Ein neuer Unterschlupf für die Bären
Ein Baustellenbesuch im Tier-Freigelände des Nationalparkzentrums Lusen
Eintrag Nr. 05/2026
Datum: 26.02.2026
Altschönau. Im Tier-Freigelände bei Neuschönau wird kräftig gewerkelt. Denn hinter dem großzügigen Landschaftsgehege der Braunbären Luna und Benny entsteht ein neues Bärenhaus. Das Gebäude wird allerdings keine Besuchereinrichtung, sondern dient den Arbeiten im Hintergrund.
Die Außenhülle des reinen Betonbaus ist bereits fertig. Drinnen scheint das Sonnenlicht durch dafür vorgesehene Schächte. Es sorgt für fast kunstvolle Beleuchtung im 150 Quadratmeter großen Gebäude. Immer wieder huschen Handwerker vorbei. Denn aktuell wird der Bau mit allerlei Stromleitungen verkabelt. „Der Innenausbau läuft“, sagt Johannes Dick, der in der Nationalparkverwaltung als Bauingenieur tätig ist. „Wenn alles planmäßig läuft, können wir im Laufe des Jahres 2026 in den
Betrieb gehen.“
Sicherheitsniveau: "Das geht schon Richtung Alcatraz"
Das neue Bärenhaus soll in Zukunft dafür sorgen, dass Bären im Tier-Freigelände optimal tiermedizinisch versorgt werden können. Zudem ermöglicht es, Tiere räumlich voneinander zu trennen und bietet eine störungsfreie Wurfhöhle für Geburten. Teile davon sind auch jetzt schon möglich – in einer bestehenden Bärenhöhle. „Diese entspricht jedoch nicht mehr den aktuellen Anforderungen des Arbeitsschutzes, weshalb wir hier dringend handeln mussten“, erklärt Dick.
Der Neubau wird am Ende über fünf Tierboxen, ein kleines Lager und einen Arbeitsbereich verfügen sowie 400 Quadratmeter Außenfläche. Die Boxen und Vorgehege können variabel miteinander verbunden werden. Dies wird über mechanische Schieber geregelt, die als nächstes auf der Baustelle eingebaut werden sollen, zusammen mit dem kompletten Stahlbau. „Benny ist knapp 400 Kilo schwer und drei Meter groß“, erläutert der Bauingenieur, „da ist also potentiell viel Kraft da. Dementsprechend müssen Gitter und Co. dimensioniert sein. Das geht also schon Richtung Alcatraz.“ Das Sicherheitskonzept wird ergänzt durch den Einbau einer Videoüberwachungsanlage.
Gebäude soll sich so gut wie möglich in die Landschaft integrieren
Sichergestellt werden musste auch eine ausreichende Ver- und Entsorgung. Auch das ist inmitten des Tier-Freigeländes nicht immer ganz so einfach. „Strom ist mittlerweile zum Glück vorhanden, da wir erst von einigen Jahren das komplette Areal elektrifiziert haben“, sagt Dick. Schwieriger war’s beim Wasser. „Hier können wir aber weiterhin eine für die alte Bärenhöhle angelegte Quellfassung nutzen.“ Für die Abwässer wurden zwei Zisternen im Boden vergraben, die später
regelmäßig geleert werden müssen.
Die größte Unwägbarkeit bei der Maßnahme, die unter Federführung des Staatlichen Bauamts Passau abgewickelt wird, war jedoch der Bodenaushub. „Das ganze Bärenhaus ist etwas in den Untergrund hineingesetzt worden, um es später besser in die Landschaft integrieren zu können“, erklärt Dick. „Dabei kamen erwartungsgemäß große Felsbrocken zum Vorschein, jedoch nichts, was nicht mit normalem Aufwand hätte beseitigt werden können.“ Das Gesteinsmaterial wird am Ende zum Teil wieder für den Landschaftsbau am Bärenhaus verwendet, welches zur besseren Einbettung in die Natur auch ein begrüntes Dach besitzen wird.
Freistaat Bayern investiert rund 1,5 Millionen Euro
Die Höhe der Investition des Freistaats Bayern an dieser Stelle wird zum Abschluss der Maßnahme bei etwa 1,5 Millionen Euro liegen. „Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass wir uns zur Ertüchtigung unserer Infrastruktur bekennen“, sagt Nationalparkleiterin Ursula Schuster. „Denn gerade das Tier-Freigelände mit seinen rund 50 Jahren wird in der nächsten Zeit ein paar Baustellen bereithalten, die wir Stück für Stück angehen werden, um unseren Besuchern weiter ein hochkarätiges Angebot bieten zu können.“
Info: Dieser Bericht stammt aus der Frühlingsausgabe des Magazins "Unser wilder Wald". Das komplette Heft ist auch im PDF-Format verfügbar.


