Hier ist jeder ein Gewinner

Waldführer, Praktikanten, Volunteer-Ranger, FÖJ und Co.: Großes ehrenamtliches Engagement für den Nationalpark

Eintrag Nr. 03/2026
Datum:


Umweltbildung im Nationalpark Bayerischer Wald. Foto: Daniela Blöchinger
Umweltbildung im Nationalpark Bayerischer Wald. Foto: Daniela Blöchinger

Hans Meier. Fotos: Julia Reihofer
Hans Meier. Fotos: Julia Reihofer

Mélany Flores.
Mélany Flores.

Lara Picard.
Lara Picard.

Simon Probst.
Simon Probst.

Grafenau. Nur dank dem Engagement zahlreicher Freiwilliger kann der Nationalpark Bayerischer Wald ein so großes Angebot im Bereich der Führungen und Umweltbildung anbieten. Darüber hinaus unterstützen sie in der Forschung und bei der Schutzgebietsbetreuung. Von dieser Einsatzbereitschaft profitiert nicht nur die Nationalparkverwaltung. Ein Ehrenamt zu übernehmen, macht auch glücklich und zufrieden. Was zahlreiche Studien längst belegt haben, können auch die vielen ehrenamtlich Aktiven im Nationalpark bestätigen - egal ob Waldführer, Teilnehmerin am Freiwilligen Ökologischen Jahr, Erasmus-Studentin oder Volunteer-Ranger.

Hans Meier - Waldführer

Hans Meier ist einer von über 150 Waldführern, die ehrenamtlich Besucher durch die facettenreiche Waldwildnis führen. „Ich wollte nach meinem Berufsleben etwas Sinnvolles machen, etwas, das mich nicht nur körperlich fit hält, sondern auch geistig fordert und unter die Leute bringt“, erzählt der 73-Jährige. Dass er seit nunmehr über zehn Jahren Menschen für die Philosophie „Natur Natur sein lassen“ begeistert, ist keine Selbstverständlichkeit. „Auch ich gehörte zu denen, die anfangs gegen den Nationalpark waren.“ Vor allem der Borkenkäfer habe ihm als Privatwaldbesitzer Angst gemacht. Dann kam der Sinneswandel. „Über mehrere Jahre habe ich mit Radl und Fotoapparat den Bayerischen Wald und auch den benachbarten Nationalpark Šumava in Tschechien erkundet.“ Dabei seien tausende Fotos entstanden, die schließlich sein Bild über die Natur und den Nationalpark stark verändert haben.

2016 beschloss Hans Meier schließlich, die Waldführerausbildung zu absolvieren und übernimmt seitdem Führungen, wie etwa im Tier-Freigelände Neuschönau, auf dem Baumwipfelpfad oder auch im Felswandergebiet. „Besonders gerne bin ich mit Kindern, zum Beispiel aus unserem Jugendwaldheim, unterwegs.“ Vor allem fasziniert ihn die Offenheit und Kreativität, mit der sich junge Besucher der Natur nähern. Und wie unverblümt ehrlich sie sind.

Etwas zu tun, das etwas bewirkt, das bleibt, hofft Hans Meier noch einige weitere Jahre machen zu können. „Mich erfüllt es mit großer Freude, wenn ich von Nationalparkbesuchern Briefe oder Kinderzeichnungen geschickt bekomme. Die sammle ich alle zu Hause.“ Sollte er sich in ein paar Jahren endgültig zur Ruhe setzen, möchte er ein Heft oder vielleicht sogar ein Buch mit seinen schönsten Erlebnissen als ehrenamtlicher Waldführer füllen. 

Video: Auf dem Youtube-Kanal des Nationalparks gibt Hans Meier Einblicke in sein Engagement.

Mélany Flores - Erasmus-Praktikantin

Internationales Flair bringt Mélany Flores in die Nationalparkverwaltung nach Grafenau. Die Ecuadorianerin absolviert ein einjähriges Praktikum im Rahmen des Erasmus-Programms, das Studierenden Praktika im Ausland ermöglicht. „Ich kam nach meinem Umweltingenieurs-Studium in unserer Hauptstadt Quito zunächst als Au-pair nach Deutschland“, erzählt die 27-Jährige. Vor allem ihre Sprachkenntnisse in Deutsch hoffte sie dabei zu verbessern. „Wirklich fließend spreche ich noch nicht, meine Kollegen in der Umweltbildung, wo ich überwiegend tätig bin, helfen mir aber immer gerne.“

Ihr mache es Spaß, nicht nur mit Menschen zu arbeiten, sondern auch bei der Organisation von Veranstaltungen mithelfen zu können. Gerade ist sie mit dem nächsten Spechtfest im Waldspielgelände Spiegelau beschäftigt. In der Umweltbildung zu bleiben, ist aber dennoch nicht das primäre Ziel von Mélany Flores. „Ich will noch meinen Master machen und dann im Umweltingenieurswesen arbeiten, vielleicht bei Renaturierungsprojekten.“

Wie schnell und gut sich die Natur auch ohne Hilfe des Menschen regenerieren kann, habe sie sehr beeindruckt, als sie im Sommer 2025 erstmals in den Nationalpark kam. „Vorher kannte ich den Bayerischen Wald nicht, es gefällt mir aber sehr gut. Die Landschaft, die Menschen und nicht zuletzt mein Praktikum.“ Nur die Berge hier seien ihr ein wenig zu niedrig. Der Bayerische Wald sei mit den Anden in ihrem Heimatland auch kaum zu vergleichen. „Ich hoffe, dass ich während meiner letzten Monate hier weiterhin viel über den Nationalpark und den Schutz der Natur lernen kann. In Ecuador spielt dieser nämlich oft noch eine zu geringe Rolle.“ Was sich mit engagierten Menschen wie Mélany Flores in Zukunft vielleicht ja ändern könnte.

Video: Auf dem Youtube-Kanal des Nationalparks gibt Mélany Flores Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Lara Picard - Teilnehmerin am Freiwilligen Ökologischen Jahr

„Hey ich bin Lara und ich mache hier im Nationalpark mein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Wildtiermonitoring und das Beste ist, dass ich dabei auch viel draußen sein kann“, spricht die 20-Jährige beschwingt in die Kamera und stapft, ohne zu zögern, durch den kniehohen Schnee. Um zu zeigen, was Lara bei ihrem einjährigen Einsatzgenau tut, ist sie inmitten der tief verschneiten Wälder unterwegs. „Meine Aufgabe ist es, regelmäßig die Daten unserer Fotofallen abzuholen und zu überprüfen, ob noch alles funktioniert“, erklärt sie. „Anschließend helfe ich im Büro auch bei der Auswertung der Fotofallen-Bilder.“ Regelmäßig wird im Nationalpark die Entwicklung von streng geschützten Arten wie Luchs, Fischotter oder Biber mit Hilfe des Fotofallenmonitorings überwacht. Auch beim Kadaver-Projekt kommen die unauffälligen Kameras zum Einsatz. „Da sieht man auf den Bildern dann zum Beispiel Kolkraben, Bussarde aber auch viele andere Arten, die sich am Aas bedienen.“

Auch deshalb wollte die Abiturientin ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr unbedingt im Bereich des Wildtiermonitorings machen. „Für mich ist das genau das Richtige. Ich lerne sehr viel dazu und nutze die Zeit auch, um mich für mein weiteres Leben zu orientieren.“ Den Nationalpark kennt die Hessin bereits von zahlreichen Urlauben mit den Eltern. „Wenn man hier für längere Zeit lebt, verändert sich die Perspektive und man kann noch viel mehr entdecken und ausprobieren.“ Zusammen mit anderen Praktikanten war Lara im Januar zum Beispiel zum ersten Mal in ihrem Leben Langlaufen. „Das war großartig“, schwärmt sie.

Auch die Gemeinschaft unter den Praktikanten schätze sie sehr. „Zusammen mit anderen FÖJlern bin ich hier im Praktikanten-Haus in Neuschönau untergebracht. Die Unterkunft ist super und ich habe auch schon Freunde gefunden.“

Video: Auf dem Youtube-Kanal des Nationalparks gibt Lara Picard bewegte Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Simon Probst - Volunteer-Ranger

Simon Probst aus Regen ist Volunteer-Ranger. Ein ehrenamtlicher Unterstützer der Nationalparkwacht also. Der Wunsch, sich im Naturschutz zu engagieren, wurde bei ihm schon früh geweckt. „Meine Großeltern und Eltern waren schon sehr naturbegeistert und so habe ich in der fünften Klasse am Ferienprogramm der Junior-Ranger teilgenommen.“ Danach trat er dem Junior-Ranger-Verein bei und entschloss sich mit 15 Jahren schließlich, Volunteer-Ranger zu werden.

Das war vor acht Jahren. „Seitdem helfe ich ehrenamtlich bei der Nationalparkwacht, zum Beispiel bei Veranstaltungen wie der jährlichen Schachtenpflegeaktion, oder auch bei Ferienprogrammen.“ Zeit dafür nimmt sich der gelernte Bauzeichner
in seiner Freizeit gerne. „Mir ist es einfach wichtig, etwas für unsere Natur zu tun und sie den Menschen, gerade den Kindern, näherzubringen.“ Als selbst noch recht junger Mensch, habe er manchmal vielleicht auch einen besseren Zugang zu der jungen Generation.

Darüber hinaus ist Simon Probst auch beim Junior-Ranger-Verein weiterhin aktiv. „Ich habe mich von Anfang an dort sehr wohl und wertgeschätzt gefühlt.“ Inzwischen sitzt der 23-Jährige auch im Vorstand. „Der Verein ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Ich habe viele schöne Erinnerungen gesammelt und jede Menge Freunde gefunden.“ So erinnert sich Simon gerne an eine Vereinswanderung zum Sonnenuntergang auf den Lusen oder auch an das internationale Junior-Ranger-Camp im Nationalpark Müritz vor ein paar Jahren. Junior- und Volunteer-Ranger gibt es nämlich inzwischen in vielen Nationalparken und anderen Naturschutzgebieten. „Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch ein paar neue Kollegen dazubekomme.“

Video: Auf dem Youtube-Kanal des Nationalparks gibt Simon Probst Einblicke in sein Engagement.

 

Info: Dieser Bericht stammt aus der Frühlingsausgabe des Magazins "Unser wilder Wald". Das komplette Heft ist auch im PDF-Format verfügbar.

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