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Traumjob im Wald

Neu im Revier: Försterin Silvia Pflug leitet die Nationalparkdienststelle Bayerisch Eisenstein - und outet sich als überzeugtes "Landei"

Eintrag Nr. 72/2020
Datum:


Fühlt sich in ihrer Mannschaft wohl: Försterin Silvia Pflug. (Foto: Daniela Blöchinger / Nationalpark Bayerischer Wald)
Fühlt sich in ihrer Mannschaft wohl: Försterin Silvia Pflug. (Foto: Daniela Blöchinger / Nationalpark Bayerischer Wald)

Bayerisch Eisenstein. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühle sie sich angekommen, sagt Silvia Pflug. Was an der Idylle  Buchenaus liegen mag, wo die 42-Jährige im Herbst vergangenen Jahres ihre Zelte aufgeschlagen hat. „Zuallererst ist es aber der Job, der mir unglaublich viel Freude bereitet.“ Und den sie nie wieder hergeben mag: Silvia Pflug verantwortet die Nationalparkdienststelle Bayerisch Eisenstein – und stellt damit die erste leitende Försterin in der 50-jährigen Geschichte des Parks.

Im Revier ihre Frau zu stehen, bereitet Silvia Pflug keinerlei Problem, ganz im Gegenteil: „Frauen pflegen einen anderen Führungsstil als Männer“, vermutet sie und zielt auf die eher weibliche Eigenschaft ab, auch mal Ratschläge von erfahrenen Kollegen annehmen zu können: „Ich breche mir keinen Zacken aus der Krone, vor schwierigen  Holzfällerarbeiten Lösungsansätze gemeinsam zu diskutieren.“ Nur so könne man die Stärke der gesamten Mannschaft nutzen. Ohnehin ist Silvia Pflug eine Teamplayerin und als alleinerziehende Mutter ihres dreijährigen Sohnes Leo auch im Privatleben auf ein gut funktionierendes Netzwerk angewiesen.

Ganz andere Konzepte als in einem Wirtschaftswald

Das beginnt die quirlige Försterin hier in der Region gerade aufzubauen. Fünfeinhalb Jahre lang hatte sie ein Privatwaldrevier im Schwarzwald geleitet, bevor der Nationalpark sie im Oktober 2019 in den Bayerischen Wald lockte. Dass die Arbeit in einem Schutzwald ganz andere Konzepte erfordert als in einem Wirtschaftswald, kommt Silvia Pflug sehr gelegen: „Der Naturschutz hat schon den Ausschlag für mein Studium am ‚Grünen Campus‘ in Weihenstephan gegeben“, erzählt die Försterin. Zwar sei sie im Dienstbezirk Bayerisch Eisenstein und damit im Erweiterungsgebiet des Nationalparks noch bis 2027 verpflichtet, zur Erhaltung des Hochlagenwaldes zwischen Rachel und Falkenstein sowie in der Entwicklungszone käferbefallene Bäume zu entnehmen – auf lange Sicht jedoch erleben zu dürfen, wie sich ein ehemaliger Forst aufgrund des Schutzgebiets-Mottos „Natur Natur sein lassen“ ganz von selbst verjüngt und zu einer wunderbar wilden Waldfläche entfaltet, sei europaweit einzigartig und ein „großes Geschenk“.

Außerdem: „Ich mag die Geradlinigkeit und ehrliche Freundlichkeit der Waidler“, gesteht Pflug, kämen sie ihrem Oberpfälzer Naturell doch sehr nahe. Aufgewachsen in einem Dorf bei Oberviechtach mit Pferden, Ziegen, Hunden, Katzen und Hühnern braucht die Naturliebhaberin das Landleben so zwingend wie die Luft zum Atmen. „Eine Stadt wär nix für mich“, lacht sie, „ich bin ein überzeugtes Landei“.

Im Wald der Kreativität freien Lauf lassen

Im Wald könne sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen – was der Försterin auch im Beruf gelegen kommt: „Die Natur ist kein starres System. Sie stellt mich häufig vor ungeplante Herausforderungen und verlangt mir rasche Lösungen ab.“ Schenke ihr im Gegenzug aber eine große Portion Zufriedenheit und Glück – wozu auch ihre Familie und jede Menge Freunde in der Oberpfälzer Heimat beitragen, die sie nun der geringen Entfernung wegen wieder häufig besuchen kommen. „Ich zeige ihnen dann die wilde Schönheit des Nationalparks Bayerischer Wald“, erzählt Silvia Pflug und gesteht, auch selbst noch lange nicht jeden Winkel des faszinierenden Schutzgebiets zu kennen.

Vom Böhmerwald ganz zu schweigen: „Leider hat Corona wochenlang die Grenzen dicht gemacht“, bedauert die Försterin, so dass sie den Nachbarnationalpark Šumava noch nicht einmal ansatzweise erkunden konnte. Er steht weit oben auf ihrer Agenda und ist ein Grund mehr, warum Silvia Pflug nicht mehr weg möchte aus der Gegend: „Weil es hier nicht nur megasympathische Leute, sondern in dem riesigen grenzübergreifenden Waldgebiet auch noch wahnsinnig viel zu lernen und zu entdecken gibt.“

 

Hinweis: Dieser Bericht stammt aus dem Nationalpark-Magazin "Unser wilder Wald" (Ausgabe: September 2020).

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