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Grenzenlose Waldwildnis: 1 + 1 = 1

Interview mit den beiden Nationalparkleitern Dr. Franz Leibl und Pavel Hubený

Eintrag Nr. 04/2020
Datum:


Die Leiter beider Nationalparke: Dr. Franz Leibl (links) und Pavel Hubený. Foto: Elke Ohland
Die Leiter beider Nationalparke: Dr. Franz Leibl (links) und Pavel Hubený. Foto: Elke Ohland

Grafenau/Vimperk. Die beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava arbeiten bestens zusammen – was nicht zuletzt an Pavel Hubený liegt. Er leitet Tschechiens größtes Schutzgebiet seit fünf Jahren und treibt gemeinsam mit seinem bayerischen Amtskollegen Dr. Franz Leibl das Hauptziel beider Parks voran: dass im Herzen Mitteleuropas zwei wilde Waldgebiete entstehen, die irgendwann nur noch eins sind.

Herr Hubený, Sie leiten Tschechiens größten Nationalpark seit mittlerweile fünf Jahren. Damit haben Sie die durchschnittliche Amtszeit eines Nationalpark-Direktors im Šumava bereits verdoppelt…
Pavel Hubený: Unser Umweltminister hatte mir damals angeboten, den Park für ein Jahr zu leiten. Ich ließ mich darauf ein, weil mir die bisherige Führung des Schutzgebiets missfiel. Ich wollte den Park in eine Richtung lenken, so dass er überhaupt erst mal ein Nationalpark werden kann. Eine längerfristige Vision hatte ich nicht. Als mich der Minister dann nach einem Jahr zum Direktor ernannte, war ich sehr dankbar. Ich konnte nun weiter in die Zukunft planen und mit dem Nationalpark Šumava den gleichen Weg einschlagen wie der Nationalpark Bayerischer Wald.

Was haben Sie bislang erreicht – und welche Ziele noch vor Augen?
Pavel Hubený: Zunächst hatte ich ein paar Marketingprojekte gestoppt und mich mehr auf den Naturschutz konzentriert. Ich möchte klare Regeln für das Management im Park: Naturzonen festlegen und andere Gebiete, die aktuell noch gemanagt werden, über kurz oder lang zu Naturzonen machen. Zum Glück hat die Regierung inzwischen unser Naturschutzgesetz novelliert. Es besagt, dass in den tschechischen Nationalparks der Prozessschutz Vorrang hat – wofür wir uns sehr eingesetzt hatten. Aktuell entwickeln wir einen Managementplan, der die langfristige Erweiterung der Naturzonen vorsieht. Und natürlich werden wir die Beziehung zum Nationalpark Bayerischer Wald weiter festigen. Mit den Naturzonen haben wir ein gemeinsames Ziel, das uns sehr inspiriert und antreibt.

Herr Dr. Leibl, was bedeutet es für den Nationalpark Bayerischer Wald, dass Pavel Hubený an der Spitze des Nachbarparks Šumava steht?
Franz Leibl: Ich könnte es mir nicht besser vorstellen: Es ist ein Anpassen der Nationalpark-Ziele auf beiden Seiten, ein intensives Absprechen von Maßnahmen, die der jeweilige Park entwickelt, ein wunderbares Miteinander als Kollegen und eine Freundschaft auf persönlicher Ebene. Wenn sich die beiden Parks so angleichen, wie es sich im Augenblick abzeichnet, dann entstehen im Herzen Mitteleuropas zwei Großschutzgebiete, die letztlich eins sind, was das Management, die Philosophie und die gemeinsame Natur anbelangt. Das ist ganz toll. Und einmalig.

Was konnten Sie in fünf Jahren gemeinsam auf den Weg bringen?
Pavel Hubený: Dank des Nationalparks Bayerischer Wald konnte die Naturzonen-Philosophie auch bei uns Fuß fassen. Wir werden sie im Šumava nun noch weiter vorantreiben.
Franz Leibl: Jeder sollte in seinem Nationalpark unberührte Waldgebiete haben, die man aber auch rechtlich fixieren muss – worum sich Pavel Hubený in letzter Zeit sehr bemüht hat. Mit Hilfe einer Interreg-Förderung konnten wir erstmals ein gemeinsames hydrologisches Monitoring aufbauen. Damit können wir Forschungsaktivitäten abstimmen und auf großer Fläche vornehmen. In Anbetracht des Klimawandels ist es wichtig, hydrologische Erkenntnisse auf einem gesamten Gebirgsstock zu erlangen und nicht nur auf einer kleinen Fläche in Bayern. Wir haben aber auch gemeinsame Umweltbildungsthemen und -projekte eingeleitet. Und grenzübergreifende Rangerstreifen. Alles in allem Schritte, die in eine gemeinsame Zukunft führen.

Gemeinsames Ziel: Natur schützen und Naturerleben ermöglichen

Der Nationalpark Šumava ist 2,5 Mal so groß wie der Nationalpark Bayerischer Wald. Dessen früherer Leiter Hans Biebelriether prognostizierte bei der Gründung des tschechischen Schutzgebiets, dass es zu groß sei für ein ordentliches Management. Behielt Herr Biebelriether recht?
Pavel Hubený: Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als Herr Biebelriether das 1991 zur Parkleitung sagte. Gleichzeitig hat er von einer großen Herausforderung gesprochen. Dank Franz Leibl und des tschechischen Umweltministeriums wird es uns gelingen, diese Herausforderung zu meistern. Vor zehn Jahren noch glaubte ich, das wird nichts mit dem Park – höchstens ein größeres Landschaftsschutzgebiet. Aber jetzt bin ich sicher: Wir schaffen das!
Franz Leibl: Sowohl der Šumava als auch wir haben sehr viele Besucher. Gäste bedeuten immer eine große Herausforderung im Parkmanagement, weil wir letztlich Natur zu schützen haben und gleichzeitig Naturerleben ermöglichen möchten. Man muss das eine zulassen und darf das andere nicht vernachlässigen. Das ist ein Spagat, der umso schwieriger wird, je größer ein Gebiet ist.

Sie kennen den Park des anderen jeweils ganz gut. Haben Sie, Herr Leibl, einen persönlichen Lieblingsplatz im Šumava – und Sie, Herr Hubeny, im Bayerischen Wald?
Pavel Hubený: Von den Naturzonen auf bayerischer Seite bin ich jedes Mal fasziniert und begeistert – egal ob am Falkenstein, am Lusen oder am Rachel. Wichtig ist, dass wir gemeinsam durch den Wald gehen. Dabei sind Franz und ich schon öfter zu dem Schluss gekommen, dass es nicht reichen würde, wenn es nur einen Nationalpark gäbe. Beide Parks gehören zusammen, weil auch die Natur zusammengehört.
Franz Leibl: Was mich im Šumava besonders anspricht, ist das Lusental mit seinen artenreichen Wiesen und dem offenen Landschaftscharakter. Außerdem fasziniert mich der Judenwald nördlich des Rachels, weil ich glaube, dass Teile unseres Hochlagenwalds in den nächsten 50 Jahren so aussehen werden: abwechslungs- und strukturreich – und ein perfekter Lebensraum für Auerhühner.

Herr Hubený, was wünschen Sie dem Nationalpark Bayerischer Wald zum 50. Geburtstag?
Pavel Hubený: Dass alle Deutschen auf ihren ersten Nationalpark stolz sind.

Wir reisen ins Jahr 2070. Der Nationalpark Bayerischer Wald ist 100, der Nationalpark Šumava knapp 80. Wie sieht das Gebiet aus?
Pavel Hubený: Es ist Urwald pur – und die Wildnis so groß, dass es Mühe macht, sie zu durchqueren.
Franz Leibl: Es ist ein gemeinsames Gebiet mit natürlichen wilden Flächen entstanden. Die Grenze ist nicht mehr erkennbar. Das Management wird gemeinsam betrieben und es gibt keinen Unterschied zwischen dem Nationalpark Šumava und dem Nationalpark Bayerischer Wald. Und die Menschen dürfen diese wilde, herangereifte Waldnatur erleben. In Demut und mit großem Respekt.

 

Dieser Artikel stammt aus der neuesten Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser Wilder Wald". Das komplette Heft können Sie in unserem Download-Bereich (Link) als PDF-Dokument herunterladen.

 

Interview: Alexandra von Poschinger

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