Nationalparkverwaltung
Bayerischer Wald

Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald

Forschungsprojekt Auerhuhn

Auerhuhn

Laufzeit: Januar 2010 - Juni 2013
Projektbearbeiter: Sascha Rösner
Projektleiter: Jörg Müller

Auerhühner (Tetrao urogallus) sind in Mitteleuropa Charaktervögel hoch gelegener Mittelgebirgs- und Hochgebirgswälder. Die Bestände dieser Raufußhuhnart sind im 19. Jahrhundert überall in Mitteleuropa zurückgegangen. Dieser Rückgang ist anthropogener Art und liegt u.a. in übermäßiger Bejagung sowie in der Veränderung der Waldstrukturen begründet. Die verbliebenen Brutpopulationen befinden sich heute ausschließlich in naturnahen Waldgebieten.

Sowohl Brut- und Aufzuchtsplätze, Sommer- und Wintereinstände als auch Balzplätze müssen komplexen ökologischen Ansprüchen dieser geschützten Vogelart genügen. Diese hohen Ansprüche führen dazu, dass das Vorkommen von Auerhühnern als Indikator naturnaher Waldökosysteme gilt. Im naturnahen Waldökosystem des Bayerischen Waldes sowie des Böhmerwaldes finden diese “Waldhühner" noch heute einen geeigneten Lebensraum.

Das Vorkommen im Bayerischen Wald ist bekannt, jedoch gibt es neben Schätzwerten aus Zufallsbeobachtungen keinerlei Hinweise zur Größe der Brutpopulation oder dem Bestandstrend und potentielle Gefährdungsursachen. Daher können derzeit kaum zuverlässige Aussagen über die Größe der Population getroffen werden.

Hier setzt das aktuelle Forschungsprojekt der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald an. Mit modernen Methoden soll zunächst die Bestandsgröße möglichst exakt ermittelt werden. Potentielle Störgrößen wie etwa Prädatoren, Wintertourismus oder Veränderung der Habitatqualität sollen quantifiziert und mit Angaben über die Stressbelastung der Auerhühner in Beziehung gesetzt werden.

Die Forschungsaktivitäten werden dabei explizit nicht-invasiv durchgeführt. Alle notwendigen Daten werden generiert, ohne die Tiere etwa für telemetrische Arbeiten fangen zu müssen. Durch moderne Methoden ist es den Wissenschaftlern des Nationalparks möglich, aus Kot- und Federproben alle relevanten Daten wie etwa genetische Merkmale (Genotypisierung) oder hormonelle Stressbelastung (Metaboliten des Stresshormons Corticosteron) zu messen. Folgende Fragen sollen konkret beantwortet werden:

  • Wie viele Auerhühner gibt es noch im Bayerisch-/Böhmischen Grenzgebirge?
  • Ist die Population langfristig überlebensfähig und sind die Teilpopulationen noch ausreichend vernetzt?
  • Wie groß ist die Fläche an geeignetem Lebensraum?
  • Hat der Mensch als Erholungssuchender und im Zuge der Holznutzung einen negativen Einfluss auf die Raumnutzung der Hühner?
  • Lässt sich über die räumliche Verteilung hinaus noch eine Stressbelastung durch Menschen nachweisen?
  • Lassen sich innerhalb des Schwerpunktverbreitungsgebietes Differenzierungen in der Habitatnutzung finden?
  • Werden Totholzflächen von Auerhühner noch genutzt?
  • Ist die Nestprädation im Hochlagenwald durch den Borkenkäferfrass erhöht?

Literatur:

Teuscher, M., Brandl, R., Rösner, S., Bufka, L., Lorenc, T., Förster, B., Hothorn, T., Müller, J., 2011. Modelling habitat suitability for the Capercaillie Tetrao urogallus in the national parks Bavarian Forest and Šumava. Ornithologischer Anzeiger in press.