Forschungsprojekt

Afrikanische Schweinepest - Wildwissenschaftliche Untersuchung zur Rolle von Wildschweinkadavern im Rahmen von ASP-Ausbruchsgeschehen

Motivation:

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Viruserkrankung, welche Haus- und Wildschweine betrifft und mit einer hohen Letalität verläuft. Seit 2014 verbreitet sie sich von Osteuropa kommend nach Westen aus und wurde erstmal mit dem Fund eines toten Wildschweins im September 2020 in Deutschland nachgewiesen. Mit Ausnahmen der Tschechischen Republik und Belgien ist es in der rezenten Epidemie bislang keinem Land gelungen, die ASP in der Wildschweinpopulation erfolgreich zu bekämpfen. Grund hierfür ist, dass zur Epidemiologie der ASP beim Wildschwein wichtige Fragen nicht geklärt sind, so dass für die Ableitung von Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen grundlegende Voraussetzungen fehlen. So ist beispielsweise der Zersetzungsprozess von Wildschweinkadavern bislang kaum untersucht worden, sodass die zuverlässige Bestimmung des Todeszeitpunkts von Wildschweinen anhand von Merkmalen des Kadavers und seiner Zersetzung bislang nicht möglich war. Ungewissheit besteht auch, welche Methoden effektiv für die Auffindung der Kadaver eingesetzt werden können. Zudem besteht Unklarheit darüber, welche Rolle die den Kadaver überdauernde „Zersetzungsinsel“ (Cadaver Decomposition Island = CDI) für die Epidemiologie der ASP spielt und ob zusätzlich zur Kadaverentsorgung weitere Maßnahmen am Fundort (z. B. Desinfektion) erforderlich sind. Dies ist vor dem Hintergrund der außerordentlich hohen Stabilität des ASP-Virus (ASPV) in Blut, Gewebe und vermutlich auch in der Umwelt besonders kritisch.

 

 

Projektziele:

Das grundsätzliche Ziel des Vorhabens ist ein besseres Verständnis zur Rolle von Wildschweinkadavern im Rahmen von ASP-Ausbruchsgeschehen und, damit einhergehend, die Beantwortung von offenen Fragen zu den Übertragungsmechanismen der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen, die epidemiologisch und für die Optimierung der Tierseuchenbekämpfung von zentraler Bedeutung sind. Im Nationalpark Bayerischer Wald soll der Zersetzungsverlauf von bis zu 90 Wildschweinkadavern unterschiedlicher Masse und unter unterschiedlichen Umweltbedingungen (Vegetationsdichte, Temperatur, Bodenfeuchte) innerhalb eines Jahres erhoben und verglichen werden. Die Schwarzwildkadaver werden dabei sowohl nekrophilen und/oder nekrophagen Insekten als auch vertebraten Aasfressern ausgesetzt sein. Die Ergebnisse sollen aufgrund des aktuellen Seuchenverlaufs in Europa zu zeitnahen Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen beitragen.

Fragestellung:

Im Rahmen des Forschungsprojekts zur ASP sollen die folgenden Fragestellungen bearbeitet werden:

1: Charakterisierung des Bodenmilieus als potentielles Reservoir für das ASPV
Welche Rolle spielt die Umgebung eines Wildschweinkadavers (Cadaver Decomposition Island) als Reservoir für das Virus? Im Rahmen dieser Fragestellung werden Bodenproben unter den Kadavern zur Bestimmung des Mikrobioms (Bakterien und Pilze), zur DNA-Extraktion, zur Analyse der Bodenchemie genommen, sowie pH-Messungen durchgeführt.

2: Nutzung von Wildschweinkadavern durch vertebrate Aasfresser und deren epidemiologische Rolle als Vektoren für die ASPV-Verbreitung im Habitat
Für das Monitoring zum Verhalten von Aasfressern an Kadavern werden Kamerafallen verwendet und Radiotransmitter in Körperteile implantiert, um bei möglicher Verschleppung eine Bestimmung der Distanz zu ermöglichen. Wir möchten herausfinden, in welchem Rahmen vertebrate Aasfresser als mechanische Faktoren bei der Verbreitung der Tierseuche eine Rolle spielen.

3: Altersbestimmung von Wildschweinkadavern zur Abschätzung des Eintragszeitpunkts der Tierseuche sowie der Ausdehnung des Verbreitungsgebietes
Wie kann der Todeszeitpunkt eines tot aufgefundenen Wildscheins bestimmt werden? Im Hinblick dieser Fragestellung erfolgt eine Dokumentation der makroskopisch sichtbaren Zersetzungszustände sowie die Bestimmung der jeweiligen Stadien der Zersetzung. Des Weiteren werden mit Wildschweinkadavern assoziierten nekrophagen Insekten und deren Vorkommen während den jeweiligen Zersetzungsstadien bestimmt.

4: Wärmebildtechnik zum zeitnahen Auffinden von Wildschweinkadavern
Mit dem Einsatz von drohnengestützter Wärmebildtechnik möchten wir herausfinden, wie Wildschweinkadaver mit unterschiedlichen Liegezeiten mit Einbeziehung unterschiedlicher Habitatbedingungen aufgefunden werden können. Es wird untersucht, wie sich Lufttemperatur, Vegetationsdichte und Temperaturverlauf des Kadavers während der Zersetzung auf die Erkennungsrate auswirken.

Finanzierung:

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Ansprechpartner:

Janine Rietz
wissenschaftliche Mitarbeiterin
Janine.Rietz@npv-bw.bayern.de

Dr. Tomas Lackner
wissenschaftlicher Mitarbeiter
Tomas.Lackner@npv-bw.bayern.de

Dr. Christian von Hoermann
wissenschaftlicher Mitarbeiter
Christian.vonHoerman@npv-bw.bayern.de

Prof. Dr. Jörg Müller
Professor Universität Würzburg
Joerg.Mueller@uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Marco Heurich
Sachgebietsleiter
Marco.Heurich@npv-bw.bayern.de


Kooperationspartner:

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