Monitoring und Management der seltenen Baumarten im Nationalpark Bayerischer Wald

Motivation:

Der Nationalpark Bayerischer Wald wird dominiert von Bergmischwäldern, Aufichtenwäldern und in den Hochlagen von Bergfichtenwäldern. Buche, Weiß-Tanne und Fichte sind dabei die prägenden Baumarten, welche den Inneren Bayerischen Wald weitestgehend beherrschen. Durch eine jahrhundertelang andauernde Waldbewirtschaftung wurde der Anteil der Fichte zusätzlich künstlich erhöht, andere Baumarten größtenteils verdrängt und Ihre schwindenden Populationen sich selbst überlassen. Aufgrund ihrer Giftigkeit und der Gefahr für Nutztiere, sowie wegen Ihrer hervorragenden Eigenschaften als Bogenholz wurde beispielsweise die Eibe im Mittelalter stark dezimiert und steht heute auf der Roten Liste. Die natürliche Sukzession kann unter Umständen Jahrhunderte dauern und selbst dann ist nicht sicher ob diesen Baumarten eine eigenständige Rückeroberung gelingt. Da der Nationalpark die besondere Verantwortung trägt zurückgedrängten Tier- und Pflanzenarten eine artgerechte Wiederansiedlung zu ermöglichen, hat sich die Nationalparkverwaltung dazu entschieden aktiv zu werden und das Projekt „seltene Baumarten“ initialisiert.


Projektziele:

Ziel ist es, die Baumarten Linde, Ulme, Eibe und Spitz-Ahorn zu inventarisieren, eine Karte mit der Verteilung zu erstellen und daraus den Zustand der jeweiligen Population abzuleiten. Auf Grundlage der gesammelten Daten werden dann Managementpläne für die Zukunft abgeleitet und umgesetzt. Mit Hilfe statistischer Methoden aber auch waldbaulicher Expertise können erwachsene Einzelbäume gefördert werden. Die jungen Eiben, im Fachjargon Verjüngung genannt, müssen ebenso geschützt und gefördert werden, da seltene Baumarten besonders schmackhaft für Wildtiere sind. Der Schutz dient besonders vor Verbiss durch Rothirsche und Rehe aber auch andere Tiere wie beispielsweise Feldhasen und verschiedene Mäusearten nutzen die Eibe als Futterquelle. Nur so kann auch ein langfristiger Erhalt von seltenen Baumarten sichergestellt werden. Da in der Naturzone des Parks nicht eingegriffen wird, beschränkt sich eine mögliche Förderung der Verjüngung sowie der Altbäume auf den Randbereich und die Entwicklungszonen.

Untersuchungsdesign:

Die Grundlage der Arbeit bildet eine umfassende Analyse des aktuellen Zustandes. Im Jahr 2007 wurden im gesamten Nationalparkgebiet die Lebensraumtypen laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie kartiert und dabei die groben Standorte von seltenen Baumarten erfasst. Basierend auf diesen Daten wurden sämtlichen Bäume aufgesucht, markiert und vermessen. Erhoben wurden Kenngrößen wie beispielsweise die Baumhöhe, der Ansatz der Krone und der Brusthöhendurchmesser, eine wichtige Kenngröße in der Forstwirtschaft, die die Stärke eines Baumes beschreibt. Untersucht wurden aber auch die Vitalität der erwachsenen Bäume, die soziologische Stellung innerhalb des Waldbestandes und Variablen des umliegenden Bestandes. Um die Beziehungen zwischen den Individuen einer Population herauszufinden wurden DNA-Proben gesammelt. Ebenso wurde die Verjüngung gezählt und Proben von jeder kleinen Pflanze gesammelt sowie die Wildverbiss-Situation eingeschätzt. Bei der Eibe wurde sogar eine eigene Verjüngungsinventur durchgeführt. Im letzten Schritt wurde die genaue Position mittels GPS ermittelt um den Baum im Gelände jederzeit wieder finden zu können. Somit können die Bäume in einem regelmäßigen Turnus aufgesucht und neu vermessen werden, um die Entwicklung zu überwachen und langfristig zu dokumentieren. Auf Basis dieser Daten kann dann der Zustand der jeweiligen Population genau beschrieben werden. Des Weiteren werden Habitat-Modelle erstellt, Karten mit der Verteilung generiert und Vorhersagen für geeignete Lebensräume getroffen, um aus den daraus resultierenden Ergebnissen Managementpläne abzuleiten. Die Umsetzungen dieser Pläne sind dann letztlich entscheidend, ob die seltenen Baumarten und damit die Vielfalt unter den größten und ältesten Bewohnern im Nationalpark erhalten bleibt.

Finanzierung:

Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

Ansprechpartner:

PD Dr. Marco Heurich
stellvertretender Sachgebietsleiter
Marco.Heurich@npv-bw.bayern.de

Kooperationspartner:

 


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