Hoch hinaus

Michael Lender ist schwindel- und (fast) angstfrei - eine Grundvoraussetzung für seinen Beruf als Baumkletterer

Eintrag Nr. 30/2019
Datum: 02.09.2019


Michael Lender beim Baumklettern. Foto: Annette Nigl
Michael Lender beim Baumklettern. Foto: Annette Nigl

Altschönau. Wer Michael Lender bei der Arbeit besucht, muss aufblicken – und zwar im wörtlichen Sinn: Wie ein flinkes Eichhörnchen kraxelt der 32-Jährige durch das Geäst einer 35 Meter hohen Buche, gesichert mit Seilen und begleitet von zwei Kollegen, die ihn bei den Arbeiten unterstützen. Michael Lender ist Baumkletterer im Nationalpark Bayerischer Wald – ein so spannender wie gefährlicher Beruf, der nicht nur hohe Verantwortung und Erfahrung erfordert, sondern auch jede Menge Mut und Vertrauen ins Team.

Von Gurten, Karabinern und Motorsägen

„Das wichtigste beim Baumklettern ist die akribische Vorbereitung“, erzählt Lender. Schließlich verzeiht der schwindelerregende Job keinen noch so kleinen Fehler. Ausgerüstet mit Steigklemmen und -eisen, Schutzhelm, Aufstiegs- und Arbeitsseil, Karabinern, Gurten, Hand- und Motorsäge beginnt für Michael Lender der Arbeitstag. Seine Aufgabe: die Unterstützung seiner Kollegen in naturschutzfachlichen Projekten. Zum Beispiel bringt Lender Nistkästen für den Habichtskauz an hohen Buchenstämmen an – als Starthilfe für die Wiederansiedlung der streng geschützten Eule.

Eine weitere Herausforderung für den Baumkletterer ist die Wegesicherung in den Nationalparkwäldern, gerade in hoch frequentierten Bereichen wie dem Waldspielgelände in Spiegelau. Dort haben Lender und sein Team im Frühjahr gut 200 Bäume „gepflegt“. Weil die Schneelast des vergangenen Winters großen Schaden angerichtet hat, „mussten wir unzählige Äste entnehmen oder aber ganze Bäume entfernen“, erklärt Michael Lender die Großmaßnahme, die jedoch zwingend erforderlich war, um die Sicherheit auf dem Gelände zu gewährleisten. Schließlich sollen Besucher durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume nicht zu Schaden kommen.

Erst Lehre zum Forstwirt, dann Meister und obendrauf noch eine Spezialausbildung

Für Michael Lender ist sein Beruf ein Traumjob. Nach seiner Ausbildung zum Forstwirt im Nationalpark Bayerischer Wald sattelte der ehrgeizige Frauenauer 2013 den Meister obendrauf – und war noch immer nicht am Ende seiner Karriere: „Das Problembaumfällen sowie die Baumpflege mit Seilklettertechnik haben mich zusätzlich fasziniert“, schwärmt er. Die Spezialausbildung berge jeden Tag ein neues, spannendes Themenfeld – und natürlich Abenteuer.

Um jedem Risiko unbeschadet zu entgehen, muss Michael Lender topfit sein. „Ich halte mich mit Sport gesund und achte auf meine Ernährung“, gibt der zweifache Familienvater sein Patentrezept preis. Schließlich will er noch lange hoch hinaus. Jedoch ausschließlich auf Bäume – denn: „Größeren Respekt habe ich vor Dächern oder Leitern.“

 

Dieser Artikel stammt aus der neuesten Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser Wilder Wald". Das komplette Heft können Sie HIER als PDF-Dokument herunterladen.

 

Text: Alexandra von Poschinger

nach oben nach oben