Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

Klima

Felsen am Lusen (Foto:Alice Alteneder)

Mit „dreiviertel Jahr Winter und einviertel Jahr kalt“ beschreibt der Volksmund überspitzt das raue Klima des Inneren Bayerischen Waldes, das mit seinen hohen Niederschlägen und niedrigen Durchschnittstemperaturen ganz dem subkontinentalen Klimacharakter der südostdeutschen Mittelgebirge entspricht. Die Region unterliegt sowohl maritimen wie kontinentalen Einflüssen.

Das maritime Element drückt sich im Niederschlagsgeschehen aus. Vom Atlantik heranziehende Schlechtwetterfronten erreichen hier die östlichste Ausdehnungsgrenze des planetarischen Westwindgürtels und stauen sich am Querriegel des Gebirgskammes, ebenso wie feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Einem sommerlichen Niederschlagsmaximum in den Monaten Juni und Juli folgt ein zweites, winterliches Maximum in den Monaten Dezember und Januar.

Die Jahresniederschläge liegen für die Tallagen zwischen 600 und 700 m (bis 900 m) ü. NN bei 1100 – 1300 mm, für die Hanglagen zwischen 700 m und 1150 m ü. NN bei 1100 – 1400 mm und für die Hochlagen über 1150 m ü.NN bei 1400 – 1800 mm (- 2500 mm), wobei hier auch der Nebelniederschlag eine bedeutende Rolle spielt. Im Durchschnitt ist entlang des Höhengradienten eine Zunahme der Niederschlagshöhe von 90 mm pro 100 m Höhendifferenz zu verzeichnen. Auf die Vegetationsperiode von Mai bis August entfallen 450 - 750 mm des Jahresniederschlages (Wetterstation Waldhäuser). Etwa 30 - 40 % der Jahresniederschläge fallen als Schnee. Mächtige Schneedecken sind charakteristisch für das Gebiet.

Der kontinentale Klimaeinfluss prägt die Temperaturverläufe. Entlang dem Höhengradienten fällt die Durchschnittstemperatur im Allgemeinen um 0,5 Grad C je 100 m Höhenstufe. Die Hochlagen und Gipfelregionen weisen ein Jahresmittel von 3 - 5 Grad Celsius auf. Die Schneebedeckung hält unter diesen Bedingungen 7 - 8 Monate an. Wärmebeanspruchende Laubbaumarten treten mit Ausnahme von Bergahorn und Vogelbeere hier stark zurück, die natürliche Fichtenwaldgesellschaft ist vegetationsprägend. Die Hanglagen sind der klimatisch am stärksten begünstigte Teil dieser Landschaft mit Jahresmitteltemperaturen zwischen 4,5 und 7,5 Grad Celsius und einer Schneedeckenzeit von 4 – 6 Monaten. Hier findet sich die Zone der Bergmischwälder mit der Buche als Charakterart. Die muldenartigen Tallagen mit ihren hohen Anteilen an vernässten Mineral- und Moorböden bilden v. a. im Herbst und Winter so genannte „Kaltluftseen“ aus, aber auch in Sommermonaten kann es hier in Strahlungsnächten zu Frösten kommen. Diese Temperaturinversion ist ein Charakteristikum der Tallagen. Das Jahresmittel der Lufttemperatur liegt hier bei 3,5 – 6 Grad Celsius, die Schneebedeckung hält 5 – 6 Monate an. Die natürliche Waldgesellschaft wird daher beherrscht von der kälteverträglichsten und frosthärtesten unter den heimischen Hauptbaumarten – der Fichte.

Die vorherrschenden Windrichtungen sind West und Südwest. Kontinentale Hochdruckeinflüsse im Winter sind dagegen häufig begleitet von einem eisigen Ostwind, dem so genannten Böhmwind.