Optimierung von Naturschutzleistungen und der Erholungsnutzung in Großschutzgebieten zur Entscheidungsunterstützung für das Schutzgebietsmanagement

Motivation:

Nationalparks leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Biodiversität und sind gleichzeitig attraktive Ausflugsziele für einen naturorientierten Tourismus. Beide Ziele gehören entsprechend den Definitionen der International Union for Conservation of Nature (IUCN) zu den Hauptaufgaben eines Nationalparks. Allerdings kommt es vor, dass sich die Schutzziele und die Öffnung der Schutzgebiete für Gäste schwierig in Einklang bringen lassen. Deshalb ist es eine große Herausforderung für das Schutzgebietsmanagement, den Besucherverkehr und andere menschliche Störungen so zu steuern, dass beide Ziele erreicht werden können, ohne das jeweilig andere wesentlich zu beeinträchtigen. Es gibt zwar Forschungsarbeiten, die sich grundsätzlich mit der Auswirkung von Störungen auf Wildtiere beschäftigen, allerdings werden die Entscheidungen über Erschließungsprojekte in den Schutzgebietsverwaltungen bislang oft aus dem Bauch heraus getroffen, da konkrete Handlungsanweisungen fehlen.

Projektziele:

Deshalb soll in diesem Projekt im ersten Schritt untersucht werden, welche Veränderungen menschliche Störungen durch Tourismus, Wildtierregulierung und Waldmanagement beim Verhalten von Wildtieren zur Folge haben. Dabei werden verschiedene Tierarten einbezogen, vom vermeintlich störungsunempfindlichen Reh bis zum sehr sensibel reagierenden Auerhuhn. Als Projektergebnis wird ein Toolkit erarbeitet, dass die Manager von Schutzgebieten bei der Optimierung ihrer Erholungsplanung und des Parkmanagements unterstützt. Das sind konkret Informationen zu Belastungsobergrenzen für anthropogene Störungen und die Planung von Ruhezonen in Raum und Zeit, aber auch Werkzeuge zur Optimierung der Besucherlenkung.

Untersuchungsdesign:

Für die Analysen kann auf eine einzigartige Datengrundlage aus dem Nationalpark Bayerischer Wald und dem Schweizerischen Nationalpark zurückgegriffen werden, die sowohl Informationen zum Vorkommen sowie dem Bewegungs- und Aktivitätsverhalten von Wildtieren als auch von Nationalparkbesuchern und -mitarbeitern umfasst. Durch die Einbeziehung der beiden Schutzgebiete können sowohl Aussagen für alpine als auch für bewaldete Schutzgebiete der Mittelgebirge getroffen werden. Durch Anwendung von modernen Methoden aus der Bewegungsökologie und der statistischen Modellierungen sollen mögliche Schwellenwerte der jeweiligen Störquellen abgeleitet und ein Verständnis der Prozesse erzielt werden. Auf Basis dieser Ergebnisse sollen im zweiten Schritt gezielte Erhebungen im Gelände durchgeführt werden, um Daten zum Einfluss von Besucherströmen auf die Abundanz und die Stressbelastung von Wildtieren zu sammeln. Im dritten Schritt soll auf Basis dieser Ergebnisse mit mathematischen Optimierungsverfahren aus dem Bereich der Managementwissenschaften und des Operations Research versucht werden, die vielfältigen Ziele miteinander in Einklang zu bringen und an konkreten Planungsbeispielen zu erproben.

Finanzierung:

  • Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Ansprechpartner:

PD Dr. Marco Heurich
stellvertretender Sachgebietsleiter
Marco.Heurich@npv-bw.bayern.de

Kooperationspartner:


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