20 Jahre Haus zur Wildnis

Das Team der Nationalparkeinrichtung blickt auf Anekdoten der vergangenen zwei Jahrzehnte

Eintrag Nr. 07/2026
Datum:


Das aktuelle Team im Haus zur Wildnis mit den vier bisherigen Leitungen Bärbel Sagmeister (vorne von links), Achim Klein, Reinhold Weinberger und Sabine Eisch. Foto: Annette Nigl
Das aktuelle Team im Haus zur Wildnis mit den vier bisherigen Leitungen Bärbel Sagmeister (vorne von links), Achim Klein, Reinhold Weinberger und Sabine Eisch. Foto: Annette Nigl

Der zweistöckige Baum ist das Herzstück der Besuchereinrichtung. Foto: Johannes Haslinger
Der zweistöckige Baum ist das Herzstück der Besuchereinrichtung. Foto: Johannes Haslinger

Kinder-Erlebnisraum im Haus zur Wildnis. Foto: Katharina Ries
Kinder-Erlebnisraum im Haus zur Wildnis. Foto: Katharina Ries

Die Lebensräume im Nationalpark werden in der Ausstellung thematisiert. Foto: Julia Reihofer
Die Lebensräume im Nationalpark werden in der Ausstellung thematisiert. Foto: Julia Reihofer

Ludwigsthal. Es ist kein steriles Museum, sondern ein Ort, der sowohl Menschen zusammenbringt als auch die wichtigsten
Prozesse im Nationalpark anschaulich erklärt. Seit mittlerweile fast 20 Jahren zieht das Haus zur Wildnis mit seinem Tier-Freigelände Urlauber wie Einheimische gleichermaßen an. Für den stetigen Herzschlag des Hauses sorgt das Mitarbeiter-Team, das seit Anbeginn das Gesicht der Besuchereinrichtung geprägt hat.

Es gibt einige, dich sich noch gut an die Zeit erinnern können, als das Haus im Rohbau war. Darunter Bärbel Sagmeister, die erste Leiterin der Einrichtung, sowie Reinhold Weinberger, der damals zuständige stellvertretende Sachgebietsleiter. „Wenn es zu der Zeit schon eine Stempeluhr gegeben hätte, dann hätten wir den Eröffnungstermin am 4. August 2006 nicht einhalten können“, erinnert sich Bärbel Sagmeister. Damals sprach jeder von der größten Baustelle im Landkreis Regen. Das Haus zur Wildnis war in aller Munde. „Wir haben immer wieder hier im Haus übernachtet, um die Anfahrtszeit zu sparen“ – auf Liegen und mit Schlafsack. „Bis Mitternacht haben wir gearbeitet und um 7 Uhr wieder angefangen.“

Eine Eröffnung mit Edmund Stoiber und eine Ausstellung aus Brasilien

Letztendlich war es dann eine Punktlandung. „Der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber ist oben beim Eingang zur Eröffnungsfeier rein – und wir haben unten die Schutzfolien von den Elementen im Wurzelgang abgenommen“, sagt Reinhold Weinberger. Und nach der geglückten Eröffnung war es dann das Gebäude an sich, das die Mannschaft in den ersten Jahren beschäftigt hat. Undichte Abwasserrohre, Wasser, das durch das Dach eindringen konnte – „wir mussten erst einmal die Kinderkrankheiten überstehen“, sagt Bärbel Sagmeister. In den ersten Jahren gab es regelmäßig Fehlalarme
der Hackschnitzelheizung. „Meist an den Wochenenden und jedes Mal musste die Feuerwehr anrücken.“

Doch irgendwann war alles am Laufen – und es kam die Zeit, um sich um die konzeptionelle Ausstattung des Hauses zu kümmern. Richtig stolz sind Josef Schönberger von der Infotheke und Haustechniker Max Schwarz noch heute auf die erste Wechselausstellung, genannt „Amazonas Brasil“. „Diese Wanderausstellung über das Amazonsgebiet machte Halt in Rio de Janeiro, Paris, Sao Paulo und New York – und eben in Ludwigsthal“, erinnert sich Schönberger. „Das war schon toll, dass wir mit den Metropolen mithalten konnten.“ Und auch der Bau der Ausstellung selbst hat das Team gefordert. „Wir hatten Unterstützung von Mitarbeitern der Ausstellung aus Brasilien“, sagt Max Schwarz. Mit Hand und Fuß musste man sich verständigen, „aber es war sehr herzlich und toll, einen anderen Kulturkreis kennenzulernen“. Zum Beispiel als die Bayern  mittags nur schnell Brotzeit gemacht haben und die Brasilianer ein Schläfchen.

Event-Highlights: WoidWejd-Festival, Sommernachtsball und Glasmacherfest

Doch nicht nur das weckt schöne Erinnerungen. „Wir haben in den 20 Jahren so viel außergewöhnliche Veranstaltungen organisiert“, sagt Katharina Leifeld von der Infotheke und denkt an das Glasmacherfest, das WoidWejd-Festival und die Sommernachtsbälle. „Oder die Inuit-Ausstellung, bei der am Parkplatz unten plötzlich zwei Indianer aus dem Auto gestiegen sind und ich dachte, ich kann meinen Augen nicht trauen“, erinnert sich Stefan Sempert vom Parkplatzservice. Haben als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Nationalpark das Haus zur Wildnis geprägt.

Und an was denkt das Team nicht gerne zurück? „An den Katastrophenwinter 2006“, kommt Martin Weber, damals wie heute zuständig für die Haustechnik, auf die Anfangszeiten zurück. Das Gebäude war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht fertig. Aufgrund der starken Schneefälle musste das Dach dreimal abgeschaufelt werden. „3000 Kubikmeter Schnee sind in zwei Wochen zusammengekommen.“ Eine schweißtreibende Angelegenheit. Ebenso wie im Jahr 2022 der Einbau des zweistöckigen Baumes, der in der jetzigen Dauerausstellung zu sehen ist. „Die angelieferten Teile waren zu groß.“ Aber das Hausmeisterteam hat nach Lösungen gesucht und welche gefunden, was den damaligen Leiter Achim Klein nicht überrascht hat. „Die Mannschaft ist ein eingespieltes Team. Viele von ihnen sind von Anfang an dabei. Allen ist es ein Anliegen, dass in den jährlichen Schließzeiten saniert, ausgebessert und weiterentwickelt wird.“ Und dass sich alles in die einzigartige Architektur des Hauses einpasst. „Das ist wohl die größte Herausforderung.“

Viel im Haur zur Wildnis ist Marke Eigenbau

Dem kann Sabine Eisch, die jetzt für die Besuchereinrichtung verantwortlich ist, nur zustimmen. „Dadurch, dass die Kollegen
so viel selber machen können, brauchen wir nicht immer externe Hilfe und können es in unserer eigenen Handschrift erledigen.“ Wände streichen, Böden einlassen, Ausstellungselemente ausbessern – das alles geschieht mit viel Herzblut
und Sorgfalt. „Viele Besucher denken, das Haus sei ganz neu gebaut und wundern sich, wenn man erzählt, dass es schon
20 Jahre alt ist.“ 20 Jahre, in denen viele Geschichten erzählt wurden – die hoffentlich noch lange weitergegeben werden.

 

Info: Dieser Bericht stammt aus der Frühlingsausgabe des Magazins "Unser wilder Wald". Das komplette Heft ist auch im PDF-Format verfügbar.

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