arbeit. Repräsentative Daten zu Anzahl, ausgeübten Aktivitäten oder Besuchsgründen dienen einerseits dazu das bisherige Besuchermanagement in den Nationalparks zu überprüfen, andererseits kann auf Basis neuer Erkenntnisse besser auf die Bedürfnisse der Besucher eingegangen und so die Besucherlenkung verbessert werden. Durch den grenzüberschreitenden Ansatz des Projektes sollen erstmals Erkenntnisse über die Besucher aus dem jeweiligen Nachbarland erlangt werden, die zu einem abgestimmten, grenzüberschreitenden Besuchermanagement beitragen. Zudem sollen Konflikte zwischen Erholungsnutzung und Naturschutzzielen identifiziert und entschärft werden. Der dauerhafte Monitoring-Ansatz soll es zudem ermöglichen, Nutzungstrends frühzeitig zu erkennen um darauf reagieren zu können.

Untersuchungsdesign:

Face-to-face-Befragung von Besuchern des Nationalpaks Bayerischer Wald
Face-to-face-Befragung von Besuchern des Nationalpaks Bayerischer Wald

Zunächst wird die im Nationalpark Bayerischer Wald erprobte Methodik der grundlegenden Besuchererhebung – eine Kombination aus automatisierten und manuellen Zählungen sowie hochstandardisierten Face-to-face-Befragungen – auf die Gebietskulisse des Nationalparks Šumava übertragen. Weiterhin werden insgesamt fünf thematische Erhebungsmodule entwickelt. Diese befassen sich mit den Themen Besucherinformation, grenzüberschreitende Erholungsnutzung, Nationalparkwahrnehmung, Nationalparkerlebnis und Wertschöpfung durch Besucher. Dabei kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Die wichtigste Vorgehensweise stellen standardisierte Face-to-Face-Befragungen zu Besucherinformation, Nationalparkwahrnehmung und Ausgabeverhalten von Besuchern im Gelände dar. Zählungen im Gelände finden durch automatisierte Zählgeräte statt, die Besucherzahlen mittels Wärmesensoren erfassen. Weiterhin werden Besucheranliegen an den Infotheken der Nationalparkeinrichtungen und der Tourist-Informationen der Region gesammelt und ausgewertet. Schließlich sollen auch Online-Medien und Social-Media-Kanäle daraufhin analysiert werden, wie dort über die Nationalparks und dortige Erlebnisse diskutiert und berichtet wird.

Ziel ist es, alle fünf thematischen Erhebungen innerhalb der Projektlaufzeit durchzuführen. Nach Ende der Projektlaufzeit soll jeweils ein Modul pro Jahr in geringerem Umfang durch Eigenmittel der Nationalparkverwaltungen durchgeführt werden. Daraus ergibt sich eine Wiederholung jeder Erhebung im Fünf-Jahres-Turnus, woraus Trends abgeleitet werden können.

Finanzierung:

  • INTERREG V Prioritätsachse 2

Ansprechpartner:

Florian Porst
Projektkoordinator
Florian.Porst@npv-bw.bayern.de

Kooperationspartner:

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