Kleine Tunnel, große Wirkung

Teile der Nationalparkstraßen werden saniert - Amphibien wandern in Zukunft unten durch

Eintrag Nr. 28/2026
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Naturschutzexpertin Dr. Verena Riedinger.
Naturschutzexpertin Dr. Verena Riedinger.

Baumaßnahmen an der Nationalparkstraße. Fotos: Gregor Wolf
Baumaßnahmen an der Nationalparkstraße. Fotos: Gregor Wolf

Riedlhütte. Es geht weiter: Auch in diesem Jahr wird ein Teil der Nationalparkstraße saniert. Der Abschnitt zwischen der Abzweigung zur Riedlhütter Anton-Hilz-Straße und der Aufschlägersäge bei Guglöd ist an der Reihe. Was nach business as usual klingt, ist aber nicht nur eine Verbesserung für Verkehrsteilnehmer, sondern vor allem eine große Naturschutzmaßnahme. Im Fokus dabei: Amphibien.

Sichere Übergänge

Ein Teil der sonst vielbefahrenen Fahrbahn zwischen Spiegelau und Mauth liegt offen da. Ein Bagger hebt auf der einen Seite Erdreich ins Loch, auf der anderen Seite wird es von einem Arbeiter verdichtet. In der Mitte ist eine Röhre, am Rand eine Betonwand sichtbar. Rund 100 Meter weiter ist ein ähnliches Tiefbauwerk bereits fertig. Prüfenden Schrittes steigt Nationalparkmitarbeiterin Verena Riedinger in die angelegte Böschung hinab, geht in die Hocke und blickt hinein in einen der ersten permanenten Amphibiendurchlässe auf Nationalparkgebiet. „Perfekt“, so das kurze Fazit der Naturschutzexpertin.

Der Bautrupp hat beste Arbeit geleistet. Unter der bis voraussichtlich Ende September sanierten Straße ist ein 70 auf 100 Zentimeter großer Tunnel entstanden. Auf rund 900 Metern Länge entstehen derzeit sieben Kleintierdurchlässe, zudem wird der Durchlass beim Ölbach ökologisch aufgewertet. Das Gewässer ist der Grund dafür, dass in dieser Gegend so viele Amphibien unterwegs sind.

Amphibien-Tunnel an den richtigen Stellen

„Die Tiere wandern im Frühjahr von der nördlichen Waldseite über die Straße ins Biberrevier am Ölbach“, erklärt Verena Riedinger. Bis dato wurde diese Wanderung durch mobile Amphibienschutzzäune abgesichert, die Jahr für Jahr auf- und abgebaut werden mussten. Zwei Jahre lang haben die Helfer dabei ganz genau dokumentiert, wo Kröten, Frösche und Molche die Seite wechseln. „Und genau dort entstehen jetzt die Durchlässe“, so Riedinger.

Zwischen den kleinen Tunneln sind in Zukunft auch Leiteinrichtungen installiert. Das ist eine etwa 40 Zentimeter hohe Wand aus Metallprofilen, vor denen ein bewuchsfreier Streifen liegt. Treffen Amphibien auf dieses Hindernis müssen sie zwangsweise seitlich ausweichen – und landen letztendlich an einem der sicheren Durchlässe. „Wichtig ist, dass sie dort dann auch das Licht am Ende des Tunnels sehen, sonst würden sie nicht durchgehen“, weiß Riedinger. „Daher müssen die Bauwerke ausreichend groß dimensioniert sein.“

Ökologisch sei das eine immense Aufwertung: „Das System steht dann das ganze Jahr über zur Verfügung. Denn bei den Amphibien haben wir bisher nur die Hinwanderung abgesichert, weil die in kurzer Zeit schubweise vonstattengeht.“ Die über den ganzen Sommer und Herbst tröpfchenweise laufende Rückwanderung sei stets ohne Hilfe über die Bühne gegangen. Zudem würden die Tunnel erfahrungsgemäß auch von anderen Kleintieren genutzt. „Von Igeln, Mardern, Hasen, Kreuzottern und Waldeidechsen zum Beispiel“, zählt Riedinger auf.

Ein Gewinn für Tiere und Nationalpark

Der zweite gewichtige Vorteil: In Zukunft spart sich die Nationalparkverwaltung viel Zeit und Arbeit. Bisher habe man 3,8 Kilometer Mobilzaun betreut. Das Stück am Ölbach fällt dann weg. Im Jahr drauf sollen auch an der Knottenbachklause bei Altschönau drei Kleintierdurchlässe sowie zwei ökologisch aufgewertete Bachdurchlässe entstehen, somit fällt abermals ein langes Zaunstück weg. „Und es ist ja nicht nur der Auf- und Abbau, sondern auch die Kontrolle. Aktuell brauchen wir allein dafür im Lusen-Rachel-Bereich zwei Monate lang täglich zwei Personen“, sagt Riedinger. „In Zukunft kann eine Person die restlichen Mobilzäune gut allein betreuen.“ Dass diese Arbeit wertvoll ist, zeigt schon die diesjährige Statistik. „Allein am Ölbach-Abschnitt haben wir 800 Erdkröten, 900 Molche sowie einige Grasfrösche in ihre Laichgewässer begleitet.“ Eine Reise, die die Tiere in Zukunft wieder ohne menschliche Hilfe antreten können.

 

INFO: Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser Wilder Wald" (Herbst 2026). Das komplette Heft ist auch als PDF-Ausgabe verfügbar.

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