Forschungsprojekt

Risikoabschätzung für Wildtiere durch den invasiven Parasiten Großer Amerikanischer Leberegel

Motivation:

Globalisierung sowie Veränderung von Lebensräumen und Klima begünstigen die Verbreitung von Wildtierkrankheiten. Dies birgt nicht nur ein Risiko für Wildpopulationen, sondern bringt auch Veränderung der Ökosysteme mit teils wirtschaftlichen Auswirkungen mit sich.

Der Große Amerikanische Leberegel ist ein bis zu 10 Zentimeter großer Saugwurm, welcher vor allem Hirsche befällt. Ursprünglich stammt er aus Nordamerika. In Europa wurde er eingeschleppt. Infektionen treten in Europa hauptsächlich beim Rotwild auf. Diese kann Schwächung oder den Tod des Wirts zu Folge haben. Bei Infektionen von Fehlwirten, zum Beispiel Reh oder Hauswiederkäuer wie Rind oder Schaf, kann bereits ein geringer Befall mit dem Tod enden. 2019 wurde der Parasit zum ersten Mal auf bayerischer Seite des Böhmerwalds festgestellt.

Die vom Parasit in der Leber produzierten Eier gelangen durch den Kot in die Umwelt. Dort befallen die neu geschlüpften Larven im Wasser lebende Schnecken, welche als Zwischenwirt dienen. Nachdem die Larven ihren Zwischenwirt verlassen haben, werden sie vom Rotwild mit der Nahrung aufgenommen.

Die Rolle von Rotwild-Wintergattern auf das Infektionsgeschehen ist bislang unbekannt. Da dort Rotwild auf kleiner Fläche zu finden ist, könnte dort das Infektionsrisiko besonders hoch sein.

Projektziele:

Ziel des Projektes ist es, Zusammenhänge zwischen der Verteilung der Wirts- und Parasitenpopulation sowie dem Lebensraum unter Berücksichtigung der Verbreitungshotspots zu untersuchen. So können wichtige Informationen zur Wirt-Parasit-Lebensraum-Interaktion gewonnen werden. Durch das Testen verschiedener Managementszenarien können Empfehlungen zur Eindämmung des Infektionsrisikos gegeben werden, welche auch durch Schulungen und Seminare an Akteure vor Ort weitergegeben werden sollen. Zusätzlich werden Onlinetools geschaffen, um über die Projektdauer hinaus das langfristige Sichern und Aufzeichnen von Infektionsfällen zu ermöglichen.

Untersuchungsdesign:

Das Projekt gliedert sich in drei Module:

  1. Erfassung der räumlichen Verteilung der Wirtstierarten. Die Verbreitung von Zwischenwirten (aquatischen Schnecken) sowie dem Endwirt (Rotwild) wird untersucht und kartiert.
  2. Erfassung der Befallsraten von Wirtstierpopulationen mit dem Großen Amerikanischen Leberegel und Untersuchung der Auswirkungen der Leberegelinfektion auf die Wirtstiere. Durch Analyse von Lebern sowie Kotproben vom Rotwild wird die Verbreitung des Parasiten erfasst. Des Weiteren werden Parameter erhoben, um die Auswirkung des Parasiten auf die Gesundheit seines Wirts zu untersuchen.
  3. Erprobung möglicher Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsrisikos und Erfassung/Ausgleich der forstwirtschaftlich relevanten Auswirkungen dieser Maßnahmen. Verschiedene Szenarien des Wintergattermanagements werden getestet und ihr Effekt auf den Wald, sowie das Verhalten des Rotwildes, festgestellt.

Finanzierung:

  • Interreg V Ziel 3 – EU Mittel
  • Bayrische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
  • Nationalparkverwaltung Bayrischer Wald
  • Nationalparkverwaltung Šumava

Ansprechpartner:

Marc Velling
Projektmitarbeiter
marc.velling@npv-bw.bayern.de

Prof. Dr. Marco Heurich
Sachgebietsleiter
Marco.Heurich@npv-bw.bayern.de

Kooperationspartner:

Bilderslider

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