Die 1980er Jahre im Nationalpark

Rückblick auf die wichtigsten Meilenstein von 1980 bis 1989

Eintrag Nr. 45/2020
Datum: 20.05.2020


19. September 1980 - Besichtigung Informationszentrum in Neuschönau.Foto: Archiv
19. September 1980 - Besichtigung Informationszentrum in Neuschönau.Foto: Archiv

1. August 1983 - Gewittersturm. Foto: Rainer Pöhlmann
1. August 1983 - Gewittersturm. Foto: Rainer Pöhlmann

10. Juli 1986 - Eröffnung des Waldgeschichtlichen Museums. Foto: Archiv
10. Juli 1986 - Eröffnung des Waldgeschichtlichen Museums. Foto: Archiv

1. September 1989 - Ordnungsdienst wird in Nationalparkwacht umbenannt. Foto: Bruno Mooser
1. September 1989 - Ordnungsdienst wird in Nationalparkwacht umbenannt. Foto: Bruno Mooser

Egon Binder. Foto: privat
Egon Binder. Foto: privat

Grafenau. Der Nationalpark Bayerischer Wald wird heuer 50 Jahre alt. Aus diesem Anlass blicken wir auf die wichtigsten Meilensteine der Nationalpark-Entwicklung zurück. Im zweiten Teil unserer Kurz-Chronik schauen wir zurück auf die 1980er Jahre.

19. September 1980: Der Nationalpark Bayerischer Wald feiert seinen zehnten Geburtstag. Auf dem Programm steht neben einem Festakt auch die Besichtigung der Baustelle des Informationszentrums in Neuschönau. Staatsminister Dr. Hans Eisenmann erklärt den Mitgliedern des Landwirtschaftsausschusses, welche Hürden genommen werden mussten, bevor das Millionenprojekt in Angriff genommen werden konnte. Im Juni 1982 wird das Informationszentrum letztendlich feierlich eröffnet. 

30. September 1982: Ministerpräsident Franz Josef Strauß legt den Grundstein für das Waldgeschichtliche Museum in St. Oswald.

1. August 1983: Ein gewaltiger Gewittersturm reist auf 90 Hektar Fläche rund 30 000 Festmeter Holz zu Boden. Minister Dr. Hans Eisenmann entscheidet, nicht mehr in die natürliche Entwicklung einzugreifen und im Kerngebiet, das mittlerweile etwa 6500 Hektar groß ist, Windwürfe generell liegen zu lassen. Entstehen soll ein „Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder“. Damit war der Weg frei für ein neues Naturschutzziel in Deutschland: Schutz der natürlich ablaufenden Prozesse in Ökosystemen.

1984: Ein Gewittersturm reißt im Ostteil bei Finsterau erneut mehrere tausend Fichten zu Boden.

1986: Die Massenvermehrung des Borkenkäfers beginnt im Lusen-Rachel-Bereich.

10. Juli 1986: Staatsminister Dr. Hans Eisenmann eröffnet das Waldgeschichtliche Museum in St. Oswald, beim Festakt dabei waren auch Ministerpräsident Franz Josef Strauß (v. l.), Bürgermeister Georg Schmutzer und der geschäftsleitende Beamte Ludwig Schober. Schon vor der Gründung wird dem Museum ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben: Es sollte die Natur-, Nutzungs- und Kulturgeschichte der Region des Bayerischen Waldes und Böhmerwaldes möglichst umfassend darstellen. Das Museum ist als Pendant zum Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau gedacht, dass den Nationalpark zum Thema hat.

1986: Der Messturm in der Schachtenau wird von der Ludwigs-Maximilians-Universität gebaut.

24. Oktober 1986: Der Nationalpark bekommt vom Europarat das Europäische Diplom für geschützte Gebiete verliehen.

1988: Die Planungen für das Igelbus-Konzept beginnen. 1996 gehen sie in Betrieb.

1988: Das Informationszentrum in Neuschönau wird nach dem Tod des ehemaligen Staatsministers in Hans-Eisenmann-Haus umbenannt.

1. September 1989: Der „Ordnungsdienst“ des Nationalparks wird in Nationalparkwacht umbenannt. Zu dieser Wortschöpfung kommt es, weil man der Meinung war, die englischsprachige Bezeichnung „Ranger-Service“ passe nicht zu einem Bayerischen Nationalpark, zumal man mit Wasserwacht und Bergwacht gute Erfahrungen gemacht hatte. Großen Raum der Rangertätigkeiten nimmt in den 80er und 90er Jahren die Überwachung der Einhaltung des Wegegebotes in sensiblen Lebensräumen ein.

 

ZEITZEUGE
„Die achtziger Jahre waren die turbulentesten in der bisherigen Nationalpark-Geschichte. Denn die Massenvermehrung des Borkenkäfers nach dem großen Gewittersturm im Jahre 1983 machten dem Versprechen und dem Traum, dass zwischen Rachel und Lusen einmal ein Urwald mit Baumriesen entstehen würde, ein jähes Ende. Das große Waldsterben und damit der Verlust eines mächtigen Panoramas ihrer geliebten Heimat forderten die Waldler zu bislang von ihnen nie erlebten Proteststürmen heraus, ließen sie zu Nationalpark-Gegnern werden, weil Politik und Forstadministration keine Gegenmaßnahmen ergriffen und dem Nationalpark-Zielen treu blieben. Der alte Wald starb, aber neues Leben entstand. Der tote Wald half sich schließlich selbst und entwickelte sich – für alle sichtbar – zu einer noch schöneren Landschaft, ließ eine Vision Wirklichkeit werden.“ Egon Binder, damaliger Redaktionsleiter des Grafenauer Anzeigers

 

Diese Serie wird fortgesetzt. Bereits jetzt finden Sie auf der Homepage-Unterseite "Geschichte des Nationalparks Bayerischer Wald" weitere Infos zur Historie des Schutzgebiets.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug des Jubiläumsmagazins "50 Jahre Nationalpark".

 

nach oben nach oben