Silva Gabreta Monitoring – Realisierung eines grenzübergreifenden Monitorings von Biodiversität und Wasserhaushalt

Motivation:

Um die rasante Veränderung globaler Biodiversität zu verstehen, ist es erforderlich, den gegenwärtigen Zustand von Ökosystemen zu analysieren und die Zusammenhänge zwischen Arten und deren Umwelt aufzulösen. Mit dem Projekt soll ein Langzeit-Monitoring zur Beobachtung und Untersuchung der Biodiversität und des Klimas angelegt werden. Der Nationalpark Bayerischer Wald ist neben dem Höhengradient von rund 800 Metern durch einen starken Waldstrukturgradienten geprägt. Dieser resultiert aus Restvorkommen sehr alter Bestände sowie dem Wirken des Borkenkäfers seit circa zwei Jahrzehnten und einem dadurch verbundenen zum Teil sehr hohen Totholzvorrat. Die Gradienten umfassen eine breite Spanne von abiotischen Faktoren und Bestandsstrukturen und machen den Nationalpark zu einem gut geeigneten Untersuchungsgebiet für die Biodiversitätsforschung.


Projektziele:

Das geplante Projekt bietet erstmals die Möglichkeit, ein gemeinsam angelegtes Biodiversitäts-Monitoring grenzübergreifend umzusetzen und legt damit den Grundstein für ein langfristiges, einheitliches Monitoring-Programm der beiden als Transboundary Parks zertifizierten Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava. Das Projekt setzt sich zum Ziel, die Infrastruktur für ein grenzübergreifendes Monitoring-Netzwerk einzurichten und erstmals die Biodiversität von Wäldern, Mooren und Gewässern in den beiden Nationalparks mit einheitlichen, standardisierten modernen Methoden grenzübergreifend zu erfassen. Des Weiteren ermöglicht das Projekt den intensivierten naturschutzfachlichen und wissenschaftlichen Austausch und eine gemeinsame Auswertung der Daten der gemeinsam erstellten Biodiversitäts-Datenbank. Die Nationalparks beabsichtigen, aus den gewonnenen Erkenntnissen, Empfehlungen für ein grenzübergreifendes Naturschutz-Management der beiden Großschutzgebiete auszuarbeiten und auf diesem Wege eine einheitliche natürliche Entwicklung des grenzübergreifenden Naturraums zu fördern.

Untersuchungsdesign:

Entlang des Höhen- und Strukturgradienten wurden die Artengemeinschaften der Wälder mit Hilfe von vier Untersuchungstransekten im Jahr 2006 und 2016 erfasst. Dabei wurden Gefäßpflanzen, Moose und Flechten sowie Pilze aufgenommen. Des Weiteren wurden verschiedene Insektengruppen, etwa Käfer, Wanzen oder Nachtfalter, sowie Spinnen, Schnecken, Vögel, Fledermäuse und größere Wirbeltiere erfasst. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Fallentypen eingesetzt: Bodenfallen, Flug-Fenster-Fallen und Malaise-Fallen. Bodenfallen, die besonders geeignet für die Erfassung von Käfern, Spinnen und Schnecken sind, und Flug-Fenster-Fallen, die besonders gut zur Erfassung von Fliegen und Wespen geeignet sind, wurden auf allen 157 Untersuchungsflächen aufgestellt. Auf 52 der 157 Plots wurden zudem Malaise-Fallen aufgestellt, mit denen viele verschiedene Insektengruppen erfasst werden können.

Entlang der Gewässerhauptarme werden die Artengemeinschaften von Bergbächen in den Jahren 2016 und 2018 erfasst. Hierzu wurden insgesamt 53 Probestellen von 700 bis 1100 Meter Höhe eingerichtet. Neben Fauna und Flora werden hier die Temperaturen kontinuierlich mit Hilfe von Datenloggern aufgenommen.

Des Weiteren wurden naturnahe sowie renaturierte Moore ausgewählt, um auf unterschiedlichen Höhenstufen den Einfluss des Klimawandels auf den Wasserhaushalt zu untersuchen. Auf den neun Standorten werden die Pegelstände, die Hydrochemie und die Moor-Vegetation erfasst.

Finanzierung:

Interreg V Ziel 3 – EU Mittel

Ansprechpartner:

Dr. Linda Seifert
Projektkoordinatorin
Linda.Seifert@npv-bw.bayern.de

Kooperationspartner:

  • Nationalpark Šumava
  • Senckenberg Gesellschaft
  • Universität Masaryk
  • Universität Prag

Veröffentlichungen:

  • Bässler, C., Müller, J., 2010. Importance of natural disturbance for recovery of the rare polypore Antrodiella citrinella Niemelä & Ryvarden. Fungal Biology 114, 129-133.
  • Bässler, C., Müller, J., Dziock, F., Brandl, R., 2010b. Effects of resource availability and climate on the diversity of wood-decaying fungi. Journal of Ecology 98, 822-832.
  • Bässler, C., Förster, B., Moning, C., Müller, J., 2008. The BIOKLIM Project: Biodiversity research between climate change and wilding in a temperate montane forest – The conceptual framework. Waldökologie 7, 21-33.
  • Bässler, C., Seifert, L., Müller, M., 2015. The BIOKLIM Project in the National Park Bavarian Forest: Lessons from a biodiversity survey. Silva Gabreta 21, 81-93.
  • Müller, J., Reed, N., Bussler, H., Brandl, R., 2010a. Learning from a "benign neglect strategy" in a national park: Response of saproxylic beetles to dead wood accumulation. Biological Conservation 143, 2559-2569.

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