"Hier kann man einem Urwald beim Wachsen zusehen"
Interview mit Christian Barth nach 15-jähriger Tätigkeit als Amtschef im Umweltministerium
Eintrag Nr. 29/2026
Datum: 24.09.2026
Grafenau/München. Dr. Christian Barth war 15 Jahre lang Amtschef des Bayerischen Umweltministeriums und war in dieser Zeit immer ein Unterstützer des Nationalparks Bayerischer Wald. Im Herbst geht er in den Ruhestand – und blickt positiv auf das, was war und was sein wird.
Die Bezeichnung „Amtschef“ klingt ja erstmal recht bürokratisch. Wie würden Sie Menschen, die sich nicht mit der Verwaltung auskennen, Ihre Arbeit in einem Satz beschreiben?
Christian Barth: Wir sind in der Umweltverwaltung in Bayern ein tolles Team, an dessen Spitze der Amtschef als oberster Umweltbeamter in Bayern steht. Mit einer großen Aufgabenfülle von den Personalthemen, über die Finanzen bis zu den verschiedenen Fachfragen. „Amtschef“ trifft das doch gut! Langweilig war mir wirklich keine Minute in den 15 Jahren.
In den vergangenen Jahren sind Sie zum Nationalpark-Stammgast geworden. Aber wissen Sie auch noch, wann und aus welchem Grund Sie das erste Mal da waren? Hat Sie damals etwas besonders beeindruckt?
Christian Barth: In meiner Anfangszeit als Amtschef hat die große Erweiterung des Nationalparks im Jahr 1997 die Menschen noch immer stark beschäftigt. Es ging darum, die Akzeptanz in der Region bei den Kommunen und Menschen zu erhöhen. Das ist inzwischen erreicht. Die Überzeugung, mit der die Menschen in der Region hinter ihrem Nationalpark stehen, finde ich großartig. Natur Natur sein zu lassen. Wo kann man schon mitten in Europa einem echten Urwald beim Wachsen zusehen? Das ist wirklich faszinierend. Und was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier leisten, ist einfach toll.
Sie haben sich als Amtschef des Umweltministeriums stets mit aller Kraft für die bayerischen Nationalparke eingesetzt. Warum?
Christian Barth: Unsere Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden sind einzigartige Aushängeschilder für Bayerns Natur, die Premiummarke des bayerischen Naturschutzes. Sie sind auch wertvolle Lernorte für viele Fragestellungen des Naturschutzes und der Ökologie. Und gerade wir in Bayern tragen hier eine besondere Verantwortung. Wir haben im Bayerischen Wald den ältesten Nationalpark Deutschlands und in Berchtesgaden Deutschlands einzigen Alpen-Nationalpark. Beide stehen für einzigartige Naturräume, eine besondere Artenvielfalt und gleichzeitig dafür, dass die Natur auch für die Menschen in der Region eine große wirtschaftliche Bedeutung hat. Unsere Nationalparke spielen bei den jährlichen Besucherzahlen in einer Liga mit Schloss Neuschwanstein. Das ist schon beeindruckend und zeigt, dass Naturschutz mit den Menschen funktioniert und ein solch herausragendes Schutzgebiet sehr gute Perspektiven für eine Region bringen kann. Dafür müssen aber auch die Infrastruktur und die Angebote stimmen.
Gibt es ein konkretes Erfolgserlebnis aus den vergangenen Jahren im Nationalpark, auf das Sie besonders stolz sind?
Christian Barth: Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Aushängeschild für den Naturschutz, für die Artenvielfalt und ein Vorbild für höchst erfolgreichen sanften Tourismus. Über die Jahre haben wir den Nationalpark deshalb konsequent ausgebaut. Ein besonderes Highlight waren natürlich die Feierlichkeiten rund um das 50-jährige Jubiläum. Aber auch seitdem hat sich der Nationalpark deutlich entwickelt. Insbesondere die gelungene Erweiterung des Nationalparks Bayerischer Wald um weitere 600 Hektar zum größten Waldnationalpark Deutschlands war ein weiterer Meilenstein. Aber auch auf die barrierefreien bzw. barrierearmen Angebote für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, bin ich stolz.
Und welche Ereignisse waren schwierig und erforderten viel Kraft?
Christian Barth: Solche Ereignisse liegen glücklicherweise lange zurück. Ich erinnere mich an einen ehemaligen Landrat, der politisches Kapital aus einer Gegnerschaft zum Nationalpark schlagen wollte. Heute besteht erfreulicherweise ein sehr gutes Miteinander im kommunalen Nationalparkausschuss.
Jetzt tauchen Sie mal kurz in die Rolle einer unserer Waldführer: Welche Wanderungen oder welches Ausflugsziel würden Sie Menschen empfehlen, die den Nationalpark zum ersten Mal besuchen?
Christian Barth: Ich würde ihnen tatsächlich empfehlen, sich gemeinsam mit Hilfe unserer Rangerinnen und Rangern ein individuelles Bild unseres Nationalparks zu machen. Eine Wanderung auf den Großen Rachel gehört zu meinen Highlights! Auch ein Abstecher zu den Tier-Freigeländen und insbesondere auch zum Hans-Eisenmann-Haus sowie zum Haus zur Wildnis sollte eingeplant werden.
Verraten Sie uns auch ihren Lieblingsplatz im Nationalpark Bayerischer Wald?
Christian Barth: Das sollte ich vielleicht lieber nicht machen, sonst wird das noch ein touristischer Hotspot (lacht). Aber die Schachten und Filze sind besonders faszinierend und laden zum Verweilen ein!
Zum Schluss haben Sie einen Wunsch frei: Wie sollte sich der Nationalpark in den kommenden zehn Jahren weiter entwickeln?
Christian Barth: Natur Natur sein lassen – nach dieser Philosophie soll der Nationalpark auch zu einem Sehnsuchtsort für Menschen, die Entspannung und Erholung suchen, werden. Ich freue mich darauf, wie sich unser bayerischer Urwald in den kommenden Jahren entwickeln wird und werde mir regelmäßig selbst davon ein Bild machen. Wir sehen uns!
INFO: Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser Wilder Wald" (Herbst 2026). Das komplette Heft ist auch als PDF-Ausgabe verfügbar.


