Kauz Kuppeln
Im Nationalpark Bayerischer Wald geht es los mit dem Bau der neuen Vogel-Volieren
Eintrag Nr. 27/2026
Datum: 18.09.2026
Neuschönau. Der Zahn der Zeit nagt am Tier-Freigelände bei Neuschönau. „Der Großteil der Gehege ist jetzt 40 bis 50 Jahre alt“, sagt Bauingenieur Johannes Dick, der sich im Nationalpark aktuell unter anderem mit der baulichen Zukunft der beliebten Besuchereinrichtung beschäftigt. „Damals wurde viel in Eigenregie gebaut, mit viel Manpower, aber wenig finanziellen Mitteln“, so Dick. „Bei der jetzt erreichten Haltbarkeit war das auf jeden Fall eine beachtliche Leistung.“ Doch mittlerweile seien dann doch einige Bauwerke von Wind, Wetter und vor allem Schneemassen so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sie dringend ersetzt werden müssen. Im Fokus dabei: Die Volieren. Erste Arbeiten dazu laufen bereits.
Auf der Abkürzungsroute zwischen dem Wildkatzengehege und dem Verbindungsweg zwischen Elch- und Bärengehege wurde bereits im späten Frühjahr ein Baufeld eingerichtet, „naturschutzfachlich abgestimmt“, wie Dick erläutert, „also zum Beispiel die Freistellung der Baufläche vor der Vogelbrutzeit“. Auf dieser Fläche entstehen nun drei neue Bauten, allesamt künftige Behausungen für Käuze. „Von der Konstruktion her ist das eigentlich eine relativ einfache Geschichte“, erläutert der Nationalparkmitarbeiter. „Es gibt einzelne Streifenfundamente, auf die eine Stahlkonstruktion aufgesetzt wird.“ Die Grundkonstruktion besteht aus zwei elliptischen Ringen, die durch ein Fachwerk ausgesteift werden. Die Voliere verbreitet sich dann leicht nach oben hin und schließt oben mit einer bogenförmigen Kuppel ab. „Dadurch haben die Vögel mehr Flugraum.“ An den Oberkanten werden schließlich nicht nur Wartungsbühnen installiert, sondern auch hölzerne Verblendungen, „um die Volieren besser in die Landschaft einzubetten und die Gänge für Revisionsarbeiten zu verstecken“. Im August ging’s los. Nächstes Jahr zur selben Zeit soll das neue Volieren-Trio fertig sein. Kostenansatz: 2,2 Millionen Euro.
Logistik als größter Herausforderung
Die eigentliche Herausforderung bei der Baumaßnahme ist eine logistische. „Die Örtlichkeit ist für große Baufahrzeuge extrem schlecht erreichbar“, berichtet Johannes Dick. So habe man extra die betroffenen Besucherwege ertüchtigt, eine Wendemöglichkeit geschaffen und den Firmen aufgrund der gleichzeitigen Nutzung durch Nationalparkbesucher erhöhte Vorsicht auferlegt. Einige Materialtransporte würden wohl nur durch Umwege an die Baustelle kommen: Anlieferung ans Servicezentrum bei Altschönau und von dort Weitertransport mit kleineren Fahrzeugen. Dazu kommt die ökologische Komponente: „Natürlich wollen wir so naturverträglich wie möglich bauen, etwa den Baumbestand erhalten.“ Für das notwendige Baufeld selbst wurde nur das allernötigste an Fichten, Buchen und Tannen gefällt. Für alle zukünftigen Neubauten müssen dann keine Bäume mehr weichen. Denn: Die nächsten Jahre wird wild rumgetauscht im Tier-Freigelände.
Als nächste geplante Maßnahme, im Sommerhalbjahr 2027 startend, ist der Ersatzbau der Uhu-Voliere geplant. Die soll am selben Standort entstehen, die Tiere werden derweil im Hintergrund gehalten. Ein Jahr später – 2028 – soll laut aktuellenPlanungen dann ebenfalls am bestehenden Standort ein neues Zuhause für die Auerhühner gebaut werden. Die Hühnervögel dürfen derweil im bisherigen Kauz-Areal ihr Übergangsquartier beziehen, um weiterhin für Besucher sichtbar zu sein. Ist das alles fertig, könnte das Marder-Gehege am alten Kauz-Standort neu entstehen. Doch das ist noch Zukunftsmusik – und steht unter Finanzierungsvorbehalt. „Aber: Durch diese Weiterverwendung bestehender Örtlichkeiten müssen wir auf jeden Fall nur sehr wenig in den Waldbestand eingreifen“, freut sich Dick.
Sicherheit steht an erster Stelle
Nötig werden die Sanierungen übrigens, weil eine Bauwerksprüfung ergeben hat, dass die statische Stabilität vor allem bei hohen Schneelasten nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Als Sofortmaßnahmen mussten daher die Greifvogel-Voliere und die bereits seit vielen Jahren gesperrte Aasfresser-Voliere ersatzlos abgerissen werden. Bei anderen Anlagen wurden Zwischenlösungen gefunden und ein engmaschiges Monitoring zur Überprüfung eingeführt, um die Sicherheit der Besucher, Tiere und der Nationalparkmitarbeiter weiterhin gewährleisten zu können. So entstanden etwa Sicherungsanlagen, damit die Netze der alten Volieren im Winter ohne Gefahr abgeschaufelt und von den Schneemassen befreit werden können. „Bei den neuen Volieren müssen wir das in Zukunft nicht mehr machen, die sind für Schneelasten bis zu 500 Kilogramm pro Quadratmeter Dachfläche ausgelegt“, erklärt Johannes Dick.
INFO: Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser Wilder Wald" (Herbst 2026). Das komplette Heft ist auch als PDF-Ausgabe verfügbar.

